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Framing

Ein Wort und seine Bedeutung

Elisabeth Wehling über politisches Framing.

Von Barbara Weitzel

Schließen Sie kurz die Augen. Und jetzt: Denken Sie nicht an ein Boot.

Nun? Woran haben sie gedacht? Mit Sicherheit an ein Boot. Vielleicht an eine Ruderfahrt auf dem See. Vielleicht an einen maroden Kahn, übervoll mit Menschen, ungeschützt schaukelnd auf dem Meer. Woran Sie bestimmt nicht gedacht haben: an Deutschland. Doch genau dafür wurde und wird das Wort immer wieder im politischen Diskurs genutzt. Ob mit dem Satz „Das Boot ist voll“, ob mit Bildern wie der „Flüchtlingswelle“ oder dem „Flüchtlingsstrom“.

In diesem Deutungsrahmen erscheint ein Land als kleines Schiff in großer Not. Nicht als das Schwergewicht von Dampfer, das es in Wahrheit ist. Und indem wir Worte wie Boot, Welle oder Strom wählen, tragen wir das Bild vom in Bedrängnis geratenen Opfer, das gerettet werden muss, weiter. Ganz gleich, ob wir sagen: „Das Boot ist voll“ oder „das Boot ist nicht voll“.

Elisabeth Wehling verdeutlicht diesen Mechanismus in ihrem Buch „Politisches Framing“ an einem harmloseren Beispiel („Denken Sie nicht an Obamas graue Haare“) und erklärt: „Unserem Gehirn ist es völlig egal, ob wir eine Idee bejahen oder verneinen. Es tut in beiden Fällen dasselbe. Es ruft erst einmal die Idee auf, um die es geht. Nur so kann es begreifen, was es zu bejahen oder zu verneinen gilt.“ Nicht nur bei dem Frame (= Deutungsrahmen) „Boot“ führt das dazu, dass die Wirklichkeit umgekehrt wird. Ähnlich verhält es sich mit den „Steuerzahlern“ und jenen, welche „die Zeche zahlen müssen“, also alle, die doch eigentlich nichts anderes tun, als ihren Beitrag zum Gemeinwesen beizutragen.

Der Bürger, der an „Islamophobie“ leidet, wird zum unschuldig Kranken. Der „Arbeitnehmer“ zum Empfänger einer Gabe, ähnlich dem „Leistungsempfänger“, der sich „in der sozialen Hängematte“ ausruht. Und wir alle zu unschuldigen Opfern des „Klimawandels“. Wehling geht mit dem Seziermesser an diese und unzählige weitere Metaphern, und mit großem Vergnügen und Erstaunen erkennt der Leser die Omnipräsenz sprachlicher Frames in scheinbar noch so harmlosen Begriffen. Wer das Buch gelesen hat, wird von nun an jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Von „Entspannung“ in der „Flüchtlingskrise“ ist nun viel die Rede gewesen. Wir Europäer mögen uns entspannen. Sie kommen nicht mehr an, die Hunderttausenden, die vor Krieg, Gewalt und Not fliehen. Doch sie sind nach wie vor unterwegs. Die Krise ist vorüber? Denken Sie nicht an ein Boot!

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