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Becher der Begierde – hier aus dem vergangenen Jahr.

Ig-Nobelpreis

Alligator auf Helium

Die Ig-Nobelpreise sind längst Kult. Mit viel Klamauk werden alljährlich skurrile Forschungen prämiert. 2020 dabei: Narzissten-Augenbrauen, die Angst vor Kau-Geräuschen und vibrierende Regenwürmer.

Narzissten-Augenbrauen, Insektenforscher mit Spinnenphobie und ein Helium inhalierender Alligator: Zehn wissenschaftliche Studien, die „erst zum Lachen und dann zum Denken anregen“ sollen, sind in den USA mit „Ig-Nobelpreisen“ ausgezeichnet worden (gesprochen „ignoble“, was übersetzt etwa unwürdig bedeutet). Wegen der Pandemie wurde die traditionell schrille Gala in der Nacht zum Freitag diesmal ausschließlich online gefeiert. Die zum 30. Mal verliehenen undotierten Auszeichnungen sollen laut den Veranstaltern „das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren“.

Dankesrede auf dem Klo

So bekamen unter anderem Wissenschaftler aus Kanada und den USA die Auszeichnung in der Kategorie Psychologie für die Entwicklung einer Methode, Narzissten anhand der Untersuchung ihrer Augenbrauen zu identifizieren. Ein US-Forscher bekam den Preis für die Sammlung von Beweisen dafür, dass Insektenforscher Angst vor Spinnen haben, die keine Insekten sind. „Für diese Menschen machen die zwei Beine mehr einen echten Unterschied“, sagte der Forscher Richard Vetter in seiner Video-Dankesrede, die wie alle anderen vorab aufgezeichnet war.

Wissenschaftler aus Österreich, Schweden, Japan, den USA und der Schweiz bekamen eine Ehrung in der Kategorie Akustik dafür, dass sie einen weiblichen chinesischen Alligator dazu bringen konnten, in einer mit Helium gefüllten luftdichten Kammer zu grölen. „Alligatoren klingen komisch, wenn sie einen Party-Ballon einatmen“, fassten die Forscher ihre Studie zusammen. „Herzlichen Glückwunsch“, sagte der Physik-Nobelpreisträger Andre Geim, der ihnen den Preis online überreichte. „Macht es vielleicht noch ein bisschen besser nächstes Mal – vielleicht ohne das Ig.“

In der Kategorie Physik wurden Forscher aus Australien, der Ukraine, Frankreich, Italien, Deutschland, Großbritannien und Südafrika dafür geehrt, dass sie experimentell herausgefunden hatten, was mit einem lebenden Regenwurm passiert, wenn man seinen Körper mit hoher Frequenz vibrieren lässt. Wissenschaftler aus Schottland, Polen, Frankreich, Brasilien, Chile, Kolumbien, Australien und Italien bekamen die Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaft für den Versuch, die Beziehung zwischen der Einkommensungerechtigkeit eines Landes und der durchschnittlichen Häufigkeit von Küssen auf den Mund zu quantifizieren. „Menschen aus weniger gerechten Ländern haben berichtet, dass sie ihre Partner öfter küssen“, fassten die Autoren die Studie zusammen.

In der Kategorie Medizin ging der Spaßpreis an Forscher aus den Niederlanden und Belgien für die Diagnose eines bislang noch nicht erkannten medizinischen Befunds: Misophonia, der Verzweiflung beim Hören der Kau-Geräusche von anderen Menschen. Wissenschaftler aus den USA und Großbritannien bekamen die Ehrung in der Kategorie Materialwissenschaften für den Nachweis, dass aus menschlichem Kot gemachte Messer nicht gut funktionieren. Ihre Video-Dankesreden hatten sie auf der Toilette sitzend aufgenommen.

In der Pandemie ließen sich die Organisatoren der Spaßpreise auch einen politischen Seitenhieb nicht entgehen: So wurden die Staatsoberhäupter von Brasilien, Großbritannien, Indien, Mexiko, Belarus, den USA, der Türkei, Russland und Turkmenistan in der Kategorie Medizinische Bildung dafür ausgezeichnet, „dass sie die Coronavirus-Pandemie dafür genutzt haben, der Welt beizubringen, dass Politiker einen unmittelbareren Einfluss auf Leben und Tod haben können als Wissenschaftler und Ärzte“. Alle diese Staatsoberhäupter hatten bisher die Bedeutung der Pandemie heruntergespielt.

Normalerweise verfolgen mehr als 1000 Zuschauer die Gala live in einem Theater der Elite-Universität Harvard. „Wo zur Hölle sind denn alle?“, fragte die Wissenschaftlerin Jean Berko Gleason gleich zu Beginn bei ihrer traditionellen Willkommensansprache – alleine vor ihrem Computer. Die Ticketeinnahmen finanzieren das Spektakel, weswegen die Veranstalter in diesem Jahr um Spenden baten. Aber auch bei der rund anderthalbstündigen Online-Preisverleihung, die diesmal unter dem Oberthema „Insekten“ stand, flogen Papierflieger, es gab Sketche und bizarre Kurz-Opern.

„Wir hoffen, dass die Pandemie bis nächstes Jahr gezähmt ist und wir unsere 31. Verleihung wieder auf einer Bühne machen können“, sagte Moderator Marc Abrahams, Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu kurioser Forschung – bevor er die Gala wie immer mit seinen traditionellen Abschlussworten beendete: „Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben, und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!“ (Christina Horsten, dpa)

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