+
Marienkäfer vertreiben schon die Urlauber.

Mecklenburg-Vorpommern

Angriff der Pünktchenkäfer

  • schließen

Invasion an der Ostsee: Millionen Marienkäfer fallen derzeit über die Strandurlauber her. Erschreckende Szenen spielen sich ab. Von Steven Geyer

Am Anfang ist es noch ganz putzig: "Da! Ein Marienkäferchen!", rufen die Kinder im Sommerurlaub zuerst. Doch dann: noch eins. Und noch eins. Und noch eins - und spätestens, wenn die Ränder der Fußgängerwege in den Ostseestädtchen von Bergen zusammengefegter toter Marienkäfer gesäumt sind, wird klar: Es ist eine Invasion.

An den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins "sehen Urlauber und Einheimische derzeit rot", tickert die Deutsche Presseagentur von der Krabbelfront, und die Lokalzeitungen beschreiben Bilder des Grauens: Millionen Marienkäfer auf den Gehwegen lassen jeden Schritt knirschen, Häuserfassaden sind dunkelrot gesprenkelt, Strandkörbe sind nicht mehr benutzbar.

Erschreckende Szenen spielen sich ab: "In Travemünde breitet eine Mutter eine Windel über den Kinderwagen, um ihr sieben Monate altes Baby vor den Insekten zu schützen", schildert der DPA-Landesdienst Nord atemlos und zitiert die malträtierte Mama: "Wir sind vom Strand geflüchtet, weil die Biester unserer Kleinen ständig im Gesicht rumgekrabbelt sind!" - "Wenige Schritte weiter", fährt der Bericht aus dem Krisengebiet fort, "tröstet eine Mutter ihren weinenden Sohn, weil die Käfer sein Eis umschwirren, das er eigentlich essen möchte. ’Die tun dir nichts’, beruhigt sie ihn ..."

Wegen des Windes sind ausgerechnet die Strände von der Invasion besonders betroffen. Spätestens dort bringen die Käfer kein Glück mehr: Sie beißen nämlich. "Wie ein Nadelstich" fühle sich das an, werden Opfer zitiert. Und mit einem Dutzend Bisse muss schon rechnen, wer in einen der vielen Marienkäferschwärme in Meeresnähe gerät.

Da beruhigt es kaum, dass Experten entwarnen: "Der Mensch passt nicht in das Beuteschema des Marienkäfers", sagte etwa der Greifswalder Zoologe Jan-Peter Hildebrandt. Die Käferbisse seien völlig harmlos und oberflächlich. Als Ursache für den Ansturm des "Asiatischen Marienkäfers" (es gibt nämlich noch gut 70 weitere Arten in Deutschland) nennt Hildebrandt "das hervorragende Nahrungsangebot für die Larven in diesem Jahr".

Mit dem Klimawandel habe das nichts zu tun: "So eine regionale Massenvermehrung ist alle paar Jahre zu beobachten." Zuletzt etwa fielen die Coccinellidae-Scharen (so ist nämlich der biologische Name) in den 80ern in den DDR-Strandbädern ein. Damals wie heute "waren die Reproduktionsbedingungen besonders gut", sagt der Zoologe: Mildes Wetter bei feuchter Luft sorgte für üppige Vegetation und so für reichlich Blattläuse. Von denen "ernähren sich die räuberischen Larven". Zudem hätten die Käfer wegen ihrer für viele Vögel unverdaulichen chemischen Inhaltsstoffe wenige Fressfeinde.

In Rostock hat nun auch das Landesamt für Gesundheit den Ernst der Belagerung erkannt und gibt Verhaltenstipps: keine "knalligen Kleiderfarben", Fliegengaze vors Fenster! Zum Glück meldet inzwischen der Nabu, die Lebensdauer der Käfer sei "in der Regel auf ein Jahr begrenzt". Schlimmer sei da, dass der Asiatische Marienkäfer die heimischen Arten verdrängen könne. Aber bewahren wir erst mal Ruhe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion