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Guck mal hier: Modell einer industriellen Schweinemast.

Miniatur Wunderland Hamburg

Arme, kleine Plastikschweine

Die weltweit größte Modelleisenbahn soll über Tierwohl informieren.

Im Miniatur Wunderland Hamburg, dem Zuhause der weltweit größten Modelleisenbahn, geht es einigen Schweinen in ihrem Öko-Stall richtig gut. Schließlich wollen die Betreiber Frederik und Gerrit Braun mit der neuen Sonderausstellung „Sauwohl“ über das Tierwohl von Schweinen informieren und Diskussionen anstoßen.

Fünf landwirtschaftliche Miniatur-Betriebe zeigen, in welch unterschiedlicher Form Schweinezucht in Deutschland betrieben werden kann. Die meisten Mini-Schweine leben in der neuen Ausstellung allerdings unter schlechten Bedingungen in engen Boxen. „Wir müssen die Verbraucher aufrütteln“, sagte Frederik Braun am Dienstag bei der Präsentation. Gestaltet wurde die Ausstellung gemeinsam mit Tierschützern und Landwirten.

Vorangegangen war der Hamburger Ausstellung eine provokante Tierschutz-Aktion: Im Juni vergangenen Jahres hatte das Miniatur Wunderland Plakate veröffentlicht, auf denen Menschen zu sehen waren, die wie Tiere gehalten wurden. Frauen wurde in Ställen Milch abgesogen, und kleine Jungen wurden wie männliche Küken zum Schreddern abtransportiert.

Schau mal da: Sechs Betriebe haben Gerrit (l) und Frederik Braun nachbauen lassen.

Vor allem aus der Landwirtschaft hagelte es damals harsche Kritik. In dieser Zeit habe die Kantine des Miniatur Wunderlands Currywurst und Schnitzel für einen Aufpreis von einem Euro auch in Bio-Qualität angeboten, erläuterte Frederik Braun. Aber selbst nach ausführlicher Information hätten lediglich zehn Prozent der Gäste das Bio-Fleisch gewählt.

Die fünf landwirtschaftlichen Mini-Betriebe reichen von der industriellen Tierhaltung mit gesetzlichen Mindestbestimmungen bis zur Bio-Schweinemast nach EU-Öko-Verordnung. Die Besucherinnen und Besucher können die unterschiedlichen Ausläufe der Tiere, die Art der Stallbauten und den Einsatz von Stroh begutachten.

Informiert wird zugleich auch über den Preis der jeweiligen Tierhaltung, der von 6,99 bis 21,99 Euro pro Kilogramm reicht. Sechs Monate habe die Vorbereitung der Ausstellung gedauert, so Frederik Braun am Dienstag. Die Materie sei so kompliziert, „weil es kein Schwarz und kein Weiß gibt“. Er selbst plädiere dafür, weniger Fleisch zu essen.

Dietrich Pritschau, Landwirt im Kreis Segeberg und Vertreter des Bauernverbandes, sagte, Tierschützer und Bauern hätten durchaus ähnliche Ziele. Würden die Verbraucher mehr Geld für ihr Fleisch zahlen, könnten auch die Tiere besser gehalten werden. Svenja Furken vom Tierschutzverein „Provieh“, beklagte, es fehle in der Tierhaltung an Transparenz. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten im Gegenzug auch mehr Interesse zeigen.

Begleitet wird die Schau mit Infotafeln über den Fleischverbrauch, Wassereinsatz und Beispielen aus der Werbung für billiges Fleisch. Weil die Ausstellung einen eigenen Raum bekommen hat, müssen die fünf landwirtschaftlichen Betriebe allerdings auf einen eigenen Eisenbahn-Anschluss an die Miniatur-Stadt „Knuffingen“ verzichten. Hier werden die Schweine am Ende mit einem Lkw abtransportiert. (epd)

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