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Die Fußball-EM ist eine Zeit der Geschichten, es geht um Tore und Ergebnisse.
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Die Fußball-EM ist eine Zeit der Geschichten, es geht um Tore und Ergebnisse.

Leitartikel

Fußball-EM: Zur richtigen Zeit, aber Vorsicht muss trotzdem sein

  • Tobias Peter
    VonTobias Peter
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Die Fußball-EM bietet viel von dem, was die Menschen nach eineinhalb Jahren Pandemie brauchen. Trotzdem müssen wir die Sache so vorsichtig wie möglich angehen. Der Leitartikel.

Die Corona-Krise ist eine Zeit der Zahlen, die vergangenen eineinhalb Jahre standen im Zeichen der Inzidenz. Beträgt sie 50, 100 oder 200 – und was bedeutet das für unser Leben? Die Fußball-EM dagegen ist eine Zeit der Geschichten, es geht um Tore und Ergebnisse. Das, was die Fans spüren und erleben, sind große, mitreißende Erzählungen, wie sie sich Roman- oder Drehbuchschreibende nicht besser hätten ausdenken können.

Es war packend, wie die Mannschaft aus Österreich gegen die spielerisch weit überlegenen Italiener immer wieder auftrumpfte und dagegenhielt – bis in der Verlängerung Kraft und Konzentration schwanden. Es ist eine Geschichte, wie sie alle Hobby-Fußballer:innen im Leben mindestens einmal selbst erleben. Und die sich doch oder gerade deshalb besonders gut für die große Bühne eignet.

Die deutschen Fans freuen sich im Achtelfinale auf einen Klassiker: das Spiel gegen England. Dass die DFB-Elf das Ende der Gruppenphase mit einer durchwachsenen Leistung gegen Ungarn unnötig spannend gestaltet hat, war für die Fans hierzulande zwar wenig erfreulich. Es ist aber auch Ausdruck dessen, dass sich die Nationalmannschaft in einer noch nicht abgeschlossenen Umbruchphase befindet.

Nicht nur Angela Merkel tritt in diesem Jahr nach langer Regentschaft ab. Auch Joachim Löw, ähnlich lang im Amt wie die Kanzlerin, erlebt sein letztes Turnier als Bundestrainer. Löw hat der deutschen Mannschaft gerade in seiner Anfangszeit als Trainer zu einem enormen Schub verholfen. Löw hat als Bundestrainer eine Ära geprägt, hinterlässt aber auch eine Baustelle.

Unabhängig davon, wer Europameister wird, liefert das Turnier viel von dem, was der Kontinent jetzt braucht. Viele Menschen lechzen nach etwas Abwechslung nach eintönigen Lockdown-Monaten. Fußball ist schneller, taktisch viel intelligenter als früher – und bietet damit für den Gelegenheitszuschauer wie für die Dauerkonsumentin große Unterhaltung.

Gleichzeitig ist dem Spiel nie das archaische Moment abhandengekommen: Der Favorit kann ins Straucheln kommen und die Underdogs überraschen. Auch eine Weltklasse-Mannschaft kann einen schlechten Tag erwischen. Jedes Spiel ist anders. Das ist eben anders als bei einem Fernsehkrimi, bei dem das geübte Publikum nach zwei Dritteln der Zeit zumeist erraten hat, wer es war.

Welche gesellschaftliche Kraft im Fußball steckt, zeigt sich zugleich in der Debatte über Regenbogen-Symbole und Stadionbeleuchtungen. Der frühere Nationaltorhüter Jens Lehmann hatte nach dem Coming-out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger noch schwadroniert: Er wisse nicht, was er über einen Schwulen in der Mannschaft gedacht hätte: „beim Duschen, in den Zweikämpfen“.

Die heutige Nummer eins im Tor, Manuel Neuer, läuft als Mannschaftskapitän mit Regenbogen-Armbinde auf. In den Uefa-Spitzengremien mögen viele noch nicht so weit sein. In der Bundesliga wären viele Fans bereit für das Coming-out eines aktiven Profifußballers – und für eine Welle der Solidarität.

Das Konzept, die EM an Spielorten in vielen Ländern auszutragen, ist vom Grundgedanken her weiter ein sehr lobenswertes – es ist aber mit zusätzlichen Gefahren in Zeiten der Pandemie verbunden. Generell gilt für alle in der Politik, auf dem Rasen und auf den Rängen: Wo immer es geht, müssen wir die Sache so vorsichtig wie möglich angehen.

Der Fußball darf nicht der Grund dafür sein, dass Kinder womöglich nach den Ferien wieder nicht zur Schule gehen können. Der Preis für schöne Stunden im Sommer dürfen nicht frustrierende Wochen des Lockdowns im Herbst sein.

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