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IS zwingt den Westen zur Realpolitik

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Von: Holger Schmale

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Bilder der Zerstörung aus Aleppo: Der Westen zeigt sich erst bereit zu Gesprächen mit Assad, nachdem der Einfluss der grausamen IS-Truppen in Syrien zugenommen und der militärische Erfolg der Assad-Opposition sich als Fiktion erwiesen hat.
Bilder der Zerstörung aus Aleppo: Der Westen zeigt sich erst bereit zu Gesprächen mit Assad, nachdem der Einfluss der grausamen IS-Truppen in Syrien zugenommen und der militärische Erfolg der Assad-Opposition sich als Fiktion erwiesen hat. © imago/ZUMA Press

Kanzlerin Merkel will den syrischen Diktator Assad in Gespräche über eine politische Perspektive zur Beendigung des Krieges einbeziehen - leider viel zu spät. Unter dem Strich erweist sich das Kapitel Syrien als ein großer und tragischer Irrweg der westlichen Strategie. Ein Kommentar.

Realpolitik war mal ein großes Wort in der bundesdeutschen Außenpolitik. Damals ging es darum, mit der Sowjetunion und der DDR über das an Entspannung und menschlichen Erleichterungen zu verhandeln, was möglich war. Und solche Kontakte nicht aus grundsätzlichen, ideologischen Gründen zu verweigern. Diese Strategie von Willy Brandt und Egon Bahr hat sich als erfolgreich erwiesen.

Die westliche Syrienpolitik ist nun an genau diesem Punkt wieder angelangt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert jetzt dafür, den syrischen Machthaber Baschar-al-Assad in Gespräche über eine politische Perspektive zur Beendigung des Krieges einzubeziehen. Ihr Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat das schon vor geraumer Zeit angeregt. Man muss auch kein diplomatischer Einstein sein, um zu erkennen, dass ein Konflikt sich nur unter Einbeziehung aller an ihm Beteiligten lösen lässt – wenn man nicht die militärische Option wählt.

Diese Erkenntnis ist im Westen aber leider erst in dem Maße gewachsen, wie der Einfluss der grausamen IS-Truppen in Syrien zugenommen und der militärische Erfolg der Assad-Opposition sich als Fiktion erwiesen hat. Und nun zeigt sich, dass auch Russland nicht übergangen werden kann, wenn es um die Lösung internationaler Konflikte geht. Unter dem Strich erweist sich das Kapitel Syrien als eine große Blamage für die westliche Strategie. Es ist tragisch, dass dieser Irrweg zehntausende Syrer das Leben gekostet hat.

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