Völlig hilflos: Fluker kommt nicht mehr eigenständig in tiefere Meeresgebiete.
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Völlig hilflos: Fluker kommt nicht mehr eigenständig in tiefere Meeresgebiete.

Tierschutz

Abschied von einem Riesen

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Seit 25 Jahren schon beobachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Finnwal „Fluker“ im Meer. Nun droht das Tier zu verhungern: Es kann nicht mehr tauchen.

Er heißt „Fluker“ und ist Meeresbeobachterinnen und -beobachtern seit 25 Jahren bekannt. So lange schon bewegt sich der gewaltige Finnwal im Naturschutzgebiet Pelagos vor der Riviera Frankreichs, Monacos und Italiens gemächlich umher.

Die große, bis zu den Inseln Korsika und Sardinien reichende Zone hat allerdings nicht verhindern können, dass Fluker schon 2019 die Hälfte seiner Schwanzflosse verlor. Wahrscheinlich konnte sich der Wal nur so aus einem Fischernetz befreien.

Tierschützerinnen und Tierschützer gaben dem Tier darauf seinen Spitznamen. „Fluke“ bedeutet auf Englisch nicht nur Schwanzflosse, sondern auch Glücksfall. Denn in seinem Malheur konnte sich Fluker schließlich noch glücklich wähnen, der Netzfalle überhaupt entronnen zu sein.

Viele seiner Artgenossen überleben gar nicht erst, wenn sie in ein Netz geraten. Allein im Pelagos-Gebiet sterben jedes Jahr zwischen acht und 40 Finnwale durch Kollisionen mit Schiffen oder in Fischernetzen, schätzt die Umweltorganisation WWF.

Jetzt ist aber wohl auch der berühmte Fluker dem Tod geweiht. Der Veteran des nordwestlichen Mittelmeeres hat unlängst auch die andere Hälfte seiner Schwanzflosse verloren. Die Organisation WWF vermutet erneut ein – möglicherweise längst aufgegebenes – Fischernetz als Ursache.

Mit seinem Schwanzstumpf kann der Finnwal nicht mehr richtig in die tieferen Meereszonen abtauchen. Dort allerdings ernähren sich Blau- und Finnwale – die beiden größten Tierarten der Welt – von kleinen Garnelen, anderem Krill oder Plankton. Fluker wird also wohl verhungern.

Eine überaus schmerzliche Filmaufnahme des WWF zeigt nun, wie schwer sich der verkrüppelte Finnwal damit tut, nach dem Luftholen mit elegantem Schwung in die Tiefe zu tauchen.

„Er ist schrecklich abgemagert, und man konnten sehen, wie mühsam ihm die Fortbewegung wird“, berichtet Arnaud Gauffier, der Programmdirektor von WWF-France. Der Finnwal könne nur noch mühsam tauchen, er wirke sehr geschwächt und sei voller Parasiten.

Die Leitung der Pelagos-Parks gibt zwar zu bedenken, dass Fluker die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach seinem ersten Unfall durch seine Anpassungsfähigkeit erstaunt habe. Damals verfügte er aber immerhin noch über eine halbe Flosse.

Nach seinem zweiten Unfall stuft WWF Flukers Überlebenschancen jetzt nur noch als mittelfristig gering ein. „Schockierend ist, dass es höchstwahrscheinlich eine menschliche Aktivität ist, die den Wal in einen solchen Zustand versetzt hat“, sagt Programmdirektor Gauffier. Selbst in der Schutzzone werde zu viel, oft auch illegal gefischt.

Bei der Fischerei gingen Netze verloren oder würden einfach aufgegeben und im Meer zurückgelassen. Und auch der Schiffslärm und die Verschmutzung durch Plastik und chemische Rückstände machten der Meeresfauna immer mehr zu schaffen. Der Schiffsverkehr nehme an der Riviera aber weiterhin jedes Jahr um vier Prozent zu.

Die Naturschutzorganisation verlangt deshalb die Schaffung einer „besonders anfälligen Meereszone“ von Spanien bis Italien. Das Wal-Ortungs-System Repcet zur besseren Überwachung und zum Schutz der Tiere müsse zudem obligatorisch werden.

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