Der Attentäter Anis Amri war 2016 mit einem LKW in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin gefahren.
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Der Attentäter Anis Amri war 2016 mit einem LKW in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin gefahren.

Anschlag auf dem Breitscheidplatz

Breitscheidplatz: Polizist soll Interna zum Anschlag an AfD verraten haben

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Ein Polizist aus Berlin steht im Verdacht, Interna zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin an AfD-Mitglieder verraten zu haben. Er ist weiterhin im Dienst.

  • Ein Polizist soll Informationen über den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt verraten haben
  • Er soll Interna an AfD-Parteifreunde per Chat verschickt haben
  • Der Polizist aus Berlin ist weiterhin im Dienst

Berlin - Alle Welt blickt derzeit auf die Polizei in den USA, die wegen Gewalt insbesondere gegenüber Schwarzen stark in die Kritik geraten ist und weltweite Proteste ausgelöst hat. Doch auch die Polizei in Deutschland bekleckert sich dieser Tage nicht gerade mit Ruhm: Wie kürzlich aus einem Medienbericht bekannt wurde, steht ein Polizist aus Berlin im Verdacht, interne Informationen zum islamistischen Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz an Parteifreunde von der AfD verraten zu haben. 

Anschlag vom Breitscheidplatz: Polizist soll Dienstgeheimnisse verraten haben

Staatsanwaltschaft und Senatsinnenverwaltung bestätigten, dass es ein Ermittlungsverfahren gebe, wollten sich zu den konkreten Vorwürfen aber nicht äußern. Wie das ARD-Politikmagazin „Kontraste“ und der NDR berichten, wird gegen den Polizeihauptkommissar wegen des Verdachts auf Verrat von Dienstgeheimnissen ermittelt.

Demnach soll der Polizist Mitglied der AfD sein und in einer Chatgruppe anderen AfD-Mitgliedern interne Informationen der Polizei zu dem Terroranschlag im Dezember 2016 mitgeteilt haben - ein erstes Mal bereits 90 Minuten nach dem Anschlag. Am Tag nach dem Anschlag soll er Ergebnisse zur Untersuchung des Lastwagens verschickt haben, mit dem der Täter Anis Amri in den Weihnachtsmarkt gefahren war. Weitere Nachrichten folgten nach Erkenntnissen des Berliner Landeskriminalamts (LKA).

Aufgeflogen ist der Hauptkommissar nur durch einen Zufall: In der 12-köpfigen Chatgruppe befand sich auch Tilo P., einer von drei Tatverdächtigen im Fall der rechtsextremen Anschlagsserie in Berlin-Neukölln. Im Rahmen der Ermittlungen stellte die Polizei im September 2019 das Handy P.s sicher und wertete es aus, wobei sie auf die Chatnachrichten des Polizisten über den Anschlag stieß. 

Anschlag vom Breitscheidplatz: Verdächtigter Polizist versetzt

Der verdächtige Polizist ist derweil weiter im Dienst. Wie ein Polizeisprecher am Mittwoch (10.06.2020) sagte, werde über mögliche Konsequenzen werde erst nach Abschluss der Strafermittlungen entschieden. Das disziplinarrechtliche Verfahren bei der Polizei gegen den Beamten ruhe bis dahin.  

Die „Berliner Morgenpost“ berichtete, der Polizist sei versetzt worden, er arbeite nun im Innendienst ohne direkten Kontakt zu Bürgern. Er habe demnach seine Dienstwaffe abgeben müssen und auch keinen Zugang mehr zur Polizei-Computerdatenbank. Dazu äußerte sich der Polizeisprecher nicht.

Weiterer Polizist gab Dienstgeheimnisse zum Fall Amri preis

Ein weiterer Polizist aus B erlin hat derweil gestanden, Interna über denselben Fall an zwei Ex-Freundinnen weitergegeben zu haben. Laut „Kontraste“ und dem NDR ist eine Nachricht, die beide Polizisten verschickt haben, in Wortlaut und Interpunktion exakt gleich. Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Fällen besteht, ist aber noch unklar.

Der Attentäter Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen entführt, mit dem er über den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz fuhr. Er tötete zwölf Menschen und verletzte zahlreiche weitere. Amri hatte enge Kontakte ins Salafistenmilieu und war Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

ial mit dpa 

Zwei Polizeibeamte in Brandenburg haben einen eigentlich harmlosen Einsatz zu einem Skandal gemacht – allerdings für sich selbst: Die Polizisten schikanierten einen Betrunkenen und filmten sich dabei.

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