Demonstranten in Atlanta blockieren einen Freeway bei Ihrem Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus.
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Demonstranten in Atlanta blockieren einen Freeway bei Ihrem Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Kommentar

Die Wurzeln der Gewalt

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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In den USA halten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus an. Grund für die Missstände sind jahrzehntelange Fehlentwicklungen. Ein Kommentar.

Der Vorfall kommt einem auf bedrückende Weise bekannt vor: Ein unbescholtener schwarzer US-Bürger schläft in seinem Auto vor einem Wendy’s-Schnellrestaurant. Er behindert den Kundenfluss, der Imbiss ruft die Polizei. 40 Minuten später ist der 27-jährige Rayshard Brooks tot.

Zwar gibt es wichtige Unterschiede zwischen diesem Fall und dem Tod von George Floyd in Minneapolis: Floyd erstickte wehrlos unter dem Knie eines brutalen Beamten. Brooks ließ den Alkoholtest über sich ergehen, widersetzte sich aber der Festnahme. Er entwand einem Beamten einen Elektroschocker, mit dem er den Polizisten bedroht haben soll. Doch in beiden Fällen nimmt eine harmlose Ausgangssituation eine fatale Wendung, weil weiße Beamte völlig überzogen auf Regelverstöße von Afroamerikanern reagieren.

Die Missstände wurzeln im latenten Rassismus einer Gesellschaft, die sich mit Waffen hochrüstet, in einer eher militärischen Ausbildung und Ausrüstung der Polizei und in deren rechtlicher Immunisierung gegen Klagen. Jahrzehntelang sind die Fehlentwicklungen geleugnet worden. Das nehmen viele Amerikaner nun nicht mehr hin. Wenn der Kongress nicht die Kraft zu radikalen Reformen findet, könnte bald mehr brennen als eine Wendy’s-Filiale in Atlanta.

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