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Eine Frau hält eine Spritze mit einer Flüssigkeit hoch
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Zehntausende Ärzt:innen sollen von der Pharma-Indsutrie gefördert worden sein - ohne das transparent zu machen. (Symbolbild)

Jahrelange Recherche

Exklusiv: Ärzte unterschlagen systematisch Interessenkonflikte

Eine jahrelange Recherche von BuzzFeed News zeigt, dass zehntausende Ärzt:innen von der Pharma-Industrie gefördert werden, dies aber systematisch nicht transparent machen. Auch hochrangige Mediziner:innen aus Deutschland verstoßen gegen die wissenschaftlichen Standards.

Von Hristio Boytchev, Simon Wörpel und Edgar Zanella Alvarenga

Hunderte Mediziner aus Deutschland geben ihre Interessenkonflikte offenbar nicht oder nicht vollständig an – und gefährden damit die Glaubwürdigkeit der Forschung. Das zeigen umfangreiche Recherchen von BuzzFeed News Deutschland, das zur Ippen-Gruppe gehört.

Die Auswertung zeigt, dass Forscher:innen in den vergangenen 20 Jahren mehr als 150.000 Mal angegeben haben, Unterstützung von einer Pharma-Firma erhalten zu haben. Novartis und Pfizer werden am häufigsten genannt, jeweils mehr als 10.000 Mal – gefolgt von Merck, Roche, Sanofi, Astra Zeneca und Bayer. Besonders häufig sind Interessenkonflikte in den medizinischen Bereichen, in denen viel Geld zu verdienen ist, etwa in der Krebsforschung oder der Intensivmedizin.

Die Recherche zeigt auch, dass die Dunkelziffer offenbar noch viel höher ist. In der Analyse fallen zahlreiche Top-Ärzte auf, die ihre Interessenkonflikte in der Mehrzahl der Veröffentlichungen nicht angeben.

„Finanzielle Zuwendungen von Firmen an Ärzte sind mit der Erwartung verbunden, das Produkt der Firma positiv zu bewerten“, sagt Thomas Lempert, Chefarzt für Neurologie in der Berliner Schlosspark-Klinik. „Dieser Erwartung entsprechen die Empfänger der Zuwendungen fast ausnahmslos.“ Lempert leitet das Transparenz-Projekt „Leitlinienwatch“ und ist einer der prominentesten Experten zu Interessenkonflikten in der Medizin.

Die Pharma-Industrie behauptet seit Jahren, die aktuellen Regeln seien ausreichend. Der europäische Pharma-Dachverband hat sich selbst einen Transparenzkodex auferlegt. Danach sollen Pharmafirmen die Zahlungen an einzelne Ärzte veröffentlichen – aber nur, falls diese auch zustimmen. Bei medizinischen Fortbildungen und Kongressen werden nun Namen und Summen der Sponsoren offengelegt. Wissenschaftliche Fachzeitschriften verlangen mittlerweile, dass die Autor:innen solche Interessenkonflikte angeben. Doch die Recherchen von BuzzFeed News zeigen, dass genau das häufig nicht passiert.

Mehrere von BuzzFeed News konfrontierte, deutsche Top-Mediziner sehen Interessenkonflikte nur dann, wenn sie relevant für das konkrete Forschungsprojekt sind. Das sei bei ihren Publikationen nicht der Fall. Doch die in Fachzeitschriften gültigen Definitionen für die Angabe von Interessenkonflikten sind meist deutlich strenger. Entscheidend ist nicht, ob die Zahlung einer Pharma-Firma in konkreter Verbindung mit dem Artikel steht. Im Gegenteil: So schreibt zum Beispiel das hoch angesehene „International Committee of Medical Journal Editors“, dass „Interaktionen mit JEDER Einheit anzugeben sind, die als relevant betrachtet werden könnte.“

Für diese Recherche hat BuzzFeed News Deutschland in den vergangenen zwei Jahren mehr als 3,3 Millionen medizinische Fachartikel aus 16.000 Fachzeitschriften ausgewertet. Sie umfassen etwa 12 Millionen Autor:innen, 500.000 aus Deutschland. Diese Angaben hat das Recherche-Team mit anderen Daten über mögliche Interessenkonflikte verknüpft.

Mehr Hintergründe zur Recherche und Details zu fünf konkreten Top-Ärzten gibt es bei BuzzFeed News Deutschland*.

Hier haben die Reporter:innen des Projektes „Follow the Grant“ ihre mehrjährige Recherche dokumentiert* und geben einen Blick hinter die Kulissen.

*BuzzFeed News, die Ippen-Gruppe und die Reporter:innen von „Follow the Grant“ berichten weiter zur fehlenden Transparenz in der Wissenschaft. Sie erreichen das Rechercheteam unter info@followthegrant.org. Das Projekt „Follow the Grant“ wurde vom MIZ Babelsberg, vom Prototype Fund, von IJ4EU und vom Netzwerk Recherche gefördert.

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