Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Julianne Moore kann ihrer "Physiognomie nicht entkommen".
+
Julianne Moore kann ihrer "Physiognomie nicht entkommen".

10 Fragen an Julianne Moore

Alles auf Rot

Warum sich die US-Schauspielerin mit der markanten Haarfarbe auf der Leinwand nicht leiden mag - und warum sie in Deutschland einmal fast ertrunken wäre.

Ms. Moore, wie reagieren Sie bei Gefahr?Ich habe zweimal wirklich extreme Situationen erlebt und ganz unterschiedlich reagiert. In einem Restaurant, wo ich als Kellnerin arbeitete, brach ein Feuer aus. Und ich erinnere mich, dass ich keine Angst hatte, sondern die Gäste nach draußen brachte. Aber einmal war ich in einem Geschäft, wo jemand eine Waffe zog, und ich bin völlig ausgeflippt. Ich kann immer noch nicht begreifen, wie panisch ich da geworden bin.

Was war da passiert?

In einem Laden in New York versuchte jemand, einen Kunden zu berauben. Bevor viel passieren konnte, waren die Sicherheitsleute schon da. Aber fünf Minuten lang gab es echtes Chaos. Es machte mir wirklich Angst. In Filmen sind die Leute immer ruhig, aber in Wirklichkeit war es ganz anders.

In Ihrem aktuellen Film "Die Stadt der Blinden" behält die Protagonistin, die Sie spielen, das Augenlicht, während der Rest der Weltbevölkerung erblindet. Sie beobachtet, wie zivilisierte Menschen plötzlich zu Bestien werden. Haben Sie eine Vorstellung, wie Sie sich selbst unter solchen Umständen verhalten würden?

Ich weiß nicht, wozu ich imstande wäre und wozu nicht. Wir Menschen können in bestimmten Situationen sehr brutal sein, aber auch extrem sanft und großzügig. Ich finde das selbst immer wieder überraschend. Aber du musst als Schauspieler verstehen - hier geht es um eine Rolle und nicht um dich selbst. Nur schlechte Schauspieler sagen von ihrer Figur: "Ich würde mich genauso beziehungsweise anders verhalten."

Können Sie Erfahrungen aus Ihrem Leben in Ihrer Arbeit verwerten?

So funktioniert das nicht. Viele Schauspieler sagen, dass dich alle Erfahrungen in deinem Leben prägen. Aber in der Regel tun wir nur so, als ob. Ich will nicht meine eigenen Erfahrungen verarbeiten, sondern herausfinden, was die Filmfigur empfindet.

Haben Sie als Schauspielerin ein reicheres Gefühlsleben als andere Menschen?

Überhaupt nicht. Manche Kollegen behaupten das; aber ich finde es lächerlich. Ja, wir beobachten das Leben, versuchen, es zu verstehen und ihm Ausdruck zu verleihen, aber letztlich sind wir nur Normalsterbliche. Das merken wir spätestens dann, wenn wir uns selbst auf der Leinwand sehen. Das ist meistens die größte Enttäuschung.

Was ist so schlimm daran, wenn Sie Ihre eigenen Filme sehen?

Weil ich mir bei der Arbeit Illusionen mache. Wenn ich eine Figur spiele, dann laufen dabei aufregende innere Prozesse ab. Beim Dreh fühle ich mich wie ein anderer Mensch. Aber wenn ich mich auf der Leinwand sehe, merke ich: Moment, das bin immer noch ich. Egal, was du anstellst, du kannst deiner Physiognomie nicht entkommen. Und das treibt Schauspieler in den Wahnsinn.

Warum haben Sie diesen Beruf dann gewählt?

Das hat damit zu tun, dass ich immer gern gelesen habe. Ich liebe Geschichten, und als Schauspielerin kann ich ein Teil davon werden. Aber meine einzige Ambition bestand darin, an einem Provinztheater aufzutreten. Und als ich mit Filmen anfing, genoss ich es, damit um die ganze Welt zu reisen. Mein Vater war Militärrichter; deshalb bin ich schon in meiner Jugend viel herumgekommen - ich lebte unter anderem in Deutschland, Panama und Alaska.

Welche Erinnerungen haben Sie an Deutschland?

Mir fällt nichts Spezifisches mehr ein. Nur dass ich sehr gerne dort gelebt habe. Großartig war es auch, allein mit 16 durch ganz Europa fahren zu können. Das Einzige, was ich hasste, war der Jetlag bei der Ankunft aus den USA. Ich lag in der Badewanne und ich glaubte, ich müsse ertrinken, so schlimm war das.

Sind Sie immer noch die große Globetrotterin?

Im Gegenteil. Am liebsten würde ich die ganze Zeit in Manhattan verbringen, wo wir ein Haus haben - und auch dort meine Filme drehen. Ich lebe wie in einer Kleinstadt - ich kenne meine Nachbarn und die Leute in der Umgebung, habe meine regelmäßigen Verabredungen, bringe die Kinder in die Schule. Je mehr Filme ich gemacht habe, desto sesshafter bin ich geworden.

Das alles klingt nicht sehr glamourös?

Auf Partys und ständige Reisen lege ich keinen Wert - allein schon wegen meiner Kinder. Und mein Haus möchte ich für immer behalten. Das ist der einzige Luxus, ohne den ich nicht auskommen kann. Was meinen Sie, warum ich große Hollywood-Actionfilme gedreht habe? Damit ich die Hypotheken bezahlen kann.

Interview: Rüdiger Sturm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare