+
Bauvorhaben in Berlin-Kreuzberg.

Wohnungssuche

"Die Wohnung kriegst Du nie!"

  • schließen

Auf der Suche nach einer Bleibe lernt man viel dazu. Kinder und eine dunkle Hautfarbe beispielsweise sind nicht unbedingt hilfreich. Die Kolumne.

„Schwarz, alleinerziehend und drei Kinder: Die Wohnung kriegst Du nie!“ Die Tatsache, dass ich gar nicht alleinerziehend bin, wird von meiner ältesten Freundin in Berlin nicht akzeptiert: „Ganz egal. Wenn du ohne Mann kommst, sind das nur Deine Kinder.“

Nun ja, sie hat nicht die diplomatischste Art, einem unangenehme Wahrheiten mitzuteilen. Ganz unrecht hat sie aber nicht. Die große Maisonettewohnung, die ich seit sechs Jahren mit meinen Kindern bewohne, gehört Freunden, die in naher Zukunft aus dem Ausland zurückkehren. Ich habe mich also bereits vor längerer Zeit auf die Suche gemacht und beobachtet, wie die Mieten jedes Jahr steigen. Gleichzeitig hat sich meine Erwartungshaltung jedes Jahr um zehn Quadratmeter reduziert. Aber selbst wenn ich bei der Größe Abstriche mache: Eine Besichtigung kommt oft gar nicht erst zustande.

Schlimmer als die Absagen am Telefon sind die Termine mit Maklern oder Besitzern: „Sie haben also keinen Mann?“ Und: „Ich habe natürlich kein Problem mit Schwarzen, aber, sehen Sie, das letzte Mal gab es ganz viele Probleme mit einer alleinerziehenden, hübschen, schwarzen Frau. Die Männer im Haus, die waren alle verrückt nach ihr. Das sahen ihre Frauen gar nicht gerne.“ Ich entgegne, dass ich gar nicht alleinerziehend bin. „Sie sind aber trotzdem sehr hübsch“, kontert die Maklerin.

Bei einer anderen Variante dieser Unterhaltung geht es hauptsächlich um die Kinder. „Ich habe natürlich kein Problem mit Kindern, habe ja selbst Kinder. Aber hier im Haus sind viele alte Leute, wissen Sie?“ Wenigstens weiß ich jetzt, dass ich hier mit meinen drei Kindern (für die ich mir die Verantwortung mit meinem Exmann teile) nicht willkommen bin.

Die nächste Hürde ist das liebe Geld. Eine Festanstellung seit sechs Jahren, ein zusätzlicher Teilzeitjob und diverse freie Aufträge entlocken der Maklerin die Bemerkung: „Irgendwann werden Sie das nicht mehr schaffen, oder?“

Für eine gute Wohnung habe ich mir einen Plan B zurechtgelegt: Ich biete die Bürgschaft einer wohlhabenden Freundin an sowie eine Kaution von fünf Monatsmieten. Manchmal verwandle ich meine Zwillingssöhne in ein Kind und beantworte die Frage nach dem Alter meiner Kinder mit „14 und 12“ (technisch gesehen keine Lüge!). Nichts scheint zu funktionieren. Ich sehe Wohnungen, für die ich mich beworben habe, sechs, sieben Monate lang leer stehen.

Einmal hätte es fast geklappt. Der Hausbesitzer war ein pensionierter persischer Professor: „Meine Dame, mich interessiert nur, dass Sie die Miete zahlen können.“ Ich zeigte ihm meine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung (die Länge mancher deutscher Wörter verblüfft mich bis heute!). „OK“, sagte er. „Sie können die Wohnung haben. Ich weiß doch, wie schwer es ist, als Ausländer in guten Bezirken eine Wohnung zu finden.“ Ein Gefühl der Erleichterung wich Ernüchterung, als wir nach unten in seine Wohnung gingen. Er zündete sich direkt unter dem Fenster, über dem mein neues Schlafzimmer mit Balkon liegen sollte, eine Zigarette an, und entpuppte sich als Kettenraucher. Der Traum meiner neuen Wohnung löste sich in Rauch auf.

„Du wirst nur Erfolg mit Vitamin B oder über direkte Bekannte haben“, sagt meine älteste deutsche Freundin. „Es muss durch Leute kommen, die dich bereits kennen und wissen, dass du die Miete einbringst.“

Rose-Anne Clermont ist Autorin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare