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Nach Sturz und Rettungsaktion in Marokko: Alles vergebens

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Von: Martin Dahms

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32 Meter tief: In diesen Schacht war Rayan gestürzt. M.’ab Elshamy/AP/dpa
32 Meter tief: In diesen Schacht war Rayan gestürzt. M.’ab Elshamy/AP/dpa © dpa

Rettungstrupps in Marokko haben unaufhörlich gegraben – und doch hat ein Fünfjähriger den Sturz in einen alten Brunnen nicht überlebt.

Ighrane – Am Nachmittag gegen Viertel nach fünf erhebt sich ein Jubelruf über Ighrane im Norden Marokkos, der immer lauter wird, je weiter sich die Nachricht verbreitet: Rayan lebt! Er ist gerettet! Vier Stunden später gibt es Gewissheit über das Gegenteil. Rayan ist tot. Das Dorf verstummt.

Der Marokko-Korrespondent der spanischen Zeitung El País ist nach Ighrane, gut 100 Kilometer südöstlich von Tetouan, gefahren und berichtet vom Ort des Geschehens. Der fünfjährige Rayan ist am frühen Dienstagnachmittag in ein trockenes Brunnenloch neben seinem Elternhaus gefallen. Es gibt Lebenszeichen von ihm. Die nächsten vier Tage versuchen Rettungstrupps mit schwerem Gerät, den Jungen zu bergen.

Spanien verfolgt die Rettungsaktion mit besonderem Herzklopfen. Vor drei Jahren war hier, in der Mittelmeerprovinz Málaga, der zweieinhalbjährige Julen in einem Brunnenbohrloch verschwunden. Damals brauchte es mehr als zwölf Tage bis zur traurigen Gewissheit seines Todes. Im Falle Rayans standen die Chancen auf einen glücklichen Ausgang besser. Aber alle Hoffnung war vergebens.

Marokko: Junge stürzt 32 Meter tief

Noch am Freitagabend berichtete die marokkanische Zeitung Al Akhbar, dass Rayan am Leben sei. Er steckte in 32 Meter Tiefe fest. Am Dienstagnachmittag hatten sich Helfer an einem Seil in den Brunnen hinabgelassen. Doch je tiefer der Schacht, umso schmaler wurde er; bis zu Rayan war kein Hinabkommen. Immerhin konnte man ihm Wasser und Sauerstoff herunterlassen. Neben dem Brunnen hoben Bagger eine tiefe Grube aus, um seitlich zu dem Fünfjährigen vorstoßen zu können.

Je näher die Retter ans Ziel kamen, umso vorsichtiger wurden sie. Im Laufe des Samstags gruben sie den horizontalen Stollen, der sie zu Rayan führen sollte. „Die letzten Zentimeter sind das Schwierigste in dieser Operation“, sagte der Sprecher der Rettungsmannschaft. Keinesfalls durfte das Erdreich über dem Jungen zusammenstürzen. „Es ist ein heikles Unternehmen“, sagte ein Polizeisprecher.

Hunderte junge Männer waren aus Nah und Fern gekommen, sogar aus dem 300 Kilometer entfernten Casablanca, um sich die Rettungsarbeiten anzuschauen, berichtet El País. Doppelketten von Sicherheitskräften riegelten den Unglücksort ab. Sie öffneten sich erst, als am späten Samstagabend eine Ambulanz mit Blaulicht aus der Grube herausgefahren kam. In dem Wagen: der tote Junge. (Martin Dahms)

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