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Das private Altenheim in Chiclana.

Spanien

Albtraum in Spanien

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Ein Paar soll alte Leute ausgeplündert haben.

Wer alt ist, ist verloren. Da schaut niemand mehr so genau hin. Ein Notar lässt eine 70-Jährige für eine 101-Jährige durchgehen. Ein Bestatter verbrennt schnell eine Leiche. Ein Altenheim erlaubt einem Paar, eine Bewohnerin mitzunehmen, die das nicht wollen kann.

Ende 2018 ging bei der Polizei in Frankfurt am Main eine Anzeige ein. Eine Frau hatte länger nichts von ihrer Jugendfreundin Maria gehört, die auf Teneriffa lebte. Maria war 101 Jahre alt, möglich, dass sie gestorben war. Die Frankfurter setzten sich mit der Polizei in Spanien in Kontakt. Die dortige Guardia Civil fand Maria in einem Altenheim im andalusischen Chiclana. Sie hatte eine beunruhigende Geschichte zu erzählen.

Ein deutsch-kubanisches Paar hatte das Vertrauen der Frau gewonnen und sie überredet, von Teneriffa nach Chiclana überzusiedeln. Sie kam und erlebte einen Albtraum aus Misshandlung und Unterernährung. Bis es ihr so schlecht ging, dass sie ins Krankenhaus musste. Von dort kam sie in das Heim, in dem die Guadia Civil sie fand. Die Beamten stellten fest, dass Maria ihr gesamtes Vermögen, 162 000 Euro und ihr Haus auf Teneriffa, verloren hatte.

Dann ging etwas schief. Um Weihnachten, an einem Vormittag, holte das deutsch-kubanische Paar Maria aus dem Heim ab. Stunden später war Maria tot. Das Paar brachte die Leiche zu einem Bestattungsunternehmen und bat um schnelle Einäscherung. So geschah es. Das klingt unglaublich, aber so erzählt es die Guardia Civil.

Am folgenden Tag schauten Beamte bei dem Paar vorbei und fanden Schlüssel für ein anderes Haus. Dort waren ein alter Deutscher und eine alte Holländerin eingesperrt, festgebunden an Rollstühle, unter Beruhigungsmittel gesetzt. Die gut 70-jährige Holländerin, so die Polizei, war von dem Paar benutzt worden, um bei einem Notar für die 101-jährige Maria durchzugehen. Das klingt auch unglaublich, aber so erzählt es die Guardia Civil. Mit dem Einverständnis der falschen Maria, die wohl nicht wusste, was sie tat, bekam das Paar Generalvollmacht für alles, was Maria anging und nutzte das, um Marias Konten zu plündern und ihr Haus zu verkaufen.

Es gibt noch drei andere mutmaßliche Opfer, die sind auch schon tot. Das deutsch-kubanische Paar war dafür im Besitz von mehr als 1,8 Millionen Euro. Jetzt sitzt es im Gefängnis, wie vier weitere Personen, die bei der Geldwäsche geholfen haben sollen. Unter den Straftaten, die dem Paar vorgeworfen werden, ist kein Mord. Die Opfer waren alt. Da schaut niemand mehr so genau hin.

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