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Würden Managergehälter runtergeschraubt, hätten Frauen mehr Chancen auf Top-Jobs - auch ohne Quote.
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Würden Managergehälter runtergeschraubt, hätten Frauen mehr Chancen auf Top-Jobs - auch ohne Quote.

Managergehälter und Frauenquote

Zucker für den Affen

  • Bascha Mika
    VonBascha Mika
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Fast drei Viertel der Deutschen wollen, dass Managergehälter gedeckelt werden. Und was machen die Koalitionäre in spe? Sie planen mitnichten, die Gier zu begrenzen und die Frauenquote setzt sich nur aus einem Grund durch: Sie kommt sowieso - über die EU.

Es gibt Aufreger-Themen und Schnarch-Themen. Und manchmal liegen sie erstaunlich nah beieinander. Dann ist, was gestern Staub aufwirbelte, heute kaum noch der Rede wert. Nehmen wir nur mal zwei Paradebeispiele wie Managergehälter und Frauenquote. Themen, die über Jahre, gefühlt Jahrzehnte, öffentlich für Ärger sorgten, Debattenspalten füllten und Futter für Talkshows lieferten. Und nun? Da einigen sich die schwarz-roten Möchtegern-Koalitionäre in Berlin auf dies und das und puff – es interessiert kaum noch ein Schwein. Es ist schon bemerkenswert, womit sich das Publikum bereitwillig zufriedengibt.

Gierige Bosse, Nadelstreifen-Abzocker, Raffgeier! Es sind nicht die freundlichsten Worte, die den Managern hierzulande nachgerufen werden. Das Einkommen, das sich die Inhaber der Top-Jobs jährlich in die Tasche stecken, macht den durchschnittlichen Verdiener leicht schwindelig. Da erhält ein Spitzenmanager schon mal das 170-Fache von dem, was sein Mitarbeiter im Durchschnitt so nach Hause bringt.

Und trotz Finanzkrise, Wirtschaftskrise und öffentlichem Unmut ist die Schere weiter kräftig aufgegangen. Seit Anfang der 90er Jahre sind die Gehälter von Arbeitnehmern um etwa 74 Prozent gestiegen, die von Dax-Vorständen aber um 416 Prozent. Vielleicht ist das allgemein bekannt, sagen muss man es trotzdem noch mal und sich die Zahlen auf der Zunge zergehen lassen. Okay, in den USA ist wie üblich alles noch krasser. Da kann ein Boss sogar das 273-Fache von dem einstecken, was er seinem Beschäftigten zahlt. Aber wer will sich schon an dieser Perversion des Leistungsgedankens ein Beispiel nehmen?

Die Frauenquote kommt sowieso - über die EU

Die Alltagsdeutschen zumindest nicht. Fast drei Viertel von ihnen wollen, dass die Gehälter von Managern gedeckelt werden. Und was machen die Koalitionäre in spe? Tun so, als hätten sie verstanden, und geben dem Affen Zucker, schließlich ist das Thema populär.

Dabei planen sie aber mitnichten, die Gier zu begrenzen. Künftig werden die Aufsichtsräte höflichst gebeten, das Verhältnis zwischen Manager- und Arbeitnehmergehältern festzulegen und von der Aktionärsversammlung absegnen zu lassen. Wenn sich dann beide Seiten einig sind, dass der VW-Chef das 200-Fache seines Facharbeiters einstecken soll – kein Problem! Doch öffentlich ist die Luft raus aus dem Thema, was schließlich Sinn der politischen Übung ist.

Genau wie bei der Frauenquote. Nur über meine Leiche! – tönte die Kanzlerin samt ihrer unfähigen Familienministerin über Jahre, sobald eine 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte in Deutschland gefordert wurde. Nun hat sich die Quote in den schwarz-roten Verhandlungen ganz unspektakulär durchgesetzt. Aus einem einzigen Grund: Sie kommt sowieso – über die EU.

Und die Brüsseler Pläne gehen weit über die deutschen hinaus. Doch auf den ersten Blick unpd nach außen sieht die hiesige Regelung ganz gut aus. Und wieder ist bei einem Thema öffentlich erst mal die Luft raus. Dabei hängen die beiden Angelegenheiten irgendwie zusammen. Bekanntlich kommen Frauen in der Arbeitswelt überall dort zum Zuge, wo schlecht bezahlt wird. Würden die Managergehälter also tatsächlich runtergeschraubt, hätten Frauen auch ohne Quote sofort mehr Chancen auf Top-Jobs. Denn die Herren würden ja schnellstens in die USA auswandern.

Bascha Mika ist Publizistin.

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