Italien

Alarm am Kindersitz

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Damit niemand im Auto bleibt: Italien macht System nach Todesfällen gesetzlich zur Pflicht.

Fünf Stunden saß der zweijährige Leo im Auto, unter der sengenden sizilianischen Sonne, bei mehr als 30 Grad. Sein Vater hatte ihn vergessen. Luca C. erinnerte sich später nur noch, wie er den Jungen am Morgen in den Kindersitz auf der Rückbank gepackt hatte. Danach habe er ein „Blackout“ gehabt, sagte er der Polizei. Er war pünktlich zur Arbeit in der Universität Catania erschienen – nur dass er Leo nicht wie sonst vorher in den Kindergarten gebracht hatte. Das Kind war im geparkten Auto. Erst als die Schwiegermutter am Telefon nach Leo fragte, kam die Erinnerung zurück. Der Vater rannte panisch zum Wagen, aber es war zu spät. Leos Herz schlug nicht mehr.

Das tödliche Unglück vom September war nicht der erste Fall dieser Art südlich der Alpen. Seit 1998 sind in Italien zehn Kleinkinder an Hitzschlägen gestorben oder erstickt, weil ihre Eltern sie im Auto vergessen hatten. Deshalb sind nun ab sofort Kindersitze mit elektronischer Alarmfunktion vorgeschrieben. Italien ist das erste Land in Europa, wenn nicht weltweit, das diese gesetzliche Pflicht einführt. Sie gilt, wenn Kleinkinder bis zu vier Jahren im Auto mitfahren. Bei Verstößen drohen Strafen bis zu 326 Euro.

Das auf Englisch „Car baby alert“ genannte System funktioniert so: Schaltet der Fahrer den Motor ab und schließt die Wagentür, ohne das Kind aus dem Auto geholt zu haben, ertönt ein akustisches Warnsignal. Der Alarm wird zudem per Bluetooth-Verbindung aufs Handy geleitet, sobald sich dieses einige Meter entfernt. Reagiert niemand, verschickt das System automatisch eine SMS an Notdienste, samt dem Standort des Wagens. Der Kindersitz muss dafür mit einem Sensor versehen sein, der anhand des Gewichts registriert, ob ein kleiner Passagier darin sitzt oder nicht.

Ein Vater aus Piacenza, der 2013 sein Kind auf dieselbe tragische Weise verloren hatte wie Luca C., kämpfte jahrelang für die Alarmpflicht. 65 000 Unterschriften wurden gesammelt. Vor einem Jahr beschloss das Parlament in Rom die Regelung. Sie ist aber erst jetzt in Kraft getreten.

Anbieter, die Kindersitz-Warnsysteme zu Preisen zwischen 150 und 350 Euro verkaufen, gibt es bisher nur einige wenige. Mehrere technische Institute in Italien arbeiten aber bereits an Verfeinerungen. So wurden Prototypen entwickelt, die bei Alarm auch automatisch die Autofenster öffnen.

Italien-Urlauber mit Kleinkindern sind von der gesetzlichen Pflicht ausgenommen – zumindest dann, wenn sie mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Nehmen sie einen italienischen Mietwagen, muss der Kindersitz die neuen Anforderungen erfüllen. Darauf sei bei der Anmietung unbedingt zu achten, rät der ADAC.

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