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Miesepeter sehen anders aus.
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Miesepeter sehen anders aus.

Imageprobleme

Anleitung zum Aufpolieren

  • Tanja Kokoska
    VonTanja Kokoska
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Sie haben echt „Mist“ gebaut? Kein Problem, auch Sie sind ein Held. Es gibt genug Vorbilder, an denen Sie sich orientieren können - besonders einen gewissen Uli.

Sind Sie jemand mit ramponierter Reputation, der einfach nur mal richtig „Mist“ gebaut hat? Zum Beispiel wie der unlautere Doktorarbeiter Karl-Theodor zu Guttenberg oder der untreue Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff? Oder sind Sie gar so bäh wie ein VW-Dieselauto? Dann wird es höchste Zeit, Ihr Image wieder aufzupolieren! Aber keine Bange, das geht ganz einfach:

Zuerst geben Sie offen zu, dass Sie aufgrund des eigenen Vergehens zwar „traumatisiert“ sind, aber nun bereit, dieses „Trauma“ zu verarbeiten. Notfalls beim Psychiater, obwohl Sie, noch gar nicht lange her, mal gesagt haben, „mit so einem Käse wie Trauma-Bewältigung nichts anfangen“ zu können. Aber das ist ja Gouda von gestern. Heute kehren Sie Ihr Inneres nach außen, sprechen offen über Ihre Gefühle. Vielleicht sagen Sie etwas Hübsches wie: „Ich bin morgens auch manchmal schon eine Stunde nach dem Aufstehen völlig fertig.“ Das ist eingängig, weckt Empathie. Dann scharen Sie die Freunde, die Ihnen geblieben sind, um sich – notfalls auch solche, die nur deshalb noch Ihre Freunde sind, weil sie sich trotz allem etwas davon versprechen, Ihr Freund zu sein. Einen dieser Freunde lassen Sie eine Lobeshymne auf Sie und Ihre millionenschweren Verdienste verlesen. Daraufhin brechen Sie spontan in Tränen aus.

Ein gegen Sie gefälltes Urteil – möglicherweise inklusive Gefängnisstrafe – „akzeptieren“ Sie gnädigst. Die Hochachtung all jener, die sich mit dem Akzeptieren sonst schwer tun, ist Ihnen sicher. Vielleicht haben Sie einen Bruder, der Sie während der Haft besucht und hinterher in ein Mikrofon sagt, dass Sie schlecht aussehen, das wäre vorteilhaft. Und dann, ganz wichtig, dann wünschen Sie sich, „die Gelegenheit“ zu bekommen, „der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist.“ Denn wem die Bundeskanzlerin vergibt, dem vergibt auch das Volk. Und wenn Sie vorzeitig aus der Haft entlassen werden, weil Sie sich endlich mal gut benommen haben, können Sie „mit Respekt, Verneigung und Huldigung rechnen“, das schreibt „Die Zeit“ und die kennt sich damit aus: Dann wissen Sie „die entscheidenden Dinge über das Leben“: Sie sind ein ganz Harter, yeah, Sie waren im Knast, wow, und die Welt war dabei, als Sie wieder rauskamen, tschakka! Das macht Sie „zum Helden“, und „die Leute glauben Ihnen jetzt fast alles“, prophezeit das Heldenblatt. Es wird nur noch ganz wenige „Miesepeter“ (ARD) geben, die Ihnen nicht alles glauben. Aber dies soll Sie trösten: Wer argwöhnisch ist, haben Sozialpsychologen der Uni Köln herausgefunden, verdient auch weniger Geld.

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