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Zunächst wird der westliche Teil der Brücke abgerissen. Das schwere Gerät kam schon bei der Bergung der Costa Concordia zum Einsatz.

Genua

Überreste der eingestürzten Brücke werden abgerissen

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Ende März beginnt der Bau der neuen Brücke in Genua, die zugleich Mahnmal und Symbol des Aufbruchs sein soll.

Viele Stunden sollte es dauern, bis das erste, 800 Tonnen schwere Teilstück der Autobahnbrücke an dicken Drahtseilen aufgehängt aus mehr als 40 Meter Höhe ganz langsam zu Boden gelassen war. Mit der schwierigen Aktion begann am Freitag in Genua der Abriss der im August eingestürzten Ponte Morandi. Es war ein hoch symbolischer Moment für die ligurische Hafenstadt. „Der Beginn einer Befreiung für Genua, für Ligurien, für Italien“, wie Premier Giuseppe Conte betonte, der mit rotem Feuerwehrhelm auf dem Kopf die Baustelle besichtigte.

Fünf Monate ist es her, dass ein 200 Meter langer Abschnitt des in den 60er Jahren gebauten vierspurigen Viadukts einstürzte und 43 Menschen in den Tod riss. Seither ragen mitten in der Hafenstadt die beiden Brückenstümpfe auf und erinnern an die Katastrophe. Die Ponte Morandi, Teil der „Autostrada dei Fiori“, hatte das Polcevera-Tal überspannt und war nicht nur die Hauptverkehrsader zwischen Südfrankreich und Mittelitalien gewesen, sondern auch zwischen dem Osten und dem Westen der Stadt. 25 Millionen Autos überquerten sie jährlich. Seit dem Unglück müssen die Genueser Staus und lange Umwege in Kauf nehmen.

Abgerissen wird jetzt zuerst der westliche Brückenkopf, unter dem ein Gewerbegebiet liegt. Schwieriger wird es auf der gegenüberliegenden Seite werden, wo Wohnblocks direkt unter der Brücke stehen. Deren 650 Bewohner mussten umgesiedelt werden und sind inzwischen vom privaten Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia mit insgesamt 200 Millionen Euro entschädigt worden.

Die Vorarbeiten für den Abriss hatten schon nach dem ersten Spatenstich Mitte Dezember begonnen. Die Asphaltdecke der Fahrbahn und Aufbauten der Schrägseilbrücke wurden seither abgetragen, um das Gewicht der Einzelteile zu reduzieren, die nun nach und nach zu Boden gehievt werden. Fünf Monate soll es dauern und 19 Millionen Euro kosten, bis die alte Morandi-Brücke verschwunden ist. Das Gerät, das dabei zum Einsatz kommt – 600 Tonnen schwere hydraulische Hebeblöcke und Gewinde für die enormen Stahlseile – hat schon einmal eine spektakuläre Aufgabe bewältigt: Damit war 2013 der vor der toskanischen Insel Giglio havarierte Kreuzfahrtriese Costa Concordia aus der Schräglage aufgerichtet worden, bevor er zur Zerlegung in den Hafen von Genua geschleppt wurde.

Noch während der Abrissarbeiten soll ab Ende März zeitgleich mit dem Bau einer neuen Brücke begonnen werden. Nach dem Entwurf des aus Genua stammenden Stararchitekten Renzo Piano wird sie 43 Lichtelemente tragen, die an die Toten des Unglücks erinnern. Für den Neubau sind 200 Millionen Euro eingeplant. Auch das muss auf Regierungsbeschluss der zum Benetton-Konzern gehörende frühere Autobahnbetreiber zahlen, dem die mangelnde Instandhaltung der Brücke zur Last gelegt wird. Gegen 21 Verdächtige wird ermittelt, darunter Vorstandschef Giovanni Castellucci.

Fertig werden soll die neue Brücke bis Jahresende. Bis wieder Autos darüber fahren können, werde es aber wohl bis zum Frühjahr 2020 dauern, sagte Conte.

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