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Die Premiere: Micheline Bernardini, eine Nackttänzerin des Pariser Casinos, präsentiert am 5. Juli 1946 den ersten Bikini.
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Die Premiere: Micheline Bernardini, eine Nackttänzerin des Pariser Casinos, präsentiert am 5. Juli 1946 den ersten Bikini.

Mode

75 Jahre Bikini: So geht baden gehen

  • VonTania Kibermanis
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Der französische Designer Louis Réard präsentierte vor 75 Jahren eine spektakuläre modische Neuheit: den Bikini. Seither haben die vier Dreiecke weltweit Karriere gemacht

Lieber Bikini! Dich als wohl flächenmäßig kleinstes Damenbekleidungsstück der Welt ausgerechnet nach einem Ort im Pazifik zu benennen, an dem 1946 die ersten Atomwaffentests der US-Amerikaner stattfanden, zeugt schon von einem mehr als speziellen Sinn für guten Geschmack. Wusstest du eigentlich, dass die Ureinwohner:innen von Bikini zwangsumgesiedelt wurden, das Atoll mit insgesamt 23 Wasserstoffbomben bis heute radioaktiv kontaminiert ist und es durchaus bezweifelt werden darf, dass dafür bisher auch nur irgendeine Entschädigung geflossen ist? Aber das kann man dir und deinen paar Quadratzentimeterchen Stoff ja schwerlich anlasten.

Unverzichtbar: Kein Karneval in Brasilien ohne Bikini.

Eigentlich bist du schon deutlich älter als 75 Jahre. Selbst in der Antike trug die Dame von Welt bei sportlichen Wettkämpfen bereits Bikini. Und in den 1930er Jahren, als du noch aus einer Art Tennisröckchen und BH bestandst, hießt du ganz mondän „Palm-Beach-Combination“. Doch die deutsche Badepolizeiverordnung von 1932 machte mit dem sogenannten Zwickelerlass unmissverständlich klar, wie züchtige Körperbedeckung auszusehen hat: „Frauen dürfen öffentlich nur baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist.“

Im Fokus: „Miss Flash“, gewählt von Pressefotografen beim Filmfest in Cannes 1964.

Für viele war der Bikini nur blanker Sexismus

Erst 1946 wurdest du frivol verknappt, und der von den Berichten über die Atomversuche so elektrisierte Designer Louis Réard verpasste dir deinen berühmten Namen. Und bewarb dich mit folgendem Slogan: „Le Bikini, la première bombe an-atomique“. Die erste anatomische Bombe. Wortspiel. Verstehste?

Legendär: Ursula Andress mit Sean Connery in „007 jagt Dr. No“, 1962.

Mit der Abschaffung jeglicher Mindestverhüllungskonvention hast du’s dann auch von allen Seiten abgekriegt: Für die einen Sexismus in Reinkultur, kapitalistische Dekadenz für die anderen. Und noch bis in die 1970er brauchte man mit dir in bundesdeutschen Schwimmbädern gar nicht erst aufkreuzen.

Zweiteiler im All: Carrie Fisher in „Star Wars – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, 1983.

Was tut man nicht alles: Arschlifting und Waxing der Bikinizone

Googelt man Bikini, steht man direkt an den Pforten der Selbstoptimierungshölle: Diäten für die Bikini-Figur, Arschlifting und Cellulite-weg-Angebote, Waxing für die Bikinizone, Bikini-Tan. Bis heute bist du Geißel und Befreiung gleichermaßen, und es gibt dich in sämtlichen Darreichungsformen: Von gehäkelt (war immer schon eine Schnapsidee) über brillantenbesetzt bis aus Plastikflaschen recycelt ist alles dabei. Von der Kimmenkordel bis zum Burkini, von High-fashion-Designern erdacht oder von der Stange. Doch glücklicherweise hast du dich inzwischen längst vom Diktator zum Demokraten gewandelt, und es ist heutzutage erfreulich wurscht, ob deine Trägerin sich bereits Monate vor der Bikinisaison mit Sit-ups schindet oder die Kilos lieber frei schwingen lässt. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch, alte Haut!

Antikes Vorbild: Fußbodenmosaik in der Villa Romana del Casale, Sizilien.

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