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Zufrieden im Ungefähren

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Von: Steffen Hebestreit

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Wer jetzt schon über Kanzlerkandidaten und Regierungsprogramme salbadert, macht den fünften vor dem zweiten Schritt.

Eine bemerkenswerte Eigenart der deutschen Sozialdemokratie ist ihre Fähigkeit, sich an sich selbst zu ergötzen. Der sechsstündige Turbo-Parteitag von Berlin hat erneut gezeigt, wie gern die Partei August Bebels und Willy Brandts bereit ist, sich gut zu finden. Sigmar Gabriel ist es mit einer streckenweise mitreißenden und guten Rede am Sonntag gelungen, den Delegierten genau dieses Gefühl einzuimpfen: Ich bin okay, du bist okay, wir sind okay.

Wenig ist das nicht, genau ein Jahr nach dem katastrophalen Ergebnis der Bundestagswahl. Die SPD ist wieder da, skandieren die Sozialdemokraten – und meinen damit vor allem die Partei selbst. Erleichtert stellen sie fest: Die SPD ist nicht in Lager zerfallen, ihre Flügel schlagen nicht mehr aufeinander ein, und die Regierungsjahre sind nicht nachträglich komplett verdammt worden.

Im geschlossenen System der Sozialdemokratie herrscht nun wieder so etwas wie Ordnung. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Wer jetzt schon über Kanzlerkandidaten und Regierungsprogramme salbadert, macht den fünften vor dem zweiten Schritt. Dem impulsiven Vorsitzenden und seiner Führungscrew muss es gelingen, die SPD über die engen Grenzen der eigenen Funktionäre und Mitglieder hinaus attraktiv und anschlussfähig zu machen. Dafür genügt es nicht, Formelkompromisse zur Rente mit 67 auszuhandeln oder letztlich illusorische Steuerkonzepte zu entwerfen.

Die SPD darf sich nicht darauf beschränken, sich an sich selbst zu ergötzen, sondern muss sich ein Stück weit neu erfinden. Jetzt muss es um zukunftsfähige Konzepte gehen, darum, Politik konkret werden zu lassen.

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