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Amanda Knox und ihre Mutter. (Archivbild)

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

Amanda Knox erzielt nach Justizdrama juristischen Sieg

Die ehemalige US-Studentin Amanda Knox bekommt vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Recht.

Die durch das Justizdrama um die Ermordung einer jungen Britin in Italien bekannt gewordene ehemalige US-Studentin Amanda Knox hat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Recht bekommen. Die Straßburger Richter rügten am Donnerstag die Verurteilung von Knox wegen Verleumdung als Verstoß gegen das Grundrecht auf einen fairen Prozess. Der damals 20 Jahre alten Studentin sei bei einem stundenlangen nächtlichen Verhör durch mehrere Polizisten der Beistand eines Rechtsanwalts verweigert worden.

Zudem sei die italienische Justiz ihren Beschwerden über das Verhalten der Polizisten nicht nachgegangen, heißt es in dem Urteil. Damit sei gegen das Verbot menschenunwürdiger Behandlung verstoßen worden. Der Gerichtshof bemängelte außerdem, dass Knox bei dem Verfahren kein professioneller Dolmetscher zur Seite gestellt wurde. Diese Aufgabe habe eine Polizeibeamtin übernommen, die sich vor allem als „Vermittlerin“ verstanden und eigene Hypothesen formuliert habe.

Bei dem fraglichen Verhör hatte Knox im November 2007 - vier Tage nach dem Mord - den Geschäftsführer einer Bar, in der sie damals arbeitete, der Tat bezichtigt. Diese Aussage widerrief sie wenige Stunden später in einem Schreiben an die Polizei. Sie sei von den Polizisten massiv unter Druck gesetzt, angebrüllt und bedroht worden, erklärte sie. Auch habe sie Schläge auf den Kopf erhalten.

Aufgrund dieses psychologischen Drucks und einer extremen Erschöpfung habe sie eine Falschaussage gemacht. Der von ihr beschuldigte Italiener wurde festgenommen und nach zwei Wochen wieder auf freien Fuß gesetzt, weil er für die Tatzeit ein Alibi vorweisen konnte.

Italienische Justiz hielt an Anklage fest

Bei einer Anhörung bekräftige Knox, sie habe ihre Anschuldigung in einem Zustand „extremer Verwirrung“ und unter dem Druck der Polizisten erhoben. Dennoch hielt die italienische Justiz an der Anklage wegen Verleumdung fest. Zwei Jahre später wurde Knox deswegen zu drei Jahren Haft verurteilt.

Im November 2007 war eine 21 Jahre alte britische Austauschstudentin halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung in Perugia entdeckt worden, die sie sich mit Knox teilte. Ihre Leiche wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war vergewaltigt worden. Knox und ihr damaliger italienischer Freund Raffaele Sollecito mussten sich mehrfach vor Gericht verantworten.

In einem ersten Prozess wurden sie Ende 2009 des Mordes schuldig gesprochen und zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt. In einem Berufungsprozess wurden sie 2011 freigesprochen, der Freispruch wurde aber im Januar 2014 in einem neu aufgerollten Verfahren wieder kassiert. Im März 2015 sprach das höchste Gericht Italiens die beiden schließlich endgültig frei.

Es begründete dies mit schlampigen Ermittlungen und „erheblichen Mängeln“ bei der Untersuchung des Verbrechens. Wegen des Mordes verurteilt wurde schließlich ein Drogendealer aus der Elfenbeinküste, dessen DNA am Tatort gefunden wurde.

Das Urteil gegen Italien fällten die sieben Richter einer kleinen Kammer des Straßburger Gerichtshofs einstimmig. Die italienische Regierung kann dagegen binnen drei Monaten Rechtsmittel einlegen. Der Gerichtshof kann den Fall dann zur Überprüfung an die 17 Richter der Großen Kammer verweisen, er muss dies aber nicht tun. (afp)

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