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Xavier Naidoo hat es wieder getan

Rassismus-Vorwürfe

Xavier Naidoo und sein rassistisches Macker-Gequake - RTL wirft ihn aus DSDS-Jury

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Im Netz kursiert ein Video, in dem Xavier Naidoo gängige Rassismen bedient. Unsere FR-Autorin hat sich den Clip angesehen.  

Xavier Naidoo, Soulbarde aus Mannheim, fühlt sich seit Jahren zu Unrecht in die berühmt-berüchtigte „rechte“ Ecke gestellt. Spätestens seit seinem Auftritt 2014 auf einer „Reichsbürgerveranstaltung“ zum „Tag der deutschen Einheit“ setzen ihm nicht wenige jenen Aluhut auf, der Menschen mit rechter und verschwörungstheoretischer Grundhaltung kennzeichnet. Und auch wenn Naidoo erfolgreich dagegen geklagt hat, „Antisemit“ genannt zu werden, geben seine Songtexte immer wieder Anlass zur Irritation.

Xavier Naidoo bezeichnete sich selbst als Rassist

So hatte er 2017 mit„Marionetten“ einen Wutbürgersong veröffentlicht, der problemlos als Soundtrack einer „Pegida“-Veranstaltung durchgehen könnte. „Alles nur peinlich und so was nennt sich dann Volksvertreter. Teile eures Volks - nennt man schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter. Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid. Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid“, trällert der Mann mit der sanften Stimme, der seinerzeit auch die NPD überzeugte. Vorher hatte er in einem Interview noch eingeräumt, auf die Rechtsradikalen zugehen zu wollen. Anderorts hatte er sich 1999 selbst als „Rassisten“ bezeichnet.

In der letzten Zeit war es an der politischen Front jedoch ruhig um den Sänger geworden, der neben Dieter Bohlen aktuell einen Superstar für Deutschland sucht. Doch mit der Ruhe scheint es vorbei, denn in einem neuen Video, das derzeit in den sozialen Netzwerken kursiert, greift der Mannheimer wohl wieder einmal ganz tief in die Rassismus-Kiste. Auch wenn der Text in einen souligen Sprechgesang gekleidet ist, transportiert er eine Botschaft, wie sie die AfD nicht besser formulieren könnte.

Xavier Naidoo mit Wutbürgervideo im Netz

„Ihr seid verloren, ihr macht nicht mal den Mund für euch auf“, steigt der Sänger in das Liedchen ein, um a capella auf „eure Töchter, eure Kinder“ zu verweisen, die angeblich „leiden“ - und das auch noch „sollen“. Die Zeile gilt insbesondere dem männlichen Wutbürgervolk, das bei kollektiv leidenden „Töchtern“, die sich „in der Sporthalle mit Wölfen umkleiden“, nur noch braun sieht.

Denn wer für das Töchterleid verantwortlich zeichnet, liefert der Clip gleich mit. Es sind die „Wölfe“ aka die „Gäste“, die, hört hört, „dem Gastgeber“ „fast jeden Tag“ ein Leben stehlen. Und was macht der Gastgeber? Er steht daneben, gehemmt vor lauter politischer Korrektheit, und lässt es geschehen. „Weit und breit ist hier kein Mann, der dieses Land noch retten kann“, orakelt es aus dem Sänger heraus, wobei er sich doch für diesen Job selbst in Stellung gebracht hat.

Xavier Naidoos rassistisches Macker-Gequake

Mit dem eingeschobenen Sätzchen „ich hab fast alle Menschen lieb“, schwächt er seine Botschaft keineswegs ab. Vielmehr ist es ein Versuch, sich – zum einen – wohl vorauseilend vom Rassismus-Vorwurf zu befreien. Zum anderen unterstreicht Naidoo das behauptet Faktische des Textes, da er auf diese Art vorgibt, nicht die Menschen anzugehen, weil sie aus bestimmten Ländern stammen, sondern dafür, dass sie so verdammt brutal und gewalttätig sind. Denn, wenn einer seine (sic) „Leute“ (= deutsche Frauen) quält, müsse er nun mal harte Worte wählen. In diesem Fall, nimmt die Hörerin wahr, natürlich nur zu verständlich. „Ihr seid verloren“, schließt er mit einem bedeutungsschwanger-schiefen Lächeln, auf das den „Wölfen“ und den Weicheiern des PC das Blut in den Adern gefriere.

Was Xavier Naidoo hier wohl vollzieht, ist nicht nur das Bedienen rassistischer Ressentiments vom Feinsten. Indem er einigermaßen explizit Geflüchtete als Mörder markiert und sie gleichsam mit dem Gebrauch des „ihr“ als nicht zugehörige Gegenüber umschreibt, malt er ein Bedrohungsszenario, das nur von einer Gruppe ausgeht. Gleichzeitig inszeniert er sich als der rettende Beschützer, der in Western-Manier dem lauernden Finsterling den Kampf angesagt hat. Das alles ist übelstes Macker-Gequake, das sich in die Heldenpose träumt, und indem Frauen beziehungsweise Töchter als eigenständig agierende Personen gar nicht vorkommen. Die als besonders bedroht kommunizierte Spezies „Töchter“ taucht nur im Opfer-Status auf. Lauter arme Hascherl, den gierenden Wölfen hilflos ausgeliefert.

Naidoo hat es also wieder getan und zumindest im Rechtsaußen-Spektrum seine Fanbase ausgebaut. RTL äußerte sich bereits auf Twitter zur Causa: „Wir erwarten klare Antworten von Xavier.“ Da es bislang auch von Expertenseite her keine Anhaltspunkte für einen Fake gibt, hat die FR bezüglich einer Stellungnahme angefragt. Der Sänger hat bislang noch nicht reagiert.

Inzwischen hat sich Xavier Naidoo auf Facebook geäußert und die Rassismus-Vorwürfe gegen sich zurückgewiesen. Der Text stamme aus dem Jahr 2018 und seine Aussagen seien absolut falsch interpretiert worden. Zu den Hintergründen und der Entstehung des Videos äußerte er sich aber nicht. Das bedeutet: Das Video ist authentisch, der Liedtext keine Fälschung. Auf die FR-Anfrage hat er weiterhin nicht reagiert. 

RTL zieht Konsequenzen

Der Sender RTL hat Konsequenzen gezogen und Xavier Naidoo aus der DSDS-Jury geworfen. 

RTL genügte die Erklärung des Sängers offenkundig nicht: „Er bleibt dem Sender viele Antworten schuldig, zudem sind weitere Videos aufgetaucht, die in eine ähnliche Richtung gehen“, hieß es in einer Stellungnahme von RTL. „Wir sind Verfechter der Meinungsfreiheit. Dazu gehört aber auch, dass wir jede Form von Rassismus und Extremismus entschieden ablehnen“, wurde Geschäftsführer Jörg Graf zitiert. Die aufgetauchten Videos hätten RTL „massiv irritiert“. An diesem Samstag geht die Show in die Live-Phase - ohne den Sänger aus Mannheim.

 

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