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Die Menschen auf Bali leiden ohnehin am Einbruch des Tourismus – nun setzt ihnen auch noch die Müllkatastrophe zu. SONNY TUMBELAKA/AFP (2)
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Die Menschen auf Bali leiden ohnehin am Einbruch des Tourismus – nun setzt ihnen auch noch die Müllkatastrophe zu. SONNY TUMBELAKA/AFP (2)

Bali

Am Albtraumstrand

  • vonBarbara Barkhausen
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Bis zu 60 Tonnen Müll am Tag treibt die Regenzeit an die Ufer Balis. Das desolate Entsorgungssystem der Insel versagt komplett – also organisieren die Einheimischen Aufräumaktionen selbst.

Kinder waten durch kniehohe Müllberge, die sich auf den ansonsten so idyllischen Stränden Balis häufen. Die Mädchen steigen über den Unrat, den das Meer heranträgt. Während der jährlichen Regenzeit wird jedes Jahr Müll an die Küsten der beliebten indonesischen Urlaubsinsel geschwemmt – doch in diesem Jahr sei es besonders schlimm, berichten die Einheimischen.

Dabei hat Bali bereits die Corona-Krise besonders hart getroffen. Tausende Menschen auf der Insel haben ihre Jobs im Tourismus verloren und sind aus den Urlaubsorten in die Dörfer ihrer Familien heimgekehrt, um überhaupt überleben zu können. Die Massen an Müll überwältigen die Menschen nun noch zusätzlich.

Wayan Puja von der lokalen Umweltbehörde in Badung, die die beliebten Strände von Kuta, Seminyak und Jimbaran abdeckt, sagte der australischen Agentur AAP, den Abfällen sei nur schwer beizukommen. „Wir haben wirklich hart gearbeitet, um die Strände aufzuräumen, aber der Müll schwemmt immer wieder an“, so der Indonesier. Am vergangenen Freitag seien mehr als 30 Tonnen Müll von den Stränden in Kuta, Legian und Seminyak entfernt worden, am Samstag sogar 60.

Im Süden der Insel ist die Lage laut Michele Yoga von der wohltätigen Organisation Yayasan Team Action Amed besonders schlimm. Doch auch in Amed, einem Fischerort im Osten unweit des Vulkans Mount Agung, wo die Australierin gerade hilft, die Not der Menschen während der Pandemie zu lindern, ist es nicht besser.

In dem kleinen Inselort kommen die Fischerinnen und Fischer demnach „mit Netzen voller Müll zurück, die dann am Strand ausgeleert werden“, wie Michele Yoga auf Facebook schrieb. Gede Hendrawan, der das Zentrum für Meereswissenschaften an der Udayana-Universität in Bali leitet, sagte der AAP indes, die Müllberge würden aufzeigen, wie ineffektiv Indonesiens Müllentsorgungssysteme seien. Bali habe aber immerhin damit begonnen, sich neu zu organisieren.

Laut dem Gouverneur der Insel, Wayan Koster, braucht es jedoch deutlich mehr Ausrüstung und Personal, damit die bei Urlauberinnen und Urlaubern beliebten Strände schnell gereinigt werden können. Vor allem in der Regenzeit solle die Müllabfuhr 24 Stunden im Einsatz sein, so sein Vorschlag. Vielerorts haben sich die Menschen inzwischen privat organisiert. So initiierte etwa eine niederländische Auswanderin auf der Facebook-Seite der Gemeinde Amed eine Aufräumaktion.

Dem Aufruf der Auswanderin kamen allem Anschein nach zahlreiche Menschen nach. Auf Bildern ist zu sehen, wie Menschen tütenweise Müll vom Strand tragen. Auch eine weitere private Initiative versucht zu helfen. Das neue Projekt „Plastic Exchange Bali“ – eine Art Plastikbörse –, die aus dem coronabedingten Zusammenbruch des Tourismus auf der Insel hervorgegangen ist.

Die Idee für die Börse stammt von Janur Yasa, einem Restaurantbesitzer in Ubud, einem Ort im Inland Balis. Er kam auf die Idee, Reis gegen Plastik zu tauschen und dafür mit den sogenannten „Banjars“, einer Art Nachbarschaftsgruppe, zusammenzuarbeiten. Das Konzept funktionierte so gut, dass es sich über Mundpropaganda wie ein Lauffeuer über die gesamte Insel verbreitete.

Grundsätzlich weist Yasa die einzelnen Banjars an, zuerst in den Gemeinden selbst zu sammeln, angefangen in den eigenen Häusern und Gärten, den Straßen und schließlich am Fluss und in der Umgebung. Seine Kunststoffbörse nimmt auch weggeworfene Kühlschränke und andere Maschinen auf und recycelt sie. Im Austausch für den Plastikmüll, der später wieder verkauft und zu Geld gemacht werden kann, erhalten die Einheimischen Reis.

Auch Michele Yoga unterstützt die Aktion. Sie meint, dass die Müllberge, die durch den Monsunregen an den Stränden anschwemmen, ein „wichtiger Grund“ seien, die Plastikbörse voranzutreiben. Die Aktion trage wesentlich dazu bei, dass weniger Müll in die Flüsse und damit ins Meer gelange.

Der Staat Indonesien wälzt seine Verantwortung auf die Menschen ab.

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