"Man lässt mich in der U-Bahn oder beim Einkaufen meist unbehelligt."
+
"Man lässt mich in der U-Bahn oder beim Einkaufen meist unbehelligt."

Interview Keira Knightley

„Als Mädchen muss man auch mal die Sau rauslassen“

Sie war berühmt, bevor sie richtig erwachsen war. Nun, mit 29 Jahren, wünscht sich Keira Knightley vor allem eins: eine Filmindustrie, in der Frauen nicht mehr nur sexy und harmlos sein sollen.

Von Ulrich Lössl

Im schicken Londoner Ham Yard Hotel warten wir auf Keira Knightley, während die Stereoanlage – kein Zufall natürlich – Lieder aus „Can A Song Save Your Life?“ spielt, ihrem neuen Film. Keira Knightley singt diese Songs selbst und spielt dazu Gitarre. Und das verblüffend gut. Sie klingt ein bisschen nach Aimee Mann oder Emmylou Harris. Beim Interview ist der früher oft verschlossene und unsicher wirkende Filmstar sehr relaxt und gut gelaunt. Keira Knightley trägt ein helles, blumenübersätes Sommerkleid, dazu schwarze High Heels und bringt sich eine Tasse Kamillentee und Honig gleich selber mit.

Ist jeder Film für Sie ein Blick in den Spiegel?
Klingt interessant. Was genau meinen Sie damit?

Kann man anhand Ihrer Filme darauf schließen, was Sie interessierte, was Ihnen wichtig war, als Sie sie drehten?
Ja, seit etwa zehn Jahren – seit ich meine Filme selber auswählen kann. Seitdem mache ich bei jedem Projekt, das mich interessiert, vorher eine Art Seelenerforschung. Ich höre sehr intensiv in mich hinein, um herauszufinden, ob ich mich damit gerade wirklich künstlerisch auseinandersetzen will. Bei „Can A Song Save Your Life?“ war meine Entscheidungsfindung einfach. Den Film wollte ich unbedingt machen.

Und warum?
Nach einer fünfjährigen Periode, in der ich vorwiegend düstere und schwere Filme gemacht habe, hatte ich das starke Bedürfnis, endlich mal in einem echten Feel-Good-Movie mitzuspielen. Einem Film, den ich meinen Freundinnen mit den Worten empfehlen kann: Wenn ihr ihn euch anschaut, werdet ihr eine gute Zeit haben. Und es gibt auch noch was zu lachen. Ich finde den Film wunderbar leicht und positiv. Und es gibt viel Hoffnung darin: Hoffnung auf Glück, auf ein gutes Leben. „Can A Song Save Your Life?“ kommt zwar als romantische Komödie daher, bedient aber so gut wie kein Klischee dieses Genres. Das war für mich ein weiteres entscheidendes Kriterium. Denn zu den typischen Beziehungskomödien fühle ich mich wenig hingezogen. Nicht mal als Zuschauer. Sie sind mir meist zu seicht.

Was hat denn Ihre neue „Leichtigkeit des Seins“ bewirkt?
Nun, ich habe zum Beispiel letztes Jahr geheiratet. Aber ich glaube, so neu ist diese Leichtigkeit gar nicht. Ich bin in den letzten Jahren immer lockerer geworden. Was sicher damit zu tun hat, dass mein Privatleben auf einem sehr guten Kurs war. Aber auch damit, dass sich diverse schwere Schleier in meinem Leben gelichtet haben.

Von welchen Schleiern sprechen Sie?
Ich habe lange Jahre viel beruflichen Ballast mit mir herumgeschleppt. Vieles in diesem Job hat mich verunsichert. Ich habe zwar schnell gelernt, mir eine ziemlich taffe Fassade aufzubauen, aber wie es dahinter aussah…

Es ist sicher nicht leicht, unter dem Vergrößerungsglas der Medien aufzuwachsen.
„Nicht leicht“ ist ziemlich untertrieben. Es grenzte schon manchmal an Wahnsinn. Na ja, vielleicht übertreibe ich jetzt etwas, aber es ist mir doch oft an die Nieren gegangen. Ich bin jemand, der dem Celebrity-Aspekt der Schauspielerei so gut wie nichts abgewinnen kann. Klar ist es mal schön, in einem Designerkleid über den roten Teppich zu gehen und von den Fans bejubelt zu werden. Aber deshalb bin ich nicht Schauspielerin geworden.

Sondern?
Weil ich mich brennend für Literatur interessiere. Mit acht, neun Jahren habe ich zum Beispiel Kenneth Branaghs Shakespeare-Film „Viel Lärm um nichts“ gesehen und konnte ihn bald auswendig. Und später dann seinen „Hamlet“.

Ein sehr idealistischer Blick auf den Beruf des Schauspielers.
Das weiß ich heute auch. Doch warum sollte man sich schon als Kind in seinen Träumen korrumpieren lassen? Aber eines weiß ich genau: Sollte ich jemals Kinder haben, die Schauspieler werden wollen, werde ich ihnen mit all meiner Kraft davon abraten. Ich würde für sie die Königin der Desillusionierung und Entmutigung sein. Nicht wegen der Schauspielerei selbst, sondern dem, was drumherum geschieht. Denn wenn man jung ist, sollte man doch ein Leben haben, das sehr, sehr privat ist. Und alle Fehler und Peinlichkeiten, die man als Teenager so begeht, sollten eben unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Erzählen Sie das mal den Kids, die alle möglichen Details aus ihrem Leben auf Facebook, Twitter und Instagram posten.
Oh Gott, ja – ist das nicht schrecklich? Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass man auch als sogenannter Star ein Recht auf Privatsphäre hat. Ich habe ja gar nichts dagegen, wenn ich auf der Straße oder in einem Restaurant nach einem Autogramm gefragt werde. Oder wenn sich meine Fans mit mir zusammen fotografieren lassen wollen. Wenn ich aber Tag und Nacht von Paparazzi verfolgt werde, die dann auch noch meinen Müll durchwühlen, hört der Spaß auf. Und erst recht, wenn gewisse Medien infame Gerüchte in die Welt setzen, ich hätte Essstörungen, wäre magersüchtig, drogenabhängig oder Alkoholikerin. Das ist nichts anderes als Rufmord! Und ein Fall für meine Anwälte. Ich war jedenfalls sehr froh, als sich die ganze Aufregung um meine Person mit der Zeit gelegt hat. Mittlerweile kann ich mich wieder ziemlich normal in der Öffentlichkeit bewegen.

Was ist denn jetzt anders?
Man lässt mich in der U-Bahn oder beim Einkaufen meist unbehelligt. Wenn ich mich früher zum Beispiel auf eine Parkbank setzte, um ein Sandwich zu essen, wurde ich oft ziemlich unhöflich gefragt, was ich da eigentlich machen würde. So nach dem Motto: „Geh doch zurück in deinen Celebrity-Palast – du gehörst nicht hierher zu uns!“ Dabei habe ich mir damals noch zusammen mit meinem Bruder eine kleine Londoner Wohnung geteilt. Wenn man Anfang 20 ist, kann es einen ziemlich verwirren, wie man als bekannte Person abwechselnd hochgejubelt und fertiggemacht werden kann.

Damals ging es für Sie auf der Karriereleiter schon steil nach oben.
Was ich vor allem meinen drei „Fluch der Karibik“-Filmen zu verdanken habe. Als ich den ersten drehte, war ich gerade mal 17. Ich hatte zwar schon Schauspielerfahrung, aber nichts hatte mich auf diesen Erfolg – und alles, was damit zusammenhing – vorbereitet. Und das war alles andere als einfach, mit all den Problemen und Unsicherheiten, die man gerade als Teenager so hat. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch in Hollywood erinnern. Das war ein herber Reality Check: überall diese dünnen, blonden Jungschauspielerinnen mit großem Busen, die auch noch alle wie Models aussahen. Dazwischen ich – mit wenig Busen, dunkelhaarig und Pickel im Gesicht. Ich war tagelang im Schockzustand! Zum Glück war meine Mutter mitgekommen, die hat mir den Kopf wieder geradegerückt. Trotzdem war es nicht einfach, mein Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.

Aber Sie haben es geschafft.
Mit viel Galgenhumor, wenn ich mich richtig erinnere.

Ihr Vater ist selbst Schauspieler, Ihre Mutter Bühnenautorin – haben Ihre Eltern Sie nie vor den Fallstricken des Berufs gewarnt?
Das brauchten sie gar nicht. Ich habe ja hautnah miterlebt, wie schwer es ist, als freischaffender Künstler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In unserer Familie war das Geld auch schon mal ganz schön knapp. Aber meine Eltern haben meinen Bruder und mich eben immer in unseren Träumen unterstützt. Das Mantra meines Vaters war: Lebt euer Leben bloß nicht irgendwie – sondern selbstbestimmt, so wie ihr es wollt. Ganz abgesehen davon bin ich sehr langsam in den Schauspieler-Beruf hineingerutscht. Ich wollte nach der Schule eigentlich eine Maurer-Ausbildung machen.

Im Ernst?
Maurer sind sehr gefragt. Als ich damals die Stellenangebote in den Tageszeitungen durchgesehen habe, fiel mir sofort auf, dass im Großraum London vor allem Maurer gesucht wurden. Wäre da nicht der Film „Kick It Like Beckham“ dazwischengekommen, hätte ich vielleicht sogar eine Lehre gemacht.

Wann konnten Sie es sich zum ersten Mal erlauben, einen Film auszuwählen, den Sie machen wollten?
Das begann mit „Stolz und Vorurteil“ und „Domino“. Also die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jane Austen und ein Film über die britische Kopfgeldjägerin Domino Harvey …

… zwei Filme, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten …
… und beide habe ich 2004 gedreht. Sie spiegeln meine damalige seelische Verfassung tatsächlich ganz gut wider.

Was fasziniert eine junge Frau wie Sie so sehr an Jane Austen, die vor gut 200 Jahren gelebt hat?
Sie machen wohl Scherze, oder? Ich bin besessen von Jane Austen! Sie ist meine absolute Lieblingsschriftstellerin. Als Teenager habe ich ihre Bücher verschlungen. Und von „Stolz und Vorurteil“ habe ich ein Hörbuch, seit ich sieben bin. Natürlich besitze ich auch die TV-Serie mit Colin Firth. Als Mädchen hatte ich zwei Puppenhäuser: eines hieß Pemberley und das andere Longbourn, nach den jeweiligen Residenzen der Familien im Buch. Und dann kam „Verstand und Gefühl“ ins Kino mit Emma Thompson und „Emma“ mit Gwyneth Paltrow. Um es kurz zu machen: Ich bin Jane Austen verfallen! Für die Rolle der Lizzie in „Stolz und Vorurteil“ hätte ich töten können.

Domino Harvey war dann ein ganz anderes Kaliber, oder?
Als Domino Harvey durfte ich endlich mal richtig versaut und herrlich amoralisch sein. Und vor allem zornig. Den Film habe ich vor allem gemacht, weil ich endlich mal einen „angry young man“ darstellen wollte.

Einen wütenden jungen Mann?
Ganz genau. Sie glauben ja nicht, wie viele junge Mädchen es gibt, die „angry young men“ sind. Auch ich war einer. Zumindest zeitweise. Ab und zu muss man doch auch als Mädchen die Sau rauslassen, oder etwa nicht? Und diese ganzen spießbürgerlichen Erwartungshaltungen und Konventionen unterlaufen. Erst recht als Schauspielerin! Da werden wir doch meist nur dazu abgerichtet, feminin, sexy und harmlos zu sein. Nur ganz selten gibt es Frauenrollen, die uns erlauben, auch unsere Wut, unseren Zorn, unseren Hass zu zeigen – ohne dabei gleich zur Karikatur zu verkommen. Das Lebensgefühl von uns modernen Frauen ist doch in den meisten Filmen völlig unterrepräsentiert.

Und warum ist das so?
Das liegt zum guten Teil daran, dass es viel zu wenig Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen und Produzentinnen gibt. Auf 100 Schauspieler in England kommt gefühlt etwa eine Schauspielerin – und die ist dann meist nur der Sidekick für den männlichen Helden. Und ich habe leider nicht das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren da wirklich etwas verändert hat. Deshalb gefällt mir auch meine Rolle als Gretta in „Can A Song Save Your Life?“ so. Denn Gretta ist eine Person, die auf ihren eigenen Füßen steht.

Im Film geht es auch darum, wie Erfolg einen verändert. Gibt es da Parallelen zu Ihrem Leben?
Ja und nein. Ja, weil mich der Erfolg natürlich verändert hat. Nein, weil mein Erfolg, wie gesagt, sehr früh kam und Gretta ja schon um die 30 ist. Mein Erfolg hat sozusagen den Grundstein für meine Karriere gelegt. Und dadurch natürlich auch meine Persönlichkeit beeinflusst. Und wenn er ausgeblieben wäre? Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, Maurer zu sein. Aber ich wäre sicher immer noch ich – nur eben anders. Letztlich sind solche Gedankenspiele doch müßig. Es ist, wie es ist. Und ich hoffe, ich habe das Beste aus meinen Möglichkeiten gemacht. Was viele Leute mit der Frage nach dem Erfolg aber eigentlich verbinden, ist eine Unterstellung.

Im Sinne von: Großer Erfolg und viel Geld verderben die Persönlichkeit?
Ganz genau. Klar, es gibt Leute, die sich davon blenden lassen und total ausflippen. Oder richtige Ekelpakete werden. Aber wenn man so wie ich mit beiden Beinen auf dem Teppich geblieben ist, dann hält sich der Schaden in Grenzen. Wenn man genügend Geld hat, um sich nicht mehr täglich um seinen Lebensunterhalt sorgen zu müssen, hat das auch etwas sehr Befreiendes. Und der größte Vorteil ist vielleicht, dass man viel öfter Nein sagen kann.

Stimmt es eigentlich, dass Sie sich in den letzten Jahren ein, gemessen an Ihrem Millionen-Einkommen, ziemlich bescheidenes Taschengeld von 40 000 Euro im Jahr zugestanden haben?
Ja, das kommt so ungefähr hin. Und ich kann Ihnen versichern: Ich konnte sehr gut davon leben. Sehen Sie, ich habe einen sehr kleinen, engen und über die Jahre gewachsenen Freundeskreis. Und ich will meine Freunde nicht damit vor den Kopf stoßen, dass ich mit Geld um mich werfe. Das ist auch gar nicht nötig. Denn wir haben alle – auch ohne viel Geld – sehr viel Spaß zusammen. Und die meisten meiner Freunde haben mit dem Filmbusiness sowieso rein gar nichts zu tun.

Ist die Gefahr eigentlich groß, dass eine etablierte Schauspielerin wie Sie künstlerisch immer öfter auf Nummer sicher geht?
Auf mich trifft das ganz und gar nicht zu. Ich bin nämlich immer dann am besten, wenn ich meine Komfortzone weit hinter mir gelassen habe. Wie bei diesem Film auch. Da singe ich immerhin vor laufender Kamera diverse Songs. Für jemanden, der sich allenfalls mal total betrunken in einer Karaoke-Bar zu singen traut, ist das doch gar nicht so schlecht, oder?

Die Lieder im Film wurden zum Teil live auf Straßen, Plätzen und Dächern von New York eingespielt.
Was total außergewöhnlich war. Für mich ist New York wie ein zusätzlicher Hauptdarsteller im Film. New York ist eine so aufregende, vibrierende Stadt. Und wir mussten uns bei jedem dieser Liveauftritte höllisch beeilen, damit wir nicht den Zorn der New Yorker auf uns zogen. Das war manchmal ziemlich heftig. In England stehen die Leute immer interessiert am Drehort herum, sind leise und zuvorkommend. Und wenn man sie bittet, nicht ins Bild zu laufen, sagen sie: „Oh, ja, natürlich. Sorry.“ In New York heißt es stattdessen: „Get the fuck out of the way!“

Sie sind mit einem Musiker verheiratet, James Righton, Keyboarder der Indie-Rockband The Klaxons. Hat er die Musikszene im Film wiedererkannt?
Mein Mann meinte, dass unser Film eine sehr saubere Version des Musikbusiness zeigt. In Wirklichkeit ist es wohl sehr viel schlimmer. Gerade für Newcomer. Zum Glück ist James mit seiner Band schon lange erfolgreich. Ich habe keine Ahnung, wie ein junger Künstler von seiner Musik überhaupt leben kann – es sei denn, er ist ein Star, der Stadien füllt.

Ist das Filmbusiness nicht genauso hart?
Und ob. Es dreht sich doch überall immer nur ums Geld.

Im Film überwirft sich Gretta mit der Musikindustrie und stellt ihre Songs zum Downloaden ins Netz. Für einen Dollar. Hand aufs Herz: Würden Sie je einen Film für einen Dollar Gage machen?
Ja, ich glaube schon – wenn die Rolle wirklich toll wäre. Aber das wäre vermutlich keine gute Idee. Ich sehe schon die Schlagzeile: Keira Knightley ist für einen Dollar zu haben! Das wäre wohl das Ende meiner Karriere.

Wie viel Zeit verwenden Sie pro Monat eigentlich auf die Karriereplanung?
Gar keine! Seit ich den Luxus habe – und ich betrachte das wirklich als immensen Luxus –, eigentlich nur die Filme zu machen, die ich machen will, verlasse ich mich mehr und mehr auf meine Intuition. Früher war das anders. Da waren es dann doch oft sehr starke Kopfentscheidungen. Ich wollte zum Beispiel unbedingt wissen, was mit der Psyche einer intelligenten und sexuell sehr aktiven Frau geschieht, die von ihren Psychiatern als „hysterisch“ bezeichnet wird. Also habe ich „Dunkle Begierde“ gemacht. Oder: Ich wollte wissen, wie es ist, wenn eine Frau aus Liebeskummer Selbstmord begeht – siehe „Anna Karenina“.

Gehören Sie zu den Schauspielerinnen, die von den Figuren, die Sie spielen, etwas lernen?
Aber sicher. Und das ist ja das Faszinierende. Eine Person mit Haut und Haar darzustellen, ist etwas ganz anderes, als im Urlaub auf dem Badetuch „Anna Karenina“ zu lesen. Von Anna Karenina habe ich gelernt, dass sich Liebe mit der Zeit wandeln muss. Kein Mensch ist doch nach einiger Zeit auf seinen Partner noch so scharf wie in den ersten Wochen. Wenn es in einer Beziehung nicht mehr funktioniert, dann muss man eben Schritte unternehmen, die das ändern. Auch wenn es auf eine schmerzhafte Trennung hinauslaufen sollte.

Was ist eigentlich die größte Extravaganz, die Sie sich leisten?
Ich zeichne und male für mein Leben gern. Wissen Sie, warum? Weil ich so furchtbar schlecht darin bin, dass es niemals für eine Karriere reichen würde – und es deshalb nur mir gehört. Und ich habe einen Bauchnabel-Ring, den ich ziemlich cool finde. Dazu hat mich übrigens meine Mutter überredet. Ich machte mal wieder eine schreckliche Zeit in der Schule durch. Da meinte meine Mutter, so ein Piercing würde mich wieder aufmuntern. Und was soll ich sagen: Es hat funktioniert!

Sind Sie etwa abergläubisch?
Nein, nicht wirklich, aber ich habe nichts gegen Glücksbringer. Obwohl das rational eigentlich nicht zu begründen ist. Aber auch diesbezüglich habe ich mich wohl etwas verändert und bin lockerer geworden. Früher haben mir meine Freunde manchmal gesagt, dass ich wahnsinnig pragmatisch bin und sehr analytisch veranlagt. Deshalb bin ich wohl auch jemand, der viel lieber liest und lieber Bücher sammelt als zum Beispiel Platten oder CDs.

Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Leben?
Ehrlich gesagt, habe ich große Probleme, mir Musik zu merken. Wenn wir im Freundeskreis über Musik reden, bin ich meist sehr still. Ich habe kein Album, nicht mal einen Song, mit dem ich emotional etwas verbinde. Ich könnte nie sagen, „Bei diesem Song haben wir uns zum ersten Mal geküsst“, oder „Das Album habe ich immer in den Sommerferien 2000 gehört“. Ich weiß, dass das ziemlich seltsam ist für jemanden, der mit einem Musiker verheiratet ist. Auf die Frage, ob es einen Song gibt, der mein Leben gerettet hat, muss ich also leider passen.

Wissen Sie wenigstens noch, welche Musik bei Ihrer Hochzeit gespielt wurde?
Ich weiß noch das erste Lied, das für den Eröffnungstanz: Das war „Ram On“ von Paul McCartney. Aber das habe nicht ich ausgewählt, sondern mein Mann.

Interview: Ulrich Lössl

Kommentare