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This picture shows a large view of an Oktoberfest tent pior to the opening of the Oktoberfest beer festival at the Theresienwiese fair grounds in Munich, southern Germany, on September 16, 2016. 

The world's biggest beer festival Oktoberfest opens on September 17, 2016, and runs until October 3, 2016.  / AFP PHOTO / CHRISTOF STACHE
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This picture shows a large view of an Oktoberfest tent pior to the opening of the Oktoberfest beer festival at the Theresienwiese fair grounds in Munich, southern Germany, on September 16, 2016. The world's biggest beer festival Oktoberfest opens on September 17, 2016, and runs until October 3, 2016. / AFP PHOTO / CHRISTOF STACHE

Oktoberfest

Angst vor Anschlägen

  • Daniela Vates
    VonDaniela Vates
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Das Oktoberfest ist eröffnet. In diesem Jahr gibt es in neues Sicherheitskonzept: Ein 350 Meter langer Zaun soll die Besucher schützen.

Maschendrahtzaun, das ist in diesem Jahr die Neuigkeit auf dem Oktoberfest in München. Es gibt ein neu ausgeschmücktes Traditionsbierzelt, einen Geisterbahnbetreiber, der nach 40 Jahren von Geistern auf Kaffee und Kuchen umgesattelt hat. Aber die Aufmerksamkeit liegt auf dem Zaun. 350 Meter lang, übermannshoch. Und mit spektakulären Fähigkeiten: Innerhalb von weniger als 50 Sekunden soll sich der Maschendraht auf Knopfdruck zurückziehen in schmale Blechkästen, sauber aufgewickelt. Schon eine Art Sehenswürdigkeit also.

Der Zaun allerdings ist kein Fahrgeschäft, und keine Sehenswürdigkeit, und eigentlich wären alle froh, wenn er seine Aufspulfähigkeit nicht zeigen müsste: Er ist Teil des Sicherheitskonzepts des Oktoberfests, des größten Volksfestes der Welt. Sechs Millionen Besucher kommen in 14 Tagen, um ungefähr 7,5 Millionen Liter Bier zu trinken, 500 000 Hendl zu essen, 50 Kälber und über 100 Ochsen. 200 000 Menschen sind manchmal gleichzeitig da. Allein in das größte der 14 größeren Bierzelte passen fast 10 000 Menschen, das Personal nicht mitgezählt.

Katastrophenszenarien kann man sich da alle möglichen vorstellen. Das Sicherheitskonzept ist daher seit Jahren zentraler Teil der Vorbereitungen. Nach dem Anschlag eines Rechtsextremisten im Jahr 1980, bei dem 13 Menschen starben und über 200 verletzt wurden, wurden Abfalleimer abgebaut. Der Attentäter hatte seine Bombe in einem Papierkorb deponiert. Poller verhindern mittlerweile zudem die Zufahrt zum Gelände.

Friedlich ist es in den vergangenen Jahren zugegangen, einigermaßen zumindest. Rund 2000 Straftaten verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr, Taschendiebstähle vor allem und Prügeleien, mit dem oktoberfestspezifischen Spezialfall Maßkrugschlägerei. Drogendelikte führten die Beamte auch auf, scharf zu trennen vom Bierkonsum – allenfalls alkoholisierte Jugendliche finden den Weg in die Statistik. Gut 100 000 Maßkrugdiebstähle kamen dazu. Etwa 20 Sexualdelikte wurden angezeigt. Und in der Stadt stieg während der Volksfesttage die Zahl der Verkehrsunfälle. Die Befürchtung, die Mischung aus neu ankommenden Flüchtlingen und bierseligen Festbesuchern könnte brisant werden, bewahrheitete sich im vergangenen Jahr nicht. „Keinerlei Probleme“, meldete die Polizei.

In diesem Jahr ist die Furcht vor einem neuen Anschlag gestiegen. Einzelne Trachtenverbände und die CSU-Mittelstandsvereinigung haben ihre Besuche abgesagt. Die Autovermietungs-Unternehmerin Regine Sixt, die sonst mehrere 100 mehr oder minder prominente und/oder finanzkräftige Frauen zur „Damen-Wiesn“ lud, hat die Veranstaltung in diesem Jahr abgesagt und das mit Terrorangst begründet. Die Hotelbranche spricht von bis zu 15 Prozent weniger Buchungen.

All das führt zu der absurden Situation, dass Kabarettisten, die sonst gerne mal über die Wiesn lästern, einen Pro-Oktoberfest-Aufruf gestartet haben unter dem Motto: „I geh! Du aa?“ Und Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid appelliert, man dürfe wegen einer lediglich abstrakten Bedrohungslage „nicht die Alltagsgewohnheiten ändern“. „Da hätten die Terroristen ja ihre Ziele erreicht. Genau das wollen die ja.“

Um die Alltagsgewohnheit Oktoberfest abzusichern, wurde also die Zahl der Überwachungskameras aufgestockt. Auf dem Gelände sind am Tag 350 Polizeibeamte im Einsatz und etwa noch mal so viele Ordner der Stadt. Erstmals gibt es ein Rucksackverbot. Nur DIN-A5 große Taschen dürfen mitgenommen werden. „Weniger als drei Liter Milch“ dürfe man mitnehmen, sagt Bürgermeister Schmid. Es ist kein schlechter Vergleich: Auf Milchkartons kann man auf der Wiesn wirklich verzichten.

Lange hat der Stadtrat über einen Zaun um das 36 Fußballfelder große Gelände diskutiert und ihn dann im Juli – aus Sicherheitsgründen – verworfen. Bei einer Massenpanik, so die Befürchtung, würde ein Zaun das Drama noch vergrößern. Nach dem Amoklauf eines Schülers in München und den Attentaten von IS-Anhängern in Bayern war dann alles wieder anders: Der Ältestenrat der Stadt übertrug die Entscheidung auf die Sicherheitsbehörden. Und die empfahlen einen Zaun. Nur 350 Meter lang musste der sein, weil der Rest des Festgeländes ohnehin schon seit Jahren mit Bauzäunen abgesperrt ist.

Man habe alle „geeigneten, erforderlichen und angemessenen Maßnahmen“ für die Sicherheit getroffen, findet Bürgermeister Schmid. Und Oberbürgermeister Dieter Reiter, der am Samstag das Oktoberfest mit dem traditionellen Ruf „O'zapt is“ eröffnete, wünschte wie üblich allen eine „friedliche Wiesn!“ Die erste Maß überreichte der OB dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU).

Die größte Sorge kurz vor Beginn war dann ohnehin nicht mehr die Sicherheit. Sondern das Wetter. Fürs Wochenende sind in München schwere Gewitter angesagt. (mit afp)

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