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Reisen während Corona: Die Europäische Union hat von Beginn der Pandemie an ein einheitliches und transparentes Handeln vermissen lassen.
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Reisen während Corona: Die Europäische Union hat von Beginn der Pandemie an ein einheitliches und transparentes Handeln vermissen lassen.

Leitartikel

Zermürbendes Reisen in der EU

  • VonJan Emendörfer
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Die Europäische Union hat von Beginn der Pandemie an ein einheitliches und transparentes Handeln im Kampf gegen Corona vermissen lassen. Es braucht jetzt einen Konsens. Der Leitartikel.

Kennen Sie den Unterschied zwischen Risiko-, Hochrisiko-, Hochinzidenz- und Virusvariantengebiet? Wenn nicht, ist es nicht so schlimm, denn die Dinge sind ja ständig im Fluss, vor allem für diejenigen, die eine Reise planen.

Als es in Deutschland mit dem Impfen gegen Covid-19 so richtig vorwärts ging, sah es nach einem relativ unbeschwerten Reisesommer aus. Doch mit der Ausbreitung der Corona-Delta-Variante in Europa wuchs die Sorge vor einem Rückfall auch hierzulande und die zuständigen Stellen zogen die Bremsen wieder an. Der härteste Fall war die plötzliche Einstufung Portugals als Virusvariantengebiet, was viele Reisende kalt erwischte, denn sie erfuhren erst vor Ort, dass sie bei Rückkehr 14 Tage in Quarantäne mussten mit all den Folgen für Arbeits- und Privatleben.

Um die Virusausbreitung einzudämmen, haben die 27 EU-Mitgliedstaaten von Anfang an verschiedene Maßnahmen ergriffen, die dem Schutz dienten, aber auch Folgen für Wirtschaft und Bürgerrechte hatten. Der freie Verkehr von Personen, Waren und Dienstleistungen ist eine der wertvollsten Errungenschaften der EU. Die Einschränkung der Freizügigkeit ist von den meisten Bürgerinnen und Bürgern relativ klaglos hingenommen worden. Aber wer Einsicht in die Notwendigkeit erwartet, muss auch für Transparenz, Übersichtlichkeit und Einheitlichkeit sorgen. Doch daran mangelt es bis heute.

Beispiel EU-Reiseland Bulgarien: Seit 1. Juli ist das Ausland von dort gesehen in drei Zonen aufgeteilt: Urlaubende aus Deutschland und Österreich haben Glück, denn sie gehören in die grüne Zone und dürfen – geimpft, getestet oder genesen – ohne Quarantänepflicht ans Schwarze Meer. Menschen aus der roten Zone – etwa Indien oder Südamerika – dürfen derzeit gar nicht einreisen.

Beispiel Tschechien: Aus Sorge vor der Delta-Variante wurden jetzt für Reisende aus Russland, Südafrika und Tunesien die Grenzen ganz geschlossen. Deutschland dagegen lockert ab Mittwoch die Einreisebeschränkungen für Portugal, Großbritannien, Nordirland, Russland, Indien und Nepal wieder. Diese Länder werden vom Virusvariantengebiet zum Hochinzidenzgebiet herabgestuft. Obwohl „hoch“ eigentlich dramatischer als „Variante“ klingt, ist damit die Einreise nach Deutschland wieder für alle Personen mit allen Verkehrsmitteln möglich. Von einer einheitlichen Regelung innerhalb der EU kann also keine Rede sein.

Hinter diesem Schritt steckt offenbar die Einsicht, dass „Delta“ nicht mehr aufzuhalten beziehungsweise nun auch schon in Deutschland weit verbreitet ist. Und es geht ja nicht nur um Urlaubsfreuden, sondern auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Die deutsche Industrie schreit gerade auf, dass die USA ihre Einreisebeschränkungen für die EU aufrechterhalten, während Europa diese für US-Amerikaner:innen längst gelockert hat. Das ist eine Ungleichbehandlung, die nicht nachvollziehbar ist.

Nun sind die USA gewiss ein Sonderfall, doch der Einreisestopp gilt seit 16 Monaten und die Inzidenz liegt hierzulande inzwischen deutlich niedriger als beim einstigen Impfprimus USA. Auch an dieser Stelle dürfen Europäer:innen erwarten, das die EU mit einer Zunge spricht. Aber wenn schon die innereuropäische Koordination nicht gelingt, wie soll dann ein einheitliches Bild nach außen entstehen? Die EU braucht ein gut abgestimmtes, vorhersehbares und transparentes Handeln, wenn sie die Menschen im Kampf gegen Corona mitnehmen will. Es braucht einen Konsens, wenn die Leute motiviert werden sollen, mitzumachen und sich zum Beispiel impfen zu lassen. An dem Punkt stoßen momentan auch die USA an ihre Grenzen und haben noch kein probates Mittel gefunden. In Europa sieht es nicht besser aus.

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