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„Es gibt so gut wie keine Müllentsorgung mehr. Es schockiert mich immer wieder zu sehen, wie dreckig weite Teile des Landes sind. Der Müll wird auf der Straße entsorgt oder verbrannt“, sagt Jana Brandt im Jemen.

Jemen

Ärzte ohne Grenzen im Jemen: „Es fehlt hier wirklich in allen Bereichen“

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Jana Brandt koordiniert die Projekte von Ärzte ohne Grenzen im Jemen, im Interview spricht sie über Cholera, die alltägliche Not der Menschen und die schwierigen Bedingungen eines Einsatzes in einem Bürgerkriegsland.

Vier Jahre Bürgerkrieg, zwei Cholera-Epidemien 2016 und 2017 und nun droht den Menschen im Jemen wieder eine neue Epidemie: Ärzte in dem Bürgerkriegsland registrieren steigende Zahlen der Erkrankungen in dem Land, in dem Cholera endemisch ist. „Was uns Sorgen macht ist die Tatsache, dass die Fallzahlen so stark angestiegen sind, obwohl die Regenzeit noch nicht angefangen hat“, erklärt Jana Brandt, die als Projektkoordinatorin für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen vor Ort ist, im Telefoninterview. Die Helfer bereiten sich auf neue Cholera-Fälle in den kommenden Wochen vor.

Frau Brandt, worauf ist der Anstieg der jetzigen Cholera-Fälle zurückzuführen?
Generell hat Cholera natürlich mit den allgemeinen Hygienebedingungen und der fehlenden Gesundheitsversorgung im Land zu tun. Nach mehr als vier Jahren Krieg ist die medizinische Lage im Jemen extrem schwierig. Es gibt zu wenig Material, Medikamente und Personal – weil dieses größtenteils seit 2016 nicht mehr bezahlt wird. Die Menschen brauchen dann andere Jobs, um ihre Familien zu ernähren. Dazu kommt, dass die Lage für die Bevölkerung immer schwieriger wird, auch aufgrund der extrem schlechten wirtschaftlichen Lage. Die Leute haben viel weniger Geld für Transportkosten oder können sich eine medizinische Versorgung einfach nicht mehr leisten. Und der Jemen war schon vor dem Krieg eines der ärmsten Länder – da war schon keine gute Basis vorhanden. Von dem Krieg sind alle Sektoren und alle Bereiche des Lebens betroffen. Daher kommt es immer wieder zu Epidemien.

Wie behandeln Sie Cholera-Patienten?
Cholera ist relativ leicht behandelbar. Die Krankheit führt in erster Linie zu Durchfall und Übergeben, dadurch kommen die Patienten bei uns sehr dehydriert an. Der Flüssigkeits- und Salzverlust muss ausgeglichen werden und falls nötig, zudem mit Antibiotika behandelt werden. Die Zahlen der Todesfälle sind momentan relativ niedrig, aber es gibt sie. Manchmal haben wir schwere Fälle von Dehydrierung: In den letzten Tagen hatten wir hier drei Kinder, die bei uns praktisch tot angekommen sind. Die Eltern hatten erzählt, dass der Durchfall morgens angefangen hatte – und mittags war das Kind tot. Solche Fälle sind besorgniserregend, gerade wenn es um Kleinkinder geht – ein Kind war 18 Monate alt, eines vier oder fünf Jahre, das letzte war sechs oder sieben – die sind innerhalb von Stunden gestorben.

Das heißt, den Menschen bleibt nicht viel Zeit, um zu reagieren?
Das ist patientenabhängig. Kinder sind besonders empfindlich, da schafft es der Körper schlechter, damit umzugehen. Es ist wichtig, dass schwere Fälle rechtzeitig bei uns ankommen, damit wir den Patienten helfen können. Es kommt aber hinzu, dass die Wege in die Gesundheitseinrichtungen oft relativ weit sind. Durch die Distanz, Checkpoints oder fehlendes Geld für Transportkosten kann es dann sein, dass die Leute zu spät hier ankommen.

Wie sehen die Hygienebedingungen vor Ort konkret aus?
Es gibt so gut wie keine Müllentsorgung mehr. Es schockiert mich immer wieder zu sehen, wie dreckig weite Teile des Landes sind. Der Müll wird auf der Straße entsorgt oder verbrannt. Dazu kommt, dass es im Jemen generell sehr wenig Wasser gibt. Es gibt in den Häusern kaum fließendes Wasser, wie wir es kennen. Die Leute müssen sich Wasser aus Brunnen holen oder mit Lastwagen herbeischaffen, die es in Tanks füllen. Das kann sich nicht jeder leisten, so dass es in den Familien wenig Wasser gibt oder nur Wasser aus fraglichen Quellen. Hier im Krankenhaus haben wir aktuell um die 130 Betten, wir versorgen uns aus dem Water-Tracking mit den Lastwagen. Unser Tagesverbrauch liegt bei mehr als 30 000 Litern. Wir haben hier um die 900 Geburten pro Monat – da brauchen wir dementsprechend viel Wasser. Hygiene und Wasser sind das A und O. Wir können uns das leisten, aber für den Normalbürger ist das nicht immer machbar. Außerdem steigen die Wasserpreise, es steigen die Benzinpreise aufgrund der wirtschaftlichen Krise – und dadurch steigen wiederum die Transportkosten für Wasser. Das ist ein Kreislauf, der kein Ende nimmt.

Welche Qualität hat das Wasser und wie wichtig ist es im Kampf gegen Cholera?
Wir machen natürlich Qualitätskontrollen und haben auch die Möglichkeit, das Wasser selbst aufzubereiten. Es hat eine gute Qualität, nur der Aufwand ist extrem. Wir sind gerade dabei, ein Cholera-Behandlungszentrum zu planen. Da wird natürlich auch Wasser eine entscheidende Rolle spielen und muss dementsprechend dann auch wieder mit Lastwagen herangeschafft und aufbereitet werden. Generell spielt die Wasser- und vor allem Trinkwasser-Verfügbarkeit im Kampf gegen Cholera eine große Rolle. Wenn die nicht gegeben ist, wird sich eine Epidemie viel schwieriger eindämmen lassen.

Wie genau steht es um die medizinische Versorgung im Land – gibt es da ein Gefälle etwa zwischen Nord-Süd oder Stadt-Land?
Ein Gefälle kann ich nicht bestätigen. Es ist aber so, dass viele Gesundheitseinrichtungen nicht mehr funktionieren, regionale Krankenhäuser und Gesundheitszentren sind teilweise nicht mehr offen. Es gibt Gesundheitseinrichtungen die zerstört wurden und Gebiete, in denen Kampfhandlungen die Arbeit unmöglich machen. Zwar gibt es im Jemen neben dem öffentlichen Gesundheitssystem auch private Einrichtungen, die hat es schon immer gegeben, die können sich aber wiederum viele nicht leisten. Deswegen sind wir vor Ort. Wir sind hier das einzige Krankenhaus, in dem eine kostenlose medizinische Versorgung für Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen angeboten wird. Daher ziehen wir natürlich viele Patientinnen an. Aber wir sehen auch, dass der Bedarf um ein vielfaches größer ist als das, was wir abdecken können.

Und wohl erst recht landesweit …
Richtig. Wir sind natürlich in vielen Regionen im Land tätig. Wir haben aktuell rund 100 internationale Mitarbeiter im Land, dann nochmal etwa 2200 jemenitische Kolleginnen und Kollegen. Das ist alles sehr groß, aber wir können nicht den ganzen medizinischen Bedarf im Land decken.

Mit welchen Krankheiten außer Cholera haben Sie denn noch zu kämpfen?
Neben Cholera hatten wir in der Vergangenheit Ausbrüche anderer Epidemien: Diphterie, Masern, es gibt Regionen mit vielen Malaria-Fällen. Neben diesen Ausbrüchen kämpfen wir mit ganz normalen Sachen. Wenn beispielsweise jemand schwanger ist und einen Kaiserschnitt braucht, dann ist oft kein Personal da, das einen Kaiserschnitt durchführen kann. Oder man hat ein krankes Kind mit einer Erkältung, die wird schlimmer und zur Lungenentzündung und die Familien haben keine medizinische Versorgung oder können sie sich nicht leisten. Die Basisversorgung ist nicht mehr gegeben. Davon abgesehen gibt es durch die Kampfhandlungen immer wieder Verletzte und Tote durch Landminen, Kämpfe und Luftangriffe. Darunter sind viele Frauen und Kinder. Es ist eine Mischung aus Epidemien, Kriegsverletzungen und generellen Krankheiten, die unbehandelt tödlich sind.

Es gibt Berichte, dass Hilfslieferungen die Bevölkerung nur schwer erreichen. Wie bekommen Ärzte ohne Grenzen ihr medizinisches Material vor Ort?
Der größte Teil kommt über den Seeweg rein und erreicht uns über den Hafen von Aden. Wir haben zudem ein eigenes Flugzeug. Der Flughafen in Sanaa ist zwar für kommerzielle Flüge geschlossen, aber wir können ihn nutzen. Wir haben eine kleine Propellermaschine, diese hat allerdings begrenzte Kapazitäten. Womit wir sehr zu kämpfen haben, sind Einfuhrbestimmungen und administrative Hürden, die wir immer wieder von den Behörden auferlegt bekommen. Eine schnelle Einfuhr von Medikamenten ist daher oft schwierig. Es kommt auch immer wieder vor, dass Lieferungen drei oder vier Wochen im Hafen steckenbleiben. Das liegt auch daran, dass der Hafen in Aden für die Größe der Lieferungen, die im Moment ankommen, nicht ausgelegt ist. Von den Hilfslieferungen der UN sind wir völlig unabhängig.

Es läuft also ohne große Probleme ab?
Im Moment haben wir auch wieder Medikamente, die in Aden feststecken. Diese Blockaden treffen uns immer wieder. Aber auch wenn wir unser eigenes System haben, spüren wir indirekt durch unsere Patienten die Folgen, wenn Hilfslieferungen nicht oder nur verzögert ankommen, weil ein Großteil der Bevölkerung von dieser Hilfe abhängig ist. Der Jemen ist generell Importabhängig – 80 bis 90 Prozent aller Güter werden importiert. Blockaden im Hafen haben daher auch Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung und dementsprechend auch auf den Gesundheitszustand der Menschen.

Viele Bürger im Jemen haben kein sicheres Einkommen mehr, der Krieg scheint nicht zu enden. Inwiefern spielt dieser für uns schwer vorstellbare, schwierige Alltag der Menschen eine Rolle für die psychische Gesundheit?
Das ist natürlich eine extreme Belastung. Das hat nicht nur mit der finanziellen Situation zu tun, sondern eben auch damit, dass Menschen durch den Krieg umgekommen sind oder ein Kind gestorben ist, weil es nicht behandelt werden konnte. Die Menschen haben das Gefühl, dass sie in dieser Situation gefangen sind. Wir sehen auch bei unseren Mitarbeitern, dass die emotionale Belastung teils sehr groß ist. Auf der einen Seite hat jeder Mitarbeiter seine persönliche Geschichte – wir haben hier beispielsweise viele Kollegen, die aufgrund der Kämpfe aus dem Zentrum der Stadt Tais-Al Houban fliehen mussten. Auf der anderen Seite sind sie den Geschichten der Patienten ausgesetzt, die teilweise wirklich dramatisch sind. Wir sehen, dass unsere jemenitischen Mitarbeiter oft emotional sehr an ihre Grenzen kommen und extrem belastet sind.

2016 belegte der Jemen im Global Gender Gap Report den letzten Platz – um Gleichberechtigung steht es demnach sehr schlecht. Wie nehmen Sie das im Land wahr, etwa was den Zugang zu Gesundheitsversorgung von Frauen anbelangt?
Wir haben einerseits hier im Krankenhaus sehr viele weibliche Mitarbeiter. 70 Prozent der 470 Mitarbeiter sind Frauen. Das zeigt, dass Frauen hier selbstbewusst sind und ihren Teil für das Überleben der Familien beitragen. Man sieht aber auch, dass die Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit von Frauen immer wieder eingeschränkt ist. In der Regel dürfen Frauen beispielsweise nur operiert werden, wenn die Zustimmung eines männlichen Familienangehörigen vorliegt.

Inwieweit müssen Sie mit den unterschiedlichen Konfliktparteien kooperieren?
Als Ärzte ohne Grenzen versuchen wir auf beiden Seiten der Frontlinien zu arbeiten, um unsere Neutralität zu bewahren. Unsere Daseinsberechtigung müssen wir uns durch Verhandlungen erarbeiten. Dazu gehören auch Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen und Akteuren vor Ort. Das gehört zu den Aufgaben eines Projektkoordinators. Bei diesen Verhandlungen geht es in erster Linie darum, dass wir eine medizinische Versorgung unabhängig von der Herkunft oder politischen Ausrichtung unserer Patienten anbieten.

Wird Ihre Arbeit behindert?
Es kommt immer wieder vor, dass wir keinen Zugang zu bestimmten Gebieten bekommen. Das ist ein großes Problem. Für die Bevölkerung ist es oft sehr schwierig, dort funktionierende Gesundheitseinrichtungen zu erreichen – aufgrund der Sicherheitslage oder wegen Checkpoints. Gleichzeitig haben wir keine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, weil wir die Erlaubnis von den Kriegsparteien brauchen, um uns im Land bewegen zu können. Zudem tragen wir als Organisation eine große Verantwortung, was die Sicherheit unserer Teams angeht. Die können wir nicht einfach in Regionen schicken, in denen die Sicherheitslage angespannt ist. Ohne solche – ich nenne es mal Berechtigungen – gehen wir keine Risiken ein.

Wenn Sie also sagen, hier oder da ist es zu unsicher, dann geht da auch niemand hin.
Ja. Obwohl wir im Jemen groß vertreten sind, gibt es nach wie vor Regionen, wo wir keine Ahnung haben, was dort tatsächlich passiert. Gerade in ländlicheren Regionen ist es für uns ein großes Fragezeichen, wie die Situation wirklich vor Ort aussieht.

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Müssen Sie auch vor Entführungen auf der Hut sein?
Als Ärzte ohne Grenzen waren wir davon im Jemen noch nicht betroffen – Gott sei Dank. Es kommt auf die Region an. Generell schließen wir Entführungen immer in unsere Risikoanalysen mit ein.

Wie nehmen Sie, aus Ihrer Position im Jemen heraus, die deutsche Debatte über Waffenlieferungen an Saudi-Arabien wahr und was denken Sie persönlich darüber?
Generell ist es natürlich zu begrüßen, wenn Kampfhandlungen eingeschränkt werden, sei es durch das Aussetzen von Waffenlieferungen. Letztendlich ist es für uns entscheidend, wie bestimmte Vereinbarungen umgesetzt werden. Zum Beispiel, wenn eine Waffenruhe beschlossen wird, und wir dann hier sehen, dass diese Waffenruhe nicht eingehalten wird. Für uns ist entscheidend, was es für einen Effekt auf die Realität vor Ort hat.

Wie nah kommen die Kriegshandlungen an Ihr Krankenhaus heran?
Das ist unterschiedlich. Im Jemen haben wir mehrere Projekte, die nah an den Frontlinien sind, wo man diese Kampfhandlungen auch mitbekommt. Man hört, wenn zum Beispiel geschossen wird. Seit Beginn des Krieges sind fünf medizinische Einrichtungen, die von uns unterstützt oder geführt wurden durch Luftangriffe ganz oder teilweise zerstört worden. Dabei sind auch Patienten und Mitarbeiter umgekommen. Unsere Kollegen in Tais-Al Houban auf der anderen Seite der Frontlinie im Zentrum der Stadt sind immer wieder gezwungen im Krankenhaus zu bleiben, weil es zu starken Kampfhandlungen in der Stadt kommt. Vor einer Woche wurde sehr heftig gekämpft, dabei sind auch Zivilisten ums Leben gekommen.

Erfahren Sie auch Misstrauen aus der Bevölkerung, wie das etwa beim Ebola-Einsatz in der Demokratischen Republik Kongo zu einem teilweisen Rückzug von Ärzte ohne Grenzen geführt hat?
Nein, generell ist unsere Akzeptanz in der Bevölkerung hier gut. Es sind tatsächlich die Kriegsparteien, die uns das Leben immer wieder schwer machen. Sei das durch Behörden oder indem wir zu bestimmten Regionen keinen Zugang bekommen. Unsere Arbeit wird anerkannt und es wird gesehen, was wir trotz aller Schwierigkeiten leisten.

Wird der Jemen manchmal in den internationalen Nachrichten vergessen?
Vergessen in dem Sinne – da bin ich mir nicht sicher. Ich denke der Jemen ist schon viel in den Medien gewesen, gerade in den letzten Monaten, durch die sogenannten Friedensverhandlungen. Auch die Hungersnot war überall groß in den Medien. Aber es ist immer die Frage, was wird denn tatsächlich gemacht, um diesen Krieg zu beenden? Es wird relativ viel Geld über humanitäre Hilfe ins Land geschickt. Aber was wir sehen ist, dass es viel zu wenige Akteure vor Ort gibt, die hier Programme umsetzen. Da würden wir uns als Ärzte ohne Grenzen einfach wünschen, dass es mehr Akteure gibt, die mit internationalen Mitarbeitern Hilfsprogramme umsetzen. Denn der Bedarf ist enorm groß. Die Jemeniten haben es verdient, dass ihnen unter die Arme gegriffen wird. Es fehlt hier wirklich in allen Bereichen. Die Gesundheitsversorgung, die wirtschaftliche Lage, es sind alle Bereiche des Lebens betroffen. In allererster Linie braucht es natürlich Frieden. Ein Aussetzen der Kampfhandlungen und ein Aussetzen der Luftangriffe. Dann die entsprechenden Friedensverhandlungen.

Sind Sie da optimistisch?
Nicht wirklich, nein. Und selbst wenn morgen Frieden im Jemen herrscht, muss das Land wieder aufgebaut werden. Das dauert. Und die interne Dynamik hier im Land ist vielleicht ein bisschen komplizierter, als man das manchmal liest – was die vielen verschiedenen Akteure vor Ort für viele verschiedene Interessen haben. Die Befriedung braucht eine gute Mediation, viel Dialog und viel Verhandlungsgeschick.

Interview: Andreas Sieler

Zur Lage im Jemen

Die Zahl der Cholera-Fälle im Jemen steigt wieder. Zwischen dem 1. Januar und 26. März 2019 hat Ärzte ohne Grenzen nach eigenen Angaben 7938 Menschen mit Verdacht auf Cholera in den Gesundheitseinrichtungen aufgenommen.

50 Prozent von ihnen kamen aus der Provinz Ibb. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der von der Organisation behandelten Cholera-Patienten von 140 auf 2000 pro Woche.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Jemen in zwölf Krankenhäusern und unterstützt mehr als 20 Gesundheitseinrichtungen in elf Provinzen.

Die zwei größten Konfliktparteien im Bürgerkrieg in Jemen sind die Huthi-Rebellen mit Unterstützung des Iran und die international anerkannte Regierung unter dem Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, die von einer großen Allianz der Nachbarstaaten gestützt wird. Saudi-Arabien leitet die arabische Allianz gegen die Rebellen. 

Zur Person

Jana Brandt arbeitet seit 2012 für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Berlin. Als Projektkoordinatorin ist die 38-Jährige zuständig für das Management von Einsätzen im Jemen – dazu zählen unter anderem Finanzen, Logistik und ein reibungsloser Ablauf der medizinischen Versorgung. Derzeit ist Brandt vor Ort im MSF-Mutter-Kind-Krankenhaus von Tais-Al Houban im Süden des Landes.

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