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Amoklauf in Hamburg: Was über die Opfer bekannt ist – auch ungeborenes Kind tot

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Von: Romina Kunze

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Es findet gerade eine Veranstaltung der Zeugen Jehovas statt, als eine Person in Hamburg das Feuer eröffnet. Acht Menschen sterben. Das jüngste Opfer war noch nicht mal geboren.

Hamburg – Es sind fürchterliche Szenen: Ein Mann stürmt ein Gebäude und schießt wild um sich. Bei dem Amoklauf in Hamburger Stadtteil Alsterdorf starben am Donnerstagabend (9. März) acht Menschen, acht weitere wurden verletzt. Ganz Deutschland steht unter Schock. Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von dem „schlimmsten Verbrechen in der jüngeren Geschichte unserer Stadt“.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) reagierte mit Betroffenheit auf die tödliche Gewalttat: „Meine Gedanken sind in den schweren Stunden bei den Opfern und ihren Angehörigen. Wir trauern um diejenigen, die so brutal aus dem Leben gerissen wurden“, sagte der SPD-Politiker bei einer Pressekonferenz am Freitag (10. März). Doch was wissen wir über die Opfer aus Hamburg?

Nach den Schüssen in Hamburg: Vier Männer und zwei Frauen sterben – auch ein ungeborenes Kind tot

Am Donnerstagabend kamen Mitglieder der „Zeugen Jehovas“ zusammen, als der Amoktäter das Gebäude betrat und gegen 21 Uhr das Feuer eröffnete. Bei den Todesopfern handelt es sich den Angaben zufolge um vier Männer sowie zwei Frauen aus der Glaubensgemeinschaft. Auch der 35-jährige Täter zählt zu den Todesopfern. Laut Polizei hat er sich selbst erschossen.

Besonders tragisch: Das jüngste Opfer hatte wohl noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt. Den Polizeiangaben zufolge kam bei der schrecklichen Tat auch ein weiblicher Fötus von 28 Wochen ums Leben. Die Mutter (33) des ungeborenen Kindes, wurde laut dpa schwer, aber nicht tödlich verletzt und wird derzeit behandelt.

Todesopfer nach Amoklauf in Hamburg starben alle durch „Schusseinwirkungen“

Die vier Männer und zwei Frauen, die bei dem Anschlag erschossen wurden, waren den Angaben zufolge zwischen 33 und 60 Jahren. „Alle Todesopfer sind deutscher Staatsangehörigkeit und starben jeweils durch Schusseinwirkung“, sagte Leiter des Staatsschutzes der Polizei, Thomas Radszuweit.

Darüber hinaus erlitten drei Personen – im Alter von 22, 38 und 45 Jahren – lebensbedrohliche Verletzungen, drei weitere (32, 26, 22) wurden bei dem Amoklauf schwer verletzt. Ein 32 Jahre alter Mann erlitt leichte Verletzungen, berichtet die Polizei Hamburg. Das Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes habe die psychosoziale Akut-Betreuung von direkt Betroffenen, Angehörigen und Zeugen übernommen.

Weitere Opfer wohl durch schnelles Handeln der Polizei verhindert – Etliche Munition gefunden

Der Täter soll in dem Gemeindehaus insgesamt mehr als 100 Mal geschossen haben. Über ein Fenster verschaffte er sich wohl Zugang zu dem Gebäude im Hamburger Norden und schoss unvermittelt auf die Teilnehmer einer religiösen Veranstaltung. „Insgesamt hat er 9 Magazine à 15 Schuss verschossen“, sagte Radszuweit.

Durch das schnelle Eingreifen der Polizei konnte wohl noch Schlimmeres verhindert werden, schreib die dpa. Mehreren Berichten zufolge waren die Einsatzkräfte innerhalb weniger Minuten nach den ersten Notrufen am Tatort. „Wir haben es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit dem sehr, sehr schnellen und entschlossenen Eingreifen der Einsatzkräfte der Polizei zu verdanken, dass hier nicht noch mehr Opfer zu beklagen sind“, sagte der Innensenator.

Nach Amoklauf in Hamburg mit mehreren Toten und Verletzten.
Bei dem Amoklauf in einem Gemeindehaus in Hamburg kamen sieben Menschen ums Leben. Auch ein ungeborenes Kind zählt zu den Todesopfern. © Christian Charisius/dpa

Nach den Schüssen fand die Polizei laut Staatsanwaltschaft zudem in der Wohnung des mutmaßlichen Täters auch eine größere Menge Munition. Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Ralf Peter Anders, sprach gegenüber der dpa von 15 geladenen Magazinen mit jeweils 15 Patronen und 4 Schachteln Munition mit weiteren 200 Patronen.

Hintergründe des Amoklaufs in Hamburg noch offen – Polizei schließt Streit nicht aus

Dass die Schüsse infolge von möglicher Konflikte innerhalb der Glaubensgemeinschaft gefallen seien, könne laut Ermittler nicht ausgeschlossen werden. Nach Polizei-Angaben gibt es derzeit Hinweise für einen Streit innerhalb der Zeugen-Jehovas-Mitglieder. Derzeit werde der Zusammenhang geprüft.

Der mutmaßliche Amoktäter stammt aus dem bayerischen Memmingen. Studiert habe er in München, sagte Radszuweit. Seit 2015 war er dpa-Informationen zufolge in Hamburg gemeldet, aufgewachsen ist er demnach in Kempten im Allgäu. Er soll den Polizei-Berichten nach früher ebenfalls Mitglieder der Glaubensgemeinde gewesen sein, sie aber vor eineinhalb Jahren zwar freiwillig, wohl aber nicht im Guten verlassen haben. (rku)

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