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Mütze, Palme, Sonnenschein – auch das kann Weihnacht sein. In Thailand zumindest. imago images
Mütze, Palme, Sonnenschein – auch das kann Weihnacht sein. In Thailand zumindest. imago images © imago images

Weihnachten ist längst mehr als Tannenduft und Kerzenschein. Es ist ein globales Fest – also ein würdiger Anlass für ein christliches, kapitalistisches, süßes, ja: skurriles Sammelsurium von Bräuchen

ÄGYPTEN Die koptischen Christen und Christinnen feiern Weihnachten nach dem Gregorianischen Kalender am 7. Januar, im vorwiegend muslimischen Ägypten ein gesetzlicher Feiertag. Das Weihnachtsfest wird mit einer Mitternachtsmesse begangen. Im Anschluss daran gibt es ein großes Bankett, dabei werden als besondere Spezialität mit Kreuzen verzierte gezuckerte Kekse, Kahk genannt, gegessen. Nach dem Bankett beginnt eine vierzehntägige Fastenzeit.

AUSTRALIEN Dort ist in der Weihnachtszeit Sommer, winterliches Brauchtum ist daher nicht ganz passend. In Melbourne ist es seit 1938 die Tradition, gemeinsam an Heiligabend bei Kerzenschein Weihnachtslieder zu singen. Diese „Carols by Candlelight“ werden heute auch in anderen Städten praktiziert. In Sydney gibt es einen großen Straßenumzug, die „Christmas Parade“.

BRASILIEN Weihnachten ist vielerorts auch die Zeit der Superlative. Einen ganz besonderen Rekord feierte Rio de Janeiro im Jahr 2012. Dort stand, schwimmend in einem See, einer der größten Weihnachtsbäume. 85 Meter hoch war die Stahlkonstruktion zuletzt und bestückt mit mehr als drei Millionen Glühbirnen. Am „Árvore de Natal“ sollen 105 Kilometer Lichterketten verlegt worden sein.

EL SALVADOR Kinder und Erwachsene veranstalten Feuerwerk auf den Straßen. Zu essen gibt es sautierten Truthahn in Baguette mit Salat und Radieschen und als Nachtisch süßes Brot. Getrunken wird meist heiße Schokolade, Ananassaft, salvadorianischer Horchata und Kaffee.

ESTLAND Kinder stellen in der Vorweihnachtszeit Pantoffeln auf die Fenstersimse. Diese werden dann von den „päkapikud“ (Weihnachtselfen) mit Süßigkeiten gefüllt. Am 24. Dezember wird „joululaupäev“ (Weihnachtssamstag) gefeiert. Damit die Geister von verstorbenen Verwandten, Freund:innen und Bekannten, die in der Weihnachtsnacht zu Besuch kommen könnten, auch etwas zu essen abbekommen, lässt man das übrig gebliebene Weihnachtsessen über Nacht stehen. Es ist alte Tradition, an diesem Tag die Friedhöfe zu besuchen, um dort Kerzen für die Verstorbenen anzuzünden.

FÄRÖER Vom 24. Dezember an wird auf den Faröer Inseln ganze 21 Tage lang gefeiert. Mit „Tjúgundahalgi“, dem heiligen Zwanzigertag, beenden die Färinger:innen die Weihnachtszeit. Sie sind somit die Einzigen, die noch den nordischen Weihnachtsbrauch bewahren, bei dem man am 13. Januar zum Weihnachtskehraus tanzt.

FINNLAND Da der Weihnachtsmann angeblich in diesem Land wohnt, ist er hier natürlich allgegenwärtig, aber auch eine alte zottelige Ziege bringt den Kindern Geschenke.

FRANKREICH Im Osten des Landes bekommen Kinder am Nikolaustag von „Père Noël“ (Vater Weihnacht) ihre Geschenke. In anderen Landesteilen wird diese Aufgabe erst am Weihnachtsmorgen vom „Petit Noël“ (dem Christkind) übernommen.

GRÖNLAND Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird auch im hohen Norden Weihnachten gefeiert. Am Weihnachtstag verwöhnen die Männer ausnahmsweise die Frauen, indem sie ihnen Kaffee bringen. Nun ja, hoffentlich ist das nicht alles?! Der importierte Weihnachtsbaum wird mit Kerzen, Papierblumen, grönländischen und dänischen Flaggen sowie kleinen Präsenten festlich geschmückt. Das Festgericht besteht natürlich aus Robben-, Wal- oder Rentierfleisch.

ISLAND Hier geht das Weihnachtsfest von Heiligabend bis zum Dreikönigstag. An Heiligabend werden meist „Jolaar“ (Weihnachtslamm), Rauchfleisch, Würstchen und selbst gebrautes Bier verzehrt. Dreizehn Weihnachtszwerge, die dem Aussehen nach dem Weihnachtsmann ähneln, bringen den Kindern die Geschenke. Der erste kommt zwölf Tage vor Heiligabend und der dreizehnte am 24. Dezember. Entsprechend verschwindet der erste Zwerg am ersten Weihnachtsfeiertag und der letzte am Dreikönigstag.

IRLAND Am zweiten Weihnachtstag wird hier dem Schabernack gehuldigt. Unter anderem werden in traditionellen Aufführungen die Geschlechterrollen getauscht, Wie in Großbritannien spielt der Plumpudding eine große Rolle beim Weihnachtsmenü. Teilweise wird er bereits im Oktober hergestellt, damit er bis Weihnachten durchziehen kann. Dann wird er mit Brandy oder Cognac übergossen, flambiert und mit Orangensauce serviert.

ITALIEN „Natale“, das italienische Weihnachtsfest, verbindet christliche Traditionen mit den Überresten aus römischer Zeit. Vom 8. Dezember an, dem Hochfest der „Unbefleckten Empfängnis“, beginnen die Italiener:innen alles festlich zu schmücken. In Teilen Italiens werden die Geschenke vom Christkind an Heiligabend gebracht, in anderen erst am 6. Januar, von der alten Hexe Befana, die auf ihrem Besen von Haus zu Haus saust. In Verona und Umgebung zieht die Heilige Lucia mit ihrem Esel durch die Straßen und verteilt die Geschenke.

JAPAN Obwohl es kein offizieller Feiertag ist, ist Weihnachten dort sehr populär. Während Neujahr der Familie gewidmet wird, ist Weihnachten eine Gelegenheit, um Partys zu feiern, oder für Paare, sich kennenzulernen. Die Weihnachtsbeleuchtungen, die von Firmen und Behörden organisiert werden, sollen für romantische Stimmung sorgen. Sie laden Verliebte zum Flanieren ein. Ein spezieller Teil des japanischen Festes ist die Weihnachtstorte – weiß und oft mit Erdbeeren geschmückt –, die eine Geburtstagstorte für das Christkind darstellen soll.

KOSOVO In dem mehrheitlich muslimischen Land steht am 24. Dezember ein Familienmitglied um vier Uhr morgens auf, um vier kleine Äste eines Nussbaums zu schneiden. Am Abend werden dann beide Enden der Äste schräg abgeschnitten und mit den „Lebensmitteln der Natur“ (Bohnen, Rahm, Käse, Schnaps und Wein) bestrichen. Dann werden die Äste zu einem Kreuz gebunden. Am ersten Weihnachtstag steht man um fünf Uhr morgens auf und geht mit frisch gebackenem Brot und Wein in den Garten, wo das älteste Familienmitglied einen großen Kreis aus Stroh um die Familie herum aufschüttet und ein Kreuz in die Mitte setzt. Dann wird gebetet und anschließend schießt man Feuerwerksraketen in den Himmel.

MEXIKO Die Weihnachtszeit beginnt neun Tage vor dem Heiligen Abend mit lautem Gesang und dem Tragen der Krippenfiguren von Maria, Josef und einem Engel durch die Straßen. Jeden Tag beherbergt eine andere Familie dann die Figuren in ihrem Hausaltar.

PERU In Gegenden mit einem hohen Anteil an indigener Bevölkerung sind Weihnachtskrippen sehr wichtig. Die Figuren werden nach alten Mustern in Handarbeit geschnitzt. Wie in Mexiko sind Prozessionen, deren mitgetragene Figuren die Ereignisse rund um die Geburt Christi nachbilden, häufig.

POLEN Das Weihnachtsessen besteht traditionell aus zwölf Gerichten, für jeden Apostel eines. Mit dem Essen wird erst begonnen, wenn der erste Stern am Himmel aufgetaucht ist. Im Anschluss werden die Geschenke ausgepackt. Danach geht die ganze Familie zur Mitternachtsmesse in die Kirche.

SCHWEDEN Der Heiligabend wird hier traditionell im Fernsehen mit einer Donald-Duck-Sendung um 15 Uhr eingeläutet! Wirklich feierlich ist das sogenannte Julbord, ein Büfett aus verschiedenen traditionellen Gerichten. Ein Muss: der Weihnachtsschinken (Julskinka).

SPANIEN An Heiligabend (Nochebuena) gibt es eine Abendessen im Kreis der Familie und einen anschließenden Besuch der Mitternachtsmesse. Am 28. Dezember, dem „Fest der Unschuldigen Kinder“, ist es Brauch, andere durch erfundene oder verfälschte Geschichten hereinzulegen (wie bei uns am 1. April). Die Heiligen Drei Könige bringen traditionell am 6. Januar die Weihnachtsgeschenke. Alle unartigen Kinder bekommen statt Geschenken nur Kohlestücke.

SÜDKOREA Als einziges asiatische Land wird dort Weihnachten als offizieller Feiertag gefeiert. Obwohl Christ:innen in der Minderheit sind, ist die Begeisterung für das Fest weitverbreitet. Ein Weihnachtskuchen ist zum Fest ein Muss. Familie und Gäste werden am 25. Dezember damit verwöhnt. Das Besondere ist seine Dekoration: reich verziert mit originellen bis kitschigen Figuren und möglichst bunt. Der Kuchen ist sehr süß, was kein Wunder ist – besteht er doch größtenteils aus Sahne.

TSCHECHIEN An Weihnachten wird hier die Zukunft gedeutet: Dazu werden Äpfel quer durchgeschnitten. Ist das Innere wie ein Stern geformt, steht ein gutes Jahr bevor, erscheint ein Kreuz, wird es ein schlechtes Jahr geben. Mädchen werfen Schuhe über ihre Schultern, um zu erfahren, ob eine baldige Heirat bevorsteht. Dies soll dann eintreten, wenn die Schuhspitze zur Tür zeigt.

USA „Christmas“, oft „X-mas“ oder „Yule“ genannt, ist wichtiger Bestandteil der amerikanischen Kultur. Wegen der Multikulturalität des Landes wird großer Wert darauf gelegt, möglichst nur allgemein gehaltene Grüße zum Fest („Season’s Greetings“ oder „Happy Holidays“) zu verschicken.

UKRAINE Bei den orthodoxen Christ:innen entspricht unser Heiligabend dem 6. Januar. An diesem Tag werden abends Weihnachtsmessen besucht und ein traditionelles Festmahl mit zwölf verschiedenen Gerichten - für jeden Apostel eins - abgehalten. Weihnachten ist in der Ukraine eng mit den Bräuchen und Aberglauben des Heidentums verflochten. Es wird von vielen Traditionen begleitet, die zeichenhaften Charakter für das kommende Jahr haben sollen.

ZYPERN Anders als die große Mehrheit im orthodoxen Christentum feiern die Menschen auf Zypern Weihnachten zeitgleich mit Katholik:innen und Protestant:innen. Auf der Insel zieht es die Menschen dann in die Tavernen. Die Geschenke landen nicht unter dem Weihnachtsbaum, sondern unter dem Bett. Santa Basil, der in der frühchristlichen Zeit in der Gegend der heutigen türkischen Stadt Kayseri Waisenhäuser eröffnet und armen Menschen geholfen hat, ist als „Weihnachts-Basil“ für die Bescherung der Kinder zuständig.

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