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Abenteuer Autobahn

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Von: Thomas Roser

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Ihre Arbeit ist getan: Mitarbeitende der chinesischen Straßenbaufirma bei der Eröffnung eines 41 Kilometer langen Abschnitts der  Autobahn in Podgorica (Montenegro) am 13. Juli 2022.
Ihre Arbeit ist getan: Mitarbeitende der chinesischen Straßenbaufirma bei der Eröffnung eines 41 Kilometer langen Abschnitts der Autobahn in Podgorica (Montenegro) am 13. Juli 2022. © Shi Zhongyu/Imago

Woran sich manche in Montenegro erst noch gewöhnen müssen.

Regierungskrise, Waldbrände und eine wegen des Ukrainekriegs völlig verhagelte Touristensaison: Die schlechten Nachrichten reißen in diesem Hitzesommer in Montenegro nicht ab. Doch zumindest die frohe Kunde von der Inbetriebnahme der ersten Autobahn des Landes elektrisiert die 620 000 Bewohnerinnen und Bewohner und Medien des bergigen Adriastaats gleichermaßen.

Seit der neue Stolz der Nation am Nationalfeiertag in der vergangenen Woche mit dreijähriger Verspätung endlich eröffnet wurde, füttern die heimischen Medien das Publikum mit immer neuen Nachrichten von dem turbulenten Geschehen auf der 41 Kilometer langen Strecke: Die Autofahrerinnen und -fahrer im Küstenstaat scheinen sich an das Fahren auf dem Autobahnasphalt erst noch gewöhnen zu müssen.

Knapp am Bankrott vorbei

Gut eine Milliarde Euro hat sich der hochverschuldete Kleinstaat die Straße kosten lassen: Wegen des bei China aufgenommenen Großkredits schrammte Montenegro voriges Jahr nur knapp am Staatsbankrott vorbei. Doch dafür durchzieht nun eine über 20 Brücken und 16 Tunnel führende und von einem chinesischen Staatsbetrieb in sieben Jahren gefertigte Modellautobahn den bergigen Norden des Landes.

Mit einem sechsminütigen Spot hatte das staatliche Straßenbauunternehmen „Monteput“ seine Landsleute auf das neue Autobahnzeitalter vorzubereiten versucht – und nicht nur die Funktionen von Mautstationen und Warnsignalen, sondern auch von Überhol- und Standspuren erklärt: Das Parken auf Standstreifen und in den Tunnels sei untersagt, so eine der Botschaften. Nicht bei allen fand diese Gehör. Schon am ersten Tag vermeldete der TV-Sender „RTCG“, dass Fahrer:innen im Autobahntunnel eine Zigarettenpause eingelegt hätten.

Raser und untaugliche Autos

Nicht nur erste Geisterfahrer und mit 200 Sachen über die Piste donnernde Raser lassen Monteput-Direktor Milan Ljiljanic über die „große Verkehrsunkultur“ seiner Landsleute klagen: „Die Fahrer halten sich nicht an die Regeln.“

Viele der älteren Vehikel stellt bei der Bewältigung der 1000 Höhenmeter indes weniger die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100, sondern die erforderliche Mindestgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern vor Probleme. Täglich geben auf dem Anstieg rund 50 Karossen den Geist auf, mehrere sind bereits ausgebrannt. Die meisten der liegengebliebenen Fahrzeuge hätten ein „älteres Produktionsjahr“ und seien „nicht geeignet für die auf der Autobahn erlaubten Geschwindigkeiten“, berichtet der entnervte Monteput-Chef.

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