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Die Zeit des Mullah-Regimes läuft ab

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Von: Matthias Koch

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Nutzen die Gelegenheit, außerhalb ihres Landes unübersehbar gegen das Mullah-Regime zu protestieren: iranische Fans bei der Fußball-WM in Katar.
Nutzen die Gelegenheit, außerhalb ihres Landes unübersehbar gegen das Mullah-Regime zu protestieren: iranische Fans bei der Fußball-WM in Katar. © Mike Egerton/dpa

Dem iranischen Regime drohen Niederlagen an vielen Fronten. Vor allem der Protest im Land könnte das morsche System einstürzen lassen. Der Leitartikel.

Verbissener denn je ringen die im Iran herrschenden Mullahs um ihre Macht. Es ist ein Kampf an immer mehr Fronten. Mit Drohnenlieferungen an Russland mischt Teheran sich ein in den Ukraine-Konflikt. Mit Raketenangriffen auf Kurden im Irak schaffen sie neue Spannungen im Nahen Osten.

Zugleich lassen sie regimekritische Menschen im ganzen Land inhaftieren – oder gleich auf der Straße brutal zusammenschießen. Jungen Leuten im Iran werden dieser Tage Gummigeschosse ins Gesicht gefeuert, viele verlieren dabei ein Auge; die Mullahs setzen darauf, dass jemand, dem dies widerfährt, kein zweites Mal zum Protest auf die Straße geht.

Doch es ist wie verhext. Je wütender das iranische Regime um sich schlägt, umso größer wird die Zahl der Flammen, die es löschen muss. Die Wirtschaftskrise wächst, die Realeinkommen fallen, die Inflation liegt bei 40 Prozent. Und jetzt haben die Mullahs auch noch ein Fußball-Problem: Die Elf des Iran in Katar solidarisiert sich mit den Regimegegnern in der Heimat. Dass das Regime vorab Trainer und Kapitän zu Verhören einbestellen ließ, hat nicht geholfen.

Mit dem Thema Fußball hatte das Regime schon immer Schwierigkeiten. Nach der Revolution im Jahr 1979 sollte die Sportart komplett als unislamisch verboten werden. An dieser Stelle aber stieß im fußballvernarrten Iran der Fundamentalismus an Grenzen. Die entscheidenden Herren behalfen sich damit, jahrzehntelang zumindest den Frauen das Betreten von Fußballstadien zu verbieten.

Nach dieser verspannten Vorgeschichte wirkte es unecht, als die Mullahs soeben mit großer Geste zum WM-Start ein Feuerwerk in Teheran spendierten. Es ist der nervöse Versuch der Herrschenden, die Massen noch irgendwie hinter sich zu scharen.

Die Wahrheit ist: die Mullahs überschätzen sich. Im eigenen Land sind sie angefochtener denn je. Und weltweit überdehnen sie gerade ihre Möglichkeiten. Die Einmischung in den Ukraine-Konflikt zum Beispiel könnte nach hinten losgehen.

Glaubt Teheran wirklich, es werde zu einem kriegsentscheidenden Waffenbruder Russlands aufsteigen? Gerade hat Israel, das sich lange zurückhielt im Ukraine-Konflikt, erkennen lassen, dass es künftig helfen will, mit neuer Abwehrtechnik iranische Drohnen rechtzeitig abstürzen zu lassen. Dem Regime in Teheran droht die technologische Entzauberung.

Kontraproduktiv ist auch der harte Kurs des Iran gegen den Westen in der Atompolitik. Teheran könnte, wenn es nach den Regeln der Atomaufsicht spielen würde, nicht nur die Sanktionen hinter sich lassen. Es könnte binnen kurzer Frist aufsteigen zu ungeahntem neuen Wohlstand, als Exporteur von Flüssiggas. Bei den Mullahs aber wiegt der Hass auf den Westen schwerer als alle ökonomische Vernunft. Den Preis für diese verquere Politik Teherans zahlen die derzeit in Armut abstürzenden ehemaligen Mittelschichten im Iran.

Der Iran setzt mit Russland aufs falsche Pferd, ebenso wie Russland mit dem Iran. Was, wenn bald eine neue iranische oder eine neue russische Revolution in Gang kommt? So wie die Dinge liegen, könnte die eine Bewegung auch die andere befeuern. Schon jetzt gibt der bewundernswerte Widerstand im Iran auch im weithin apathischen Russland vielen Menschen zu denken.

Noch weiß niemand, wann und wo es zuerst eine historische Wende geben wird. Morsch sind beide Systeme. Im Iran jedenfalls wird die jetzt auf den Straßen sichtbare neue Generation nicht mehr den Mummenschanz jener machtbesessenen Männer mitmachen, deren fundamentalistische Religionsauslegung stets nur ihre hemmungslose eigene Herrschsucht bemänteln sollte. Dieser Schleier ist inzwischen gelüftet. Für die Mullahs des Irans tickt seither die Uhr.

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