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100 Tage Ukraine-Krieg: Berührendes Video-Tagebuch einer Mutter aus Kiew

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Von: Isabel Wetzel

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Fast 25.000 Menschen verfolgen den Youtube-Kanal von Olena Gnes aus Kiew. Das emotionale Video-Tagebuch zeigt den Ukraine-Krieg aus der Perspektive einer Mutter.

Kiew – Furcht, Entsetzen, Wut, Verzweiflung, aber auch Momente der Hoffnung und Freude: All das zeigt Olena Gnes auf ihrem Youtube-Kanal „What is Ukraine“ („Was ist die Ukraine“). Auf der Plattform ist damit ein detailliertes und sehr persönliches Video-Tagebuch über 100 Tage Krieg in der Ukraine entstanden. Eigentlich ist die dreifache Mutter Reiseleiterin und zeigt Urlauberinnen und Urlaubern die schönsten Seiten ihrer Heimatstadt Kiew – die schönsten Strände, idyllischsten Parks und spannendsten Museen.

Das teilte die Youtuberin dann auch regelmäßig in bunten Videos auf ihrem Kanal. Mit dem Einmarsch Russlands und dem Beginn des Ukraine-Krieges hat sich dann nicht nur das Leben der jungen Frau, sondern auch der Inhalt ihrer Videos, schlagartig verändert.

Bereits im Januar 2022 veröffentlichte Olena ein Video zu der Frage, ob es mit Blick auf die angespannten Beziehungen zu Russland noch sicher sei in die Ukraine zu reisen. „Ich wollte nie diese Art von Videos machen“, sagte sie gleich zu Beginn. „Ich wollte auf meinem Youtube-Kanal keinerlei politische Videos haben, ich wollte ihn voll und ganz dem Tourismus, der Kultur, Geschichte und Tradition der Ukraine widmen – und der Schönheit dieses Landes.“ Doch sie hielt es bereits damals für unumgänglich, doch darüber zu sprechen und was sich zu diesem Zeitpunkt nur erahnen ließ, wurde schnell bittere Realität.

Die dreifache Mutter Olena Gnes führt auf ihrem Youtube-Kanal ein emotionales Video-Tagebuch über das Leben ihrer Familie im Ukraine Krieg.
Die dreifache Mutter Olena Gnes führt auf ihrem Youtube-Kanal ein emotionales Video-Tagebuch über das Leben ihrer Familie im Ukraine Krieg. © Screenshot Youtube/@whatisukraine

100 Tage Ukraine-Krieg: Am 24. Februar begann der Alptraum von Olena Gnes aus Kiew

Am 24. Februar 2022 begann auf Befehl von Präsident Wladimir Putin der großangelegte Angriff Russlands auf die Ukraine und eskalierte den bereits seit 2014 schwelenden Ukraine-Konflikt. An diesem Tag startete die junge Mutter aus Kiew ein Live-Video auf ihrem Kanal. „Wir wissen nicht wirklich was los ist, aber wir haben Explosionen gehört und, ich glaube, Flugzeuge fliegen“. Nur etwa eine Minute ist das Video lang.

Es ist unruhig, das Baby auf Olenas Arm weint, der Vater macht die zwei älteren Kinder (7 und 9) gerade fertig. „Wir gehen jetzt in den Schutzbunker und warten, was als nächstes passiert. Bitte stoppt den Krieg in der Ukraine, bitte“, sagt die junge Mutter und dann bricht das Video ab. Das erste von mittlerweile knapp 100 Videos (Stand: 4. Juni), in denen Olena Gnes ihren Abonnentinnen und Abonnenten den Alltag und die Ängste ihrer Familie im Ukraine-Krieg zeigt.

Krieg in der Ukraine: Tränen, Schutzsuche und Angst um den Vater

Immer wieder sind in den Videos Alarme zu hören, die neue Bombardierungen ankündigen. Oft fließen Tränen. Täglich lädt die junge Frau Videos aus Bunkern und Kellerräumen in Kiew hoch. Der Familienvater meldet sich freiwillig, um für sein Land zu kämpfen, obwohl er keine militärische Ausbildung hat. Immer wieder zeigt Olena sehr intime und berührende Szenen aus ihrem Familienleben. „Papa, wo gehst du hin“, fragen die Kinder – „Das kann ich euch nicht sagen“. Dann fragen sie die Mutter, weinen, „Ich will zu Papa“. „Er ging, um uns zu beschützen. In den Krieg. Alles wird gut werden. Daddy wird uns beschützen“, antwortet Olena.

Video-Tagebuch aus der Ukraine: Mutter aus Kiew zeigt auch beinahe „normale“ Tage

Es gibt auch ruhige Tage in Kiew. Tage an denen die Familie rausgeht und der Himmel blau ist, an denen die kleine Tochter ihren ersten Sommertag erleben darf, die Familie durch einen Park in der Innenstadt spaziert und singt. Olena zeigt damit auch Momente des Glücks und der Hoffnung. Zum Beispiel den Besuch ihrer Schwester oder die Vorfreude der Kinder auf den Eurovision Song Contest.

Trotz der intimen Einblicke in das Leben während des Ukraine-Krieges durch ihr Video Tagebuch will Olena Gnes kein „Gesicht des Krieges“ sein, sondern ein „Gesicht des Friedens“.
Trotz der intimen Einblicke in das Leben während des Ukraine-Krieges durch ihr Video Tagebuch will Olena Gnes kein „Gesicht des Krieges“ sein, sondern ein „Gesicht des Friedens“. © Montage: Efrem Lukatsky/dpa/Youtube @whatisukraine

In einer emotionalen Videobotschaft an Tag 96 des Krieges appelliert die junge Mutter noch einmal an den Frieden. Obwohl sie intime und herzzerreißende Szenen aus dem Krieg mit der Öffentlichkeit teilt, möchte sie kein „Gesicht des Krieges“ sein. „Mein Zuhause ist nicht zerstört, mein Körper schmerzt nicht, mein Baby wurde nicht getötet, mein Sohn nicht verletzt und meine Tochter nicht vergewaltigt. Mein Mann wurde nicht gefangen genommen ,gefoltert oder erschossen.“ Der Krieg bedeute Tod, und sie wollen am Leben bleiben – ein „Gesicht des Friedens“ werden. (iwe)

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