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Studenten der Universität Leipzig unterstützen die Streikenden des Leipziger Logistikzentrums von Amazon auf einer Kundgebung.
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Studenten der Universität Leipzig unterstützen die Streikenden des Leipziger Logistikzentrums von Amazon auf einer Kundgebung.

Kolumne zum Streik bei Amazon

Zwangsbeglückung bei Amazon

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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Zwischen Lockangebot und Ausbeutung: Die Kunden können etwas tun gegen skandalöse Praktiken bei Amazon, sie sind die wichtigste friedliche Armee im Kampf gegen den Onlinegiganten.

Immer wieder Amazon. Es nicht meine erste Kolumne zu diesem Kraken. Denn: Nichts ist erledigt! Global agierende Konzerne dieser Sorte sind gierig, erstaunlich resistent, wollen ständig wachsen und die Konkurrenten fressen, immer auf der Hut, nicht selbst verschlungen zu werden. Und sie sind so lange erfolgreich, wie ihr ausgeklügeltes System alle legalen Tricks bis an die Grenze der Illegalität anwendet und dafür sorgt, dass sich immer mehr in ihrem Netz verfangen. Mit Unternehmertum alter Schule hat das nichts mehr zu tun. Einmal errungene Marktanteile werden im wörtlichen Sinn mit Klauen und Zähnen verteidigt.

Amazon ist so ein Riese. Aber jeder Riese hat eine entscheidende Schwachstelle, die zur Sollbruchstelle werden kann: die Abnehmer, die Käufer, die Kunden. Sie sind die wichtigste friedliche Armee im Kampf gegen den Onlinegiganten. Sie hat das Potenzial, dem scheinbar Übermächtigen ein Bein zu stellen. Denn Amazon braucht täglich Tausende Kunden, um ein System am Laufen zu halten, das von Lockangeboten für Premiumkunden, Portofreiheit, Dumpingpreisen, Zulieferererpressung und Ausbeutung der Mitarbeiter lebt.

Der Schriftsteller Peter Rühmkorf hat es einmal so formuliert: „Der Kapitalismus frisst seine eigenen Kunden.“ So sie sich denn fressen lassen. Denn hin und wieder wird die Konsumentenschar sich ihrer eigenen Kraft als der wahre Riese bewusst. Als vor Jahren wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass die im Treibgas enthaltenen Fluorchlorkohlenwasserstoffe, FCKW genannt, die uns schützende Ozonschicht zerstören, begann ein Spraydosenboykott. Es waren nicht die Appelle an die produzierenden Firmen Hoechst AG und Kalichemie, die zur Einstellung der Produktion dieses Teufelszeugs führten, sondern die Produkte wurden einfach nicht mehr gekauft.

Amazon verschafft sich Vorteile

Im Gegensatz zu den weitgehend anonym agierenden Konzernen hat Amazon sogar einen Namen: Jeff Bezos, eine Mischung aus Kugelblitz und Springteufel, der offenbar gerne vor Kameras herumhüpft. In Anbetracht seines Milliardenvermögens kann er das auch unbeschwert tun. Glaubt man den Fernsehbildern aus seinen Lagerhallen, gewinnt man den Eindruck, man blicke in eine Zombiewelt aus Kafka und Orwell.

Die ARD hat sich kürzlich schon zum zweiten Mal des Bezos-Reiches angenommen. Nach einer entlarvenden Dokumentation nun eine Runde bei Günther Jauch. Den entscheidenden Satz sprach Ranga Yogeshwar: „Konzerne, die keine Steuern zahlen, sind asozial.“ Amazon zahlt in Deutschland kaum Steuern, nutzt aber alle Vorteile einer Infrastruktur, die von all jenen dummen Deutschen finanziert wird, die sich steuerlich nicht in Luxemburg veranlagen lassen.

Nicht zur Sprache kam der Kampf um andere Tarifverträge. Amazon verschafft sich vor seinen Mitbewerbern Vorteile, indem seine Arbeiter nicht nach dem zuständigen Tarif des Einzel- und Versandhandels, sondern nach dem der Logistikbranche bezahlt werden. Von all dem liest man jetzt in einem Jubelartikel der „Leipziger Volkszeitung“ nichts. Aber von einem Gute-Laune-Konzert, mit dem die Arbeitssklaven in einer ihrer Lagerhallen zwangsbeglückt wurden. Deshalb hoffe ich, dass die von Verdi in der Vorweihnachtszeit durchgeführten Streiks richtig wehtun.

Es bleibt dabei: Solange die Verhältnisse so sind, wie sie sind, macht sich der Kunde mitschuldig. Jeder kann inzwischen über die Praktiken dieses Versandhändlers auf dem Weg zum Monopolisten Bescheid wissen. Ausreden zählen nicht mehr.

Klaus Staeck ist Grafiker.

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