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Soll nicht nur für das Gute, sondern für die UN auch für Gleichberechtigung kämpfen: Wonder Woman, hier gespielt von Gal Gadot.
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Soll nicht nur für das Gute, sondern für die UN auch für Gleichberechtigung kämpfen: Wonder Woman, hier gespielt von Gal Gadot.

Un-Botschafterin

Wonder Womans neuer Auftrag

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Die UN lassen die Comic-Figur Wonder Woman symbolisch für Gleichberechtigung kämpfen. Keine gute Idee, finden viele. Die Kolumne.

Wonder Woman wurde in diesem Jahr 75 Jahre alt. Das sieht man dem Comic gewordenen heterosexuellen Männertraum zwar nicht an, doch die Dame mit den Sternchen-Hotpants und dem ausladenden Dekolleté einer Pamela Anderson hatte ihren ersten Auftritt bereits 1941 in den „All Star Comics“, Folge 8. Sie ist die Superheldin unter den Superhelden, Amazone der paradiesischen Insel Themyscira und Tochter der Königin Hippolyta. Wenn sie nicht gerade zu verhindern sucht, dass die Korsage platzt, kämpft sie für den Weltfrieden und gegen Nazis, was durchaus löblich ist, gründet eine Familie mit Superman, was naheliegt, und fungiert seit kurzem als Botschafterin der Vereinten Nationen (UN) für Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen, was klingt wie „just a joke“.

Ist keiner, da haben die Vereinten Nationen im letzten Jahr unter Generalsekretär Ban Ki-moon, nochmal richtig einen rausgehauen. Nichts gegen die pazifistischen und kulturellen Errungenschaften der Wonder Woman: Doch taugt ein All-American-Schneewittchen, die vermutlich so manchen GI-Spind mit Leben erfüllt, als Repräsentantin für die Rechte der Frauen aus 193 Staaten? Gegen ein hot-hot-hotter Pin-Up ist generell nichts einzuwenden, als Fackelträgerin des Feminismus hätte es aber genauso gut, bleibt man im Genre, Biene Maja sein können.

Womöglich gäbe es global sogar mehr Mädchen und Frauen, die sich mit ihr identifizieren: Ihre Hautfarbe schwankt zwischen gelb und braun, die Figur entspricht nicht dem gängigen Bauch-Beine-Po-Ideal und schlauer als Kollege Willy ist sie allemal. Nein, Wonder Woman, die überfrauliche, durch und durch kommerzialisierte Figur zwischen Sexappeal und Kämpferin soll der symbolischen Gleichheit unter den Geschlechtern dienen, eine aus Fleisch und Blut hat dem New Yorker Männerzirkus offensichtlich nicht gereicht.

Was folgern die Erdenbürgerinnen aus dieser Entscheidung? Werden ihre Belange tatsächlich ernst genommen, wenn man sie auf ein durchtrainiertes Comic-Püppchen runterlabelt? Oder sind sie dann schon wieder die spießigen Emanzen, die den historisch-revolutionären Charakter der „Feminismus-Ikone“ einfach nicht kapieren (blond und so)?

Frauenrechtlerinnen wie Shazia Rafi laufen bereits Sturm: „Wir haben den Punkt überschritten, an dem wir eine vollbusige, muskulöse Version von Barbie in kurz geschnittenen Hosen brauchen, um Gleichheit zu repräsentieren“, formuliert Rafi, die eine Petition gegen Wonder Woman gestartet hat.

Andere wollen Wonder Woman als Signal an Homosexuelle verstanden wissen. Greg Rucka, aktuell der Autor der Comic-Reihe, hatte in einem Interview Wonder Woman als lesbisch („queer“) bezeichnet. Dass das in einer Phantasiewelt der Amazonen nicht so einfach sein dürfte, räumt selbst Rucka ein: „Eine Amazone schaut nicht eine andere an und sagt: ‚Du bist lesbisch‘.“

Natürlich tut sie das nicht, noch nicht mal im Comic in einer reinen Frauengesellschaft, die das lesbische Bewusstsein nicht kennt. Wonder Woman taugt ergo auch maximal als Projektionsfläche – und zwar in erster Linie vermutlich für heterosexuelle Männer.

Katja Thorwarth ist Autorin und Redakteurin der digitalen Redaktion der FR.

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