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Kolumne

Wurmfortsetzung

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Wenn Kriechtiere den Rasen untergraben, lässt es sich besser kicken. Aber nur theoretisch: Sie machen auch Häufchen.

Das Stäbchenbakterium Lactobacillus delbrueckii arbeitet in der Bierbranche und setzt mit Kollegen aus der Hefeszene den Gärvorgang bei der Berliner Weiße in Gang, was allgemein zu begrüßen ist. Das Milchsäure-Stäbchenbakterium Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus ist in der Joghurtbranche unterwegs und damit beschäftigt, Milch zu verdicken.

Das hat der Chemiker Max Delbrück, 1850 in Bergen auf Rügen geboren, herausgefunden. Beide Milchsäurebakterien tragen nun den Namen dieses berühmten Sohnes der Stadt, aber erwähnt man das in diesen Tagen gegenüber einem Bergener, dann wird ihn das weder erheitern noch trösten, so sehr ist der Wurm drin.

In bester Absicht importierte die 13 000 Einwohner zählende Stadt im Jahr 2009 aus den Niederlanden 200 000 Würmer der Sorte Dutch Nightcrawler, etwa fünfzehneinhalb auf einen Bergener, für rund 9000 Euro. Die Holländer sollten sich um den Fußballplatz im renovierten Stadion kümmern. Der Rasen war fantastisch, nur bildeten sich nach Regengüssen große Pfützen, die nicht versickern wollten, weil der Unterboden – im Fußballdeutsch würde man sagen: mauerte.

Also kaufte Bergen die Würmer in der Hoffnung, sie würden, während oben der Ball rollt, unten graben und bohren und so den Unterboden durchlöchern und drainieren. Ohne, dass man es ihm groß erklären musste, verschwand der Dutch Nightcrawler im Boden und machte fortan, was Würmer seit 200 Millionen Jahren tun. Und die Bergener sahen es mit Vergnügen.

Zunächst jedenfalls. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass der Dutch Nightcrawler nicht nur bohrt und gräbt, sondern auch ausscheidet. Die Wahrheit lag auf dem Platz: Was den Schrebergärtner verzückt, weil es Wuchs und Ernte förderlich ist, ärgerte die Spieler auf dem Rasen, denn der war durch Millionen kleine Häufchen glitschig und uneben geworden.

Bergen ließ ein Gutachten für 9500 Euro anfertigen, was dem Bund der Steuerzahler so wenig gefiel wie das ganze Wurmgeschäft. Bergen ließ die Drainage erneuern und den Rasen neu einsäen. Die Halme sprossen in die Höhe, aber die kleinen Häufchen der Holländer wuchsen schnell mit. Die Verzweiflung war groß. Also beschloss der Stadtrat im Frühjahr Spielabbruch und Platzverweis: Die Dutch Nightcrawler sollten allesamt ausgegraben und umgesiedelt werden, für 19 500 Euro.

Wieder grummelte es beim Bund der Steuerzahler, und das war es dann. Abpfiff im Rathaus. Man kapitulierte vor beiden, den Würmern und der Steuerzahlerlobby. Anja Ratzke, die parteilose Bürgermeisterin von Bergen, teilte mit, die Wurmumsiedlung sei endgültig abgeblasen. Wie es weitergehen soll, weiß keiner. Es gibt weder Rat noch Trost, außer vielleicht durch den Verweis auf den australischen Giant Earthworm. Der kann drei Meter lang und daumendick werden, und seine Häufchen dürften jedes moderne Kurzpassspiel mutmaßlich schon im Ansatz ruinieren.

Bernhard Honnigfort berichtet für die FR aus den Bundesländern.

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