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Die Fokker 100 kracht in ein zweistöckiges Haus.

Flugzeugabsturz in Kasachstan

Absturz nach dem Start

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Mehrere Menschen kommen bei einem Flugzeugunglück in Kasachstan ums Leben.

Der Bug der Maschine hat ein frei stehendes Haus halb zerdrückt, die blau-gelbe Aufschrift der Fluglinie Bek Air auf dem zerbrochenen Rumpf ist kaum noch zu lesen. Sessel und Gepäckstücke liegen zwischen den Trümmern im Schnee. Man hört Schmerzens- oder Trauerschreie. Die Videoaufnahmen eines Augenzeugen auf dem kasachischen Fernsehkanal Tengri TV wirken grauenhaft.

Am Freitag ist in der kasachischen Stadt Almaty um 7.21 Uhr Ortszeit eine Fokker-100-Passagiermaschine mit 98 Insassen abgestürzt. Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax kamen 15 Menschen bei der Katastrophe ums Leben, die Deutsche Presse-Agentur spricht von zwölf Toten. 66 Menschen wurden verletzt, zwölf von ihnen schwer. Unter den Todesopfern soll sich auch der Kapitän der Maschine befinden.

Der Unfall ereignete sich beim Start vom Flughafen Almaty. Das Flugzeug, das in die kasachische Hauptstadt Nur-Sultan fliegen sollte, hatte bereits abgehoben und das Fahrwerk eingezogen, verlor aber wieder an Höhe, stieß mehrfach mit dem Heck auf der Startbahn auf, durchbrach eine Betonmauer und stieß gegen ein zweistöckiges Haus. Der russische Fernsehsender Ren TV veröffentlichte einen Mitschnitt der Gespräche zwischen dem Cockpit und dem Tower des Flughafens. Demnach verliefen die Startvorbereitungen planmäßig. „Alles ist in Ordnung, noch einen schönen Tag“, waren die letzten Worte des Piloten.

Wie der kasachische Vizepremier Roman Skljar mitteilte, war die Startbahn in tadellosem Zustand. „Entweder es handelt sich um einen Fehler des Piloten oder um technische Gründe.“ Laut Skljar wurden die Flugschreiber gefunden. Die Gesellschaft Bek Air hat bis zur Klärung des Unfalles den Flugbetrieb eingestellt.

Bek Air fliegt zwölf kasachische Flughäfen an, die Flotte besteht aus sieben Maschinen vom Typ Fokker 100 mit je 108 Sitzplätzen. Nach verschiedenen Angaben wurde die Unglücksmaschine 1995 oder 1996 gebaut. Ein Jahr später wurde die Herstellung der Fokker 100 laut dem russischen Nachrichtenportal fergana.agency eingestellt, seitdem sei es immer schwieriger, Ersatzteile für die Flugzeuge zu organisieren. Allerdings erteilte das kasachische Industrie- und Infrastrukturministerium im Mai 2019 der Maschine ein neues Flugtauglichkeitszertifikat.

Jedenfalls geriet die Maschine bei ihrem Absturz nicht in Brand, einer der Gründe für die hohe Zahl von Überlebenden. Zahlreiche Passagiere kletterten selbst aus den Fenstern, bevor die Bergungskräfte eintrafen. „Es gab Leute, die sich erkundigten, ob man ihnen neue Flugtickets ausstellen würde“, schreibt der Telegram-Kanal Alibekov unter Berufung auf einen Insassen. Laut Alibekov war eine Tragfläche der Fokker mit Eis überzogen, was für mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen sprechen könnte. Laut fergana.agency gilt die Bek Air als Billigflieger. Und Passagiere sollen sich häufig beschwert haben, ihr Bordpersonal nähme es nicht immer genau mit den Sicherheitsvorschriften.

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