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Jagdunfall: 17-Jährige erschießt Spaziergängerin

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Von: Stefan Brändle

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Frankreich diskutiert über das Thema Jagd.
Frankreich diskutiert über das Thema Jagd. (Symbolfoto) © Patrick Pleul/dpa

In Frankreich entfacht eine Debatte um ein mögliches Schießverbot nach einem tödlichen Jagdunfall.

Paris – Nach einem Jagdunfall diskutiert Frankreich erneut über ein Schießverbot an Wochenenden und in den Ferien. Das Unglück ereignete sich im Cantal, einer hügeligen Region im Zentralmassiv. Die 25-jährige Anwohnerin spazierte am Samstag mit ihrem Freund auf einem Wanderweg, als sie zusammenbrach. Ein Schuss hatte sie in die linke Körperseite getroffen. Jede ärztliche Hilfe kam zu spät.

Der tödliche Schuss stammte aus dem Karabiner einer 17-Jährigen aus Cassaniouze. Die Teenagerin beteiligte sich an einer Treibjagd auf Wildschweine, die auch im Cantal eine Plage sind. Die Schützin wurde in Polizeigewahrsam genommen und psychologisch betreut, da sie unter einem schweren Schock stand. Sie besitzt einen Jagdschein mit Schießlizenz und stand nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

Frankreich: Jagd auf Wildschweine endet für Spaziergängerin tödlich

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auf fahrlässige Tötung. Zunächst war die Rede von einer „verirrten Kugel“, was nicht ausschließt, dass die Schützin das sich bewegende Ziel für ein Wildschwein gehalten haben könnte. Die Jagd war amtlich erlaubt gewesen; dem TV-Sender France-3 zufolge war sie aber nur auf einer der beiden Zugangsseiten des Wanderwegs ausgeschildert.

Bestürzung herrscht in Frankreich über das Alter der Schützin. Laut französischem Gesetz dürfen Minderjährige unter erwachsener Kontrolle auf die Jagd gehen. Unter den 1,2 Millionen aktiv Jagenden im Land sind zahlreiche junge Frauen, insgesamt verfügen vier Millionen Menschen über einen Jagdschein, mehr als in jedem anderen europäischen Land. In Frankreich werden jedes Jahr mehr als 20 tödliche Jagdunfälle gezählt. Getroffen werden vor allem Jäger, aber auch Mountainbiker oder Hausbesitzer im eigenen Garten. Immer wieder ist bei den Schützen Alkohol im Spiel. Frauen gelten allgemein als vorsichtiger.

Frankreich: Debatte um die Jagd – kurz vor der Präsidentschaftswahl

Viel zu reden gibt der Zeitpunkt des Unfalls an einem Samstag um 15 Uhr. Jagdgegner:innen verlangen in Frankreich seit langem ein Schießverbot an Wochenenden und während der Schulferien. Auch der grüne Präsidentschaftskandidat Yannick Jadot wiederholte diese Forderung am Sonntag. Die Staatssekretärin für Biodiversität, Bérangère Abba, versprach: „Entscheide, damit so etwas nie mehr passiert.“ Ähnlich hatte es allerdings schon im vergangenen Oktober getönt, als ein 67-jähriger Autofahrer auf der Schnellstraße zwischen Rennes und Nantes von einer Jagdkugel tödlich getroffen worden war.

Präsident Emmanuel Macron weiß, dass die Jäger:innen mit ihren Familien auf dem Land eine starke Wählergruppe bilden. Er hatte zwischenzeitlich versprochen, die Kosten für die Jagdlizenz von 400 Euro zu halbieren. Dass die Jagd so kurz vor den Wahlen am Wochenende verboten wird, wie etwa in Italien oder Portugal, scheint in Frankreich undenkbar.

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