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In der Demokratischen Republik Kongo gibt es 3395 Punkte, die für Brände stehen, in Angola sind es 6902.

Brände

Angola und Kongo: Feuer im Herzen Afrikas

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Derzeit toben besonders viele Brände in Angola und im Kongo.

Manchem kamen die Bilder gerade recht. Auf den Aufnahmen eines Nasa-Satelliten sind neben den derzeitigen Bränden im Amazonasgebiet auch zahllose Feuerstellen im Herzen Afrikas zu sehen: Dort sind die roten Punkte, die einzelne Brände markieren, sogar noch wesentlich zahlreicher als in Brasilien. Während in dem lateinamerikanischen Riesenstaat in den vergangenen Tagen 2127 solcher Punkte registriert wurden, sind es in der zentralafrikanischen Demokratischen Republik Kongo immerhin 3395 und im benachbarten Angola sogar 6902.

Statt nur nach Brasilien zu schauen, riet Präsident Jair Bolsonaro seinem Amtskollegen und Widersacher Emmanuel Macron, solle man den Blick lieber auf „eigene“ Gebiete zu richten, womit er offenbar die ehemaligen französischen Kolonien in Afrika meinte. Die liegen allerdings weiter im Norden und weisen nur sehr wenige rote Punkte auf. Trotzdem sah sich Macron genötigt, sein Angebot der Soforthilfe auf Afrika auszudehnen.

„Auch südlich der Sahara brennen die Wälder“, schrieb der französische Präsident auf Twitter: „Wir erwägen die Möglichkeit, dort eine ähnliche Initiative zu starten.“ Experten zweifeln allerdings daran, dass dies tatsächlich nötig ist. Zwar handelt es sich beim kongolesischen Urwald in der Tat um die zweite „grüne Lunge“ des Globus.

Bauern zünden vor Beginn der Regenzeit Pflanzenreste an

Auf weit mehr als zwei Millionen Quadratkilometern breitet sich eben dort das nach dem Amazonas zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde aus. Doch die roten Punkte sind keineswegs auf das Kongo-Becken konzentriert: Sie liegen vielmehr weiter südlich – im Süden des Kongos, in Angola und Sambia. Dort endet der Regenwald oder wurde bereits seit weit über hundert Jahren zurückgedrängt.

Fachleuten zufolge ist das Meer der roten Punkte in Zentralafrika auf die Praxis der Bauern zurückzuführen, die vor Beginn der Regenzeit die verdorrten und auf ihren Feldern verbliebenen Pflanzenreste anzuzünden. Auf diese Weise müssen sie nicht abtransportiert werden und liefern außerdem noch mineralischen Dünger. Dabei handele es sich um eine Tausende von Jahren alte Praxis, erklärte Tosi Mpanu Mpanu, Kongos Vertreter beim bevorstehenden Klimagipfel in New York. „Afrikas Brände sind mit denjenigen im Amazonas gar nicht zu vergleichen.“

Tatsächlich ist auf den Satellitenbildern weder zu erkennen, wie groß ein Brand in Wirklichkeit ist – noch, ob er von Landwirten unter Kontrolle gehalten wird oder außer Rand und Band geraten ist. Die meisten afrikanischen Brände kämen in Savannengebieten, im Buschland oder am Rand des Regenwaldes vor, bestätigt Laurent Williams von der Nichtregierungsorganisation Global Forest Watch: Manche entzündeten sich zum Ende der Trockenzeit selbst, andere würden von Landwirten ausgelöst.

Experten warnen in Afrika vor zunehmenden Gefahren

Auch das angolanische Umweltministerium meldete sich zu Wort: Bei den Alarmmeldungen handele es sich um eine „Desinformationskampagne unvernünftiger Geister“, um „Panikmache“, die von den wirklichen Problemen ablenken solle.

Dennoch warnen Experten auch in Afrika vor den zunehmenden Gefahren, die dem Regenwald drohen. Steigende Temperaturen, weniger Niederschläge und Abholzung hätten auch den kongolesischen Urwald wesentlich anfälliger gemacht, sagt Wabiwa Betoko, Vertreterin von Greenpeace in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. Der ausgedünnte Regenwald werde trockener und deshalb auch empfindlicher für sich selbst entzündende Brände.

Falls der kongolesische Urwald Feuer fange, würde das noch verheerendere Folgen als in Brasilien haben, weil den afrikanischen Regierungen wesentlich weniger Mittel zur Brandbekämpfung zur Verfügung stünden, so Betoko. „Wir müssen vorbeugend handeln, um es nicht zur Katastrophe kommen zu lassen.“

Jüngsten Studien zufolge ist der vom Regenwald bedeckte Teil des Kongos in den 15 Jahren bis 2018 von 67 auf 54 Prozent zurückgegangen. Kongos Präsident Félix Tshisekedi äußerte kürzlich die Befürchtung, dass der Regenwald in seiner Heimat im kommenden Jahrhundert verschwunden sein könnte. Greenpeace fordert, dass sämtliche industrielle Aktivitäten wie Rodung oder Bodenschatzabbau innerhalb des Urwalds verboten werden.

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