Kommentar

Zynische Großmächte

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Eine Intervention ist die einzige Hoffnung der Bewohner der Krisenzone im Süden Kirgistans. Von Karl Grobe

Der Ausbruch der Gewalt in den südlichen Regionen Kirgistans bereitet den Nachbarn Sorgen; zum Eingreifen reicht es bisher nur begrenzt. Eine Intervention aber ist die einzige Hoffnung der Bewohner der Krisenzone. Die Übergangsregierung von Rosa Orunbajewa hat denn auch Russland längst um "Friedenstruppen" gebeten. Sie ist offenbar nicht mehr handlungsfähig, zwei Wochen vor dem geplanten Verfassungsreferendum.

Russland ist bisher nur zur Verteidigung seines Luftwaffenstützpunkts Kant bei Bischkek aktiv geworden. Der ist weit entfernt von Dschalal-Abad und Osch. Doch dorthin Soldaten zu schicken ist riskant. Usbekistan ist für Moskau das wesentlich wichtigere Land. Sollte die russische Regierung nicht eindeutig Partei für die angegriffenen Usbeken ergreifen, wird Ärger mit Usbekistan nicht ausbleiben.

Die USA wiederum sind an Kirgistan wegen ihres Stützpunkts Manas, der in der Nähe der Hauptstadt Bischkek liegt, interessiert. Er ist wichtig für den afghanischen Feldzug. Manas jedoch wird im Zuge der Auseinandersetzungen ganz gewiss nicht angegriffen. Ob diese, wie oft behauptet, ethnischer Natur sind, steht nicht fest. Viel spricht für die Annahme, dass polit-kriminelle Bandenführer die Differenzen zwischen verarmten Usbeken und Kirgisen anfachen, um Nutzen aus dem Chaos zu ziehen. Spuren weisen dabei auf den Clan des gestürzten Präsidenten Bakijew.

Die Großmächte Russland und USA aber denken bei dem Konflikt zuallererst an ihre Luftwaffenbasen. Das Verhalten beider Länder lässt sich nur als zynisch bezeichnen.

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