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Ein Wunder wäre es, wenn die Katholische Kirche nicht länger rumeiern würde.

Katholische Kirche

Wunder gibt es immer wieder

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Markus Söder und Horst Seehofer haben die CSU vom Joch der Übermächtigkeit befreit. Ähnlich Gutes könnten auch noch andere tun - zum Beispiel die katholische Kirche. Die Kolumne.

Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Ich berichtete nämlich einmal an dieser Stelle, dass mein Opa Karl den Radetzkymarsch furzen konnte. Das war nicht schlimm, es entsprach ja auch der Wahrheit. Dann aber schlug ich vor, ihn für diese Fähigkeit heiligzusprechen, und dafür musste ich zu Recht gewaltige Schimpfe aus dem Lager der Katholen einstecken.

Das traf mich schwer, denn wie alle Tierchen möchte schließlich auch ich geliebt werden. Also entschuldige ich mich für diese vorschnelle Äußerung und begebe mich unverzüglich auf die Suche nach den wahren Kandidaten für eine Heiligsprechung.

Sofort fallen mir da Markus Söder und Horst Seehofer ein. Sie vollbrachten das Wunder, die CSU vom Joch der Übermächtigkeit in Bayern zu befreien und damit von einem ungeheuren Druck, der jahrzehntelang auf der Partei lastete.

Papst Franziskus ist halt doch nur ein Papst

Sie kann sich nun unbeschwert ihren originären christlichen und sozialen Idealen widmen. Hosianna – aber das war’s dann auch schon. Weiter fallen mir nämlich nur Vorgänge ein, die ein Wunder wären – würde man sie denn vollbringen oder hätte man dies getan. Eine weitere Besonderheit: Sie liegen alle nicht Jahrhunderte zurück, sondern nur wenige Tage.

So wäre es ein Wunder gewesen, hätte das Gießener Landgericht ein Urteil gegen eine Ärztin nicht bestätigt, sondern dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vorgelegt, um dort den unsäglichen Paragrafen 219 endlich kippen zu lassen.

Der nämlich entstand gefühlt kurz nach der Abschaffung der Hexenverbrennung und untersagt Ärzten, „aus finanziellem Vorteil heraus“ Abtreibungen „anzukündigen oder anzupreisen“. Das hatte die Medizinerin angeblich getan, da sie so human und vernünftig ist, Schwangerschaftsunterbrechungen vorzunehmen und darauf auf ihrer Internetseite hinwies.

Ein Wunder wäre es gewesen, wenn Papst Franziskus tatsächlich was auf der Pfanne hätte und nicht doch strunzreaktionäre Aussagen ausspeien würde wie „Ungeborenes Leben töten ist, als würde man einen Killer beauftragen.“ Was sagt uns das? Er ist halt doch nur ein Papst.

Ein Wunder ist (oder ist es kein Wunder, sondern Wille?), dass Kommunen angeblich keine rechtliche Handhabe finden, gegen wildgewordene Gotteskrieger vorzugehen, die seit Monaten betend vor Beratungsstellen von Pro Familia herumlungern und meist sowieso schon verunsicherte, hilfesuchende Frauen zusätzlich brandmarken.

Ein Wunder wäre es, wenn die Katholische Kirche nicht länger rumeiern würde und die bereits geschehenen Vergewaltigungen durch ihre Würdenträger tatsächlich aufdecken und durch weltliche Gerichte bestrafen lassen würde und wenn sie endlich begänne, immer noch geschehende zu verhindern – und zwar durch Aufhebung des mittelalterlichen Relikts namens Zölibat. Dessen Verhängung nämlich ist zwar kein Auftragsmord, aber zumindest Nebentäterschaft beim Missbrauch Minderjähriger.

Ein Wunder wäre es, wenn öffentlich-rechtliche Sender sich nicht länger von verkrusteten Kirchenvertretern in ihren Rundfunkräten leiten ließen und nicht mehr stundenlang über einen Hokuspokus namens Heiligsprechung berichten würden. Ein weiteres Wunder wäre es schließlich, wenn angesichts all dieser ausgebliebenen Wunder nicht noch viel mehr Menschen aus der Katholischen Kirche austreten würden.

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