1. Startseite
  2. Panorama

Zahl der Fälle steigt weiter: Stiko empfiehlt Impfung gegen Affenpocken

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Julius Fastnacht

Kommentare

Die Affenpocken verbreiten sich weiter, eine US-Behörde ruft die zweithöchste Warnstufe aus. Einen Experten verwundert die Ausbreitung des Virus nicht.

Update vom Donnerstag, 9. Juni, 14.15 Uhr: Die ständige Impfkommission hat einen Impfstoff gegen Affenpocken empfohlen. Die Empfehlung gilt zunächst nur für Risikogruppen. Dies betreffe Menschen nach einem engen körperlichen Kontakt zu Infizierten, Personal in Laboren mit ungeschütztem Kontakt zu Proben und homosexuelle Männer mit wechselnden Partnern, teilte die Stiko in einer Erklärung am Donnerstag in Berlin mit. Für die Impfung stehe der in der EU zugelassene Pockenimpfstoff Imvanex zur Verfügung.

Der Beschlussentwurf der Empfehlung muss nun noch in ein sogenanntes Stellungnahmeverfahren mit den Bundesländern und beteiligten Fachkreisen, ist also noch keine endgültige Empfehlung.

Erstmeldung vom Donnerstag, 9. Juni: Washington – Die Zahl der weltweit erfassten Infektionen mit dem Affenpockenvirus steigt weiter. Dem US-amerikanischen Gesundheitsministerium zufolge lag die Zahl am Montag (6. Juni) bei 1019 Fällen in 29 Ländern auf der ganzen Welt. Das Robert Koch-Institut registrierte bis Mittwoch (8. Juni) insgesamt 113 Ansteckungen allein in Deutschland.

Die Infektionsausbreitung bewegte das Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA jetzt jedenfalls dazu, die zweithöchste Warnstufe auszurufen. Zwar bleibe das Risiko einer Ansteckung für die breite Bevölkerung gering, dennoch sensibilisierte das CDC die Menschen dafür, „erhöhte Sicherheitsmaßnahmen“ zu treffen. Enger Kontakt mit kranken Tieren und Menschen, insbesondere solchen mit Hautverletzungen, solle demnach möglichst vermieden werden.

Affenpocken: Veränderter Tier-Mensch Kontakt als eine Ursache

Einem Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge könnte das Virus bereits seit längerer Zeit unbemerkt zirkulieren – eventuell schon mehrere Monate oder sogar Jahre. Und Eyal Leshem, Virologe am israelischen Sheba Medical Center, sagte dem amerikanischen Nachrichtenportal CNBC, die Ausbreitung des Virus in nicht-endemischen Ländern sei ob vereinfachter weltweiter Reisemöglichkeiten auch gar nicht verwunderlich.

Diese Aufnahme zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l), die aus einer menschlichen Hautprobe im Zusammenhang mit dem Präriehundeausbruch von 2003 stammt.
Diese Aufnahme zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l), die aus einer menschlichen Hautprobe im Zusammenhang mit dem Präriehundeausbruch von 2003 stammt. © Cynthia S. Goldsmith/dpa/Russell Regner/CDC/AP

Außerdem habe sich inzwischen der Kontakt zwischen Mensch und Tier verändert: „Die Interaktion hat zugenommen. Der Klimawandel hat einige Tiere dazu gezwungen, enger mit dem Menschen in Kontakt zu treten, sodass diese Art von Krankheiten häufiger auftreten wird.“

Affenpocken gelten nicht als sexuell übertragbare Krankheit

Die US-Regierung teilte diese Woche mit, 36.000 Impf-Dosen gegen das Pockenvirus für Risikopatienten bereitzuhalten. Die meisten Verläufe sind nach bisherigem Erfahrungsstand von milden Symptomen geprägt, die in der Regel nach wenigen Wochen verschwinden. Auch wenn die Mehrheit der Infektionen bislang über Geschlechtsverkehr erfolgt ist, gelten die Affenpocken – anders als etwa das HI-Virus – nicht als sexuell übertragbare Krankheit.

Die ersten im Zusammenhang mit dem Ausbruch untersuchten Affenpockenviren wiesen erstaunlich viele Mutationen auf – verantwortlich dafür könnte nicht das Virus selbst, sondern das menschliche Immunsystem sein. (juf)

Auch interessant

Kommentare