Göttingen

Angezündet und zugestochen

Nach dem grausamen Mord an zwei Frauen in Göttingen suchen die Ermittler nach einem Motiv.

Er lauerte ihr auf, überschüttete sie mit Brandbeschleuniger, zündete sie an und stach mit einem Messer auf sie ein. Eine zweite Frau, die der 44-Jährigen helfen wollte, griff er ebenfalls an. Beide Frauen starben. Das unfassbare Verbrechen von Göttingen, die spektakuläre Flucht des mutmaßlichen Mörders hat die Menschen in Südniedersachsen aufgewühlt.

Der mutmaßliche Täter, ein 52-Jähriger, äußerte sich bisher nicht. Göttingens Kripo-Chef Thomas Breyer sagte aber zum möglichen Motiv des Mannes: „Wir gehen aber davon aus, dass es damit zu tun hat, dass er von ihr wiederholt abgewiesen wurde.“ Der gelernte Schreiner und Gelegenheitsarbeiter habe sich über längere Zeit um die 44-Jährige bemüht.

Nach der Tat vom Donnerstag und eineinhalbtägiger Flucht wurde der Verdächtige am Freitagabend in Göttingen festgenommen. Er wehrte sich bei der Festnahme vor einem Schnellrestaurant, wie die Polizei mitteilte. Die schwer verletzte 57-Jährige, die dem Opfer helfen wollte, starb einen Tag später im Krankenhaus.

Schon sechs Tage vor der Tat hatte der 52-Jährige seinem späteren Opfer Angst gemacht – er kletterte auf den Balkon der 44-Jährigen und warf Gegenstände herunter, wie Buick sagte. Mit ihr gesprochen habe er nicht. Die Frau rief die Polizei – was folgte, waren ein Besuch der Beamten in seiner Wohnung und eine Gefährderansprache. Der Mann habe sich einsichtig gezeigt.

Eine Fehleinschätzung: Laut der Ermittler lauerte der Verdächtige seiner Bekannten zwei Tage später auf, goss Brandbeschleuniger über sie und zündete sie an. Als die Frau wegzulaufen versuchte, stach er mit einem Messer auf sie ein. Dann attackierte er die 57-Jährige, die ihrer Kollegin helfen wollte. Ein weiterer Zeuge sei mit einem Feuerlöscher zu Hilfe geeilt – diesen habe der mutmaßliche Täter ihm entrissen und damit auf den Kopf der 44-Jährigen eingeschlagen.

Nach seiner brutalen Tat rief der mutmaßliche Täter auf der Flucht mehrmals bei der Polizei an, um sich nach dem Zustand der Opfer zu erkundigen. Zur Fahndung hatte die Polizei starke Kräfte mobilisiert, auch Hunde, Drohnen und Hubschrauber eingesetzt. Einmal wäre der Mann den Beamten fest ins Netz gegangen.

In einem Nahverkehrszug in Richtung Hannover erkannte ihn eine Bahnmitarbeiterin und schloss ihn im Waggon ein. Der Zug wurde bei Hildesheim gestoppt, doch der Verdächtige zerschlug eine Scheibe mit dem Nothammer und setzte sich ab. Völlig unerwartet suchte er dann in Hannover einen Anwalt auf. Nach Angaben der Polizei bat der Verdächtige um rechtlichen Beistand. Der Rechtsanwalt habe dies abgelehnt und die Polizei informiert,

Dann sei der mutmaßliche Täter wieder abgetaucht. Schließlich wurde er in Göttingen gefasst. Ein Haftrichter erließ Haftbefehl. Der Verdächtige war wegen mehrerer Vergewaltigungen in den 1990er Jahren verurteilt worden. Am Tatort vom Donnerstag wurden Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt. (dpa)

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