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Benni Over mit seinem Werk.

Welt-Orang-Utan-Tag

Alles auf Rot

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Heute ist Welt-Orang-Utan-Tag. Eine gute Gelegenheit zu schauen, was aus Benni Over geworden ist, dem besten Freund unserer roten Brüder in Indonesien

Henry hat schlimme Alpträume. Immer wieder macht der kleine Orang-Utan im Schlaf die schlimmste Erfahrung seines Lebens durch – wie er verzweifelt seine Mutter sucht und sie schließlich reglos am Boden findet. Als er aufwacht, ist seine Ersatzmutter Mary bei ihm, die sich im Camp für verwaiste Menschenaffen um ihn kümmert. „Warum werden unsere Mamas getötet?“, fragt er sie.

Kommt Ihnen die Geschichte bekannt vor? Kein Wunder: Die FR hat bereits davon berichtet, denn Henrys Erlebnisse gab es zuerst als kurzen Trickfilm, der die Kinder in vielen deutschen Schulen fesselte. Ersonnen hat sie der inzwischen 27-jährige Benni Over aus Rheinland-Pfalz. Er ist höchstwahrscheinlich der Mensch mit dem größten Herz für Orang-Utans weit und breit. Und er hatte einen weiteren Plan: Die Geschichte von Henry, dem kleinen Primaten, sollte auch als Kinderbuch erscheinen.

Voilà, da ist sie, auf 34 bunt gestalteten Seiten. Wie Henry erfährt, dass die Menschen den Regenwald abholzen, um dort Palmölplantagen anzulegen. Wie er gar nicht fassen kann, dass sie die Orang-Utans, die dort leben, umbringen und obdachlos machen. Wie sich das Äffchen auf die weite Reise begibt, um etwas dagegen zu unternehmen. Wie Henry in Deutschland Benni trifft, genau, den Buchautor (ein ziemlich pfiffiges Spiel mit den Realitätsebenen) und mit ihm Pläne schmiedet.

Wie er schließlich die Bundeskanzlerin trifft, den Papst, den Präsidenten der USA (die Story entstand zu Obamas Zeiten) und den Dalai Lama – wie er also die berühmtesten Leute der Welt für sein Projekt einspannt: den Regenwald zu retten, nicht nur für die Orang-Utans, sondern für alle, die dort leben.

„Eine Bewegung muss in Gang kommen“, steht als Motto auf der Rückseite des Buchumschlags. Keine einfache Sache für jemanden, der selbst schon seit langem nur noch die Finger bewegen kann. Benni Over ist unheilbar an Muskeldystrophie Duchenne erkrankt – und doch hat er immer wieder die Energie aufgebracht, zu seinem Vater Klaus Over zu sagen: „Mach mal was klar!“ Sollte heißen: Hilf mir beim Orang-Utan-Projekt.

Vor allem: Bring mich nach Indonesien. Das wahnsinnige Abenteuer hat die Familie mit Hilfe vieler Freunde, darunter die Orang-Utan-Hilfsorganisation BOS, voriges Jahr in die Tat umgesetzt. Es wurde ein großer Erfolg und der Beginn vieler Freundschaften zwischen der deutschen Delegation, indonesischen Umweltaktivisten – und Orang-Utans, die sich sehr für den Gast interessierten.

Ende 2016 aber gab es einen schlimmen Rückschlag. Benni erlitt einen Infekt, einen Herzstillstand, er musste reanimiert werden, lag lange Zeit im künstlichen Koma. „Es war dramatisch“, sagt sein Vater. Die Ärzte hätten geraten, den jungen Mann in Frieden gehen zu lassen.

„Aber Bennis Botschaft lautete ganz klar: Ich will leben – das haben wir doch gespürt“, sagt Klaus Over. Und so kam es dann auch. Die ersten Sätze nach dem Aufwachen aus dem Koma, ungefähr in dieser Reihenfolge: „Schön, dass ich wieder lebe – ich will trotz allem wieder nach Indonesien – und Kartoffeln, Möhren und Pute.“ Sein Lieblingsessen.

Bald darauf war das längst vorbereitete Buch über Henry, den kleinen Orang-Utan, fertig für den Druck. Inzwischen gab es Präsentationen im Buchhandel, das Werk hat sich nach Verlagsangaben bereits „im vierstelligen Bereich“ verkauft, und die nächsten Projekte laufen an: Die Overs wollen ein Unterrichtspaket für Grundschulen schnüren, mit Film, Buch, Internetbegleitung, Wissensvermittlung über den Regenwald samt Bastelanleitung und Rollenspiel, vielleicht mit Lesewettbewerb – und sie haben noch viel mehr vor.

„Wir sind dabei, mit Lehrern und Bildungsfachleuten die Details zu planen“, sagt Klaus Over. Ein Reisebuch über die spektakuläre Indonesientour steht auch auf der Agenda. Mit indonesischer Übersetzung.

Aber wird das nicht alles zu viel für Benni? Er muss rund um die Uhr von einer Maschine beatmet werden. Ginge es nach seinem Sohn, sagt der Vater, wäre er schon längst wieder auf dem Weg nach Indonesien. Die Ärzte allerdings bauten hohe Hürden auf. Eine „Testreise“ mit dem Kreuzfahrtschiff nach Norwegen klappte im Sommer immerhin reibungslos. „Wir könnten ihn schützen, indem wir ihn zu Hause behalten“, sagt Klaus Over. „Aber sein Wunsch zu reisen ist so stark – ich könnte nicht in den Spiegel schauen, wenn ihm hier zu Hause etwas passieren sollte, und wir haben ihn nicht mehr in die Ferne gelassen.“ Die Taktik laute „aufbauend reisen“.

Am Ende des Buchs bilden Menschen und Orang-Utans eine Menschen-Affen-Kette, um die Bulldozer im Regenwald zu stoppen. Gemeinsam können wir viel schaffen, lautet die Botschaft.

Und wer mithelfen will erfährt mehr auf der Webseite www.henry-rettet-den-regenwald.de.

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