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Medizinische Hilfsgüter werden am Flughafen von Monrovia verladen. Die internationalen Anstrengungen im Kampf gegen Ebola seien unzureichend und chaotisch, kritisiert die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.
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Medizinische Hilfsgüter werden am Flughafen von Monrovia verladen. Die internationalen Anstrengungen im Kampf gegen Ebola seien unzureichend und chaotisch, kritisiert die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.

Ebola-Epidemie

20.000 Ebola-Fälle befürchtet

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO wird die Zahl der Ebola-Infizierten auf über 20.000 steigen. Ärzte ohne Grenzen kritisieren die fehlende Unterstützung von westlichen Staaten zur Eindämmung der Epidemie.

Die Zahl der Ebola-Infizierten in Westafrika schnellt immer rasanter in die Höhe und wird nach Auffassung der Weltgesundheitsorganisation WHO womöglich auf über 20.000 steigen, bevor die Seuche unter Kontrolle gebracht werden kann. Nach den jüngsten, am Donnerstag bekannt gegebenen Erhebungen wurden inzwischen mehr als 3000 Menschen von dem Virus angesteckt, 1552 Infizierte sind der Fieberkrankheit bereits erlegen. Die Dunkelziffer liege vermutlich jedoch zwei- bis viermal höher, teilte die WHO in Genf mit.

40 Prozent der Infektionen ereigneten sich in den vergangenen drei Wochen, hieß es. „Der Kampf gegen Ebola ist keine Schlacht, sondern ein Krieg“, sagte der von der UN beauftragte Ebola-Koordinator, der britische Epidemiologe David Nabarro: Und dieser Krieg, der mindestens weitere sechs Monate lang geführt werden müsse, könne nur in einer gemeinsamen internationalen Anstrengung gewonnen werden.

Während sich die Gesundheitsminister der in dem Wirtschaftsverband Ecowas vereinigten westafrikanischen Staaten am Donnerstag in der ghanaischen Hauptstadt Accra zu einem Krisengipfel zusammenfanden, wurde bekannt, dass sich die Seuche inzwischen auf eine weitere nigerianische Großstadt ausbreitete. In der Erdölstadt Port Harcourt erlag ein Arzt, der einen Infizierten behandelt hatte, dem tödlichen Virus. Es ist der sechste Ebola-Tote in Afrikas bevölkerungsreichstem Staat, mindestens 14  infizierte Personen werden aus Nigeria gemeldet. Die Regierung ordnete die Schließung sämtlicher Schulen des Landes bis zum 13. Oktober an: Eigentlich hätten die Bildungseinrichtungen am Montag mit dem Schuljahr beginnen sollen.

In einer weiteren drastischen Maßnahme feuerte Liberias Staatspräsidentin Ellen Johnson Sirleaf alle Staatsbeamten, die nicht ihrer Aufforderungen nachkamen, sofort in die Heimat zurückzukehren, um sich am Kampf gegen die beispiellose Epidemie zu beteiligen. Mit über 700 Toten ist Liberia der von der Seuche am schlimmsten betroffene westafrikanische Staat, gefolgt von Sierra Leone, Guinea und Nigeria.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die mit rund 400  Pflegekräften den Kampf gegen die Seuche anführt, kritisierte unterdessen die internationalen Anstrengungen zur Eindämmung der Epidemie als „vollkommen unzureichend“. Die ausländischen Bemühungen seien „viel zu chaotisch“, sagte der für die Operationen der Hilfsorganisation zuständige Direktor Brice de la Vigne: Das Hauptaugenmerk der Staaten, die über ausreichende Erfahrung und Ressourcen für den Kampf gegen die Seuche verfügten, sei fast ausschließlich auf den Selbstschutz gerichtet. „Wir sind über den Mangel an Willen, Professionalität und Koordination vollkommen verblüfft“, sagte de la Vigne. Vor allem stößt die Praxis westlicher Nationen auf Kritik, eigene Staatsbürger, die sich infiziert haben, auszufliegen und mit neuen Medikamenten zu versorgen – während die westafrikanische Bevölkerung mit einer solchen Behandlung nicht rechnen kann: Mehr als 250 einheimische Pflegekräfte sind bereits infiziert, über 130 gestorben. Beanstandet wird auch die Berichterstattung in westlichen Medien, die sich meist auf die völlig übertriebene Sorge über eine Ausbreitung der Seuche auf das jeweilige eigene Staatsgebiet konzentriere.

So wartete das US-Magazin „Newsweek“ jüngst mit einer Titelgeschichte darüber auf, dass der illegale Handel mit Wildfleisch aus Westafrika das Ebola-Virus in die USA einschleusen könne – eine Möglichkeit, die nach Auffassung von Experten kaum existiert.

Schließlich wird auch die Entscheidung immer weiterer Fluggesellschaften kritisiert, ihre Flüge in die betroffene Region wie jüngst auch Air France einzustellen: Inzwischen fliegen nur noch zwei Linien Guinea, Liberia und Sierra Leone an – eine davon, Brussels Airlines, will ihre Entscheidung am Wochenende überdenken. Die Einstellung der Flüge sorgt dafür, dass Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen immer größere Schwierigkeiten haben, Personal und Ressourcen in die Krisenregion zu verlegen.

Schon heute richte die Seuche in der betroffenen Region „riesigen wirtschaftlichen Schaden“ an, gab die Afrikanische Entwicklungsbank jetzt bekannt.

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