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Keine Reform

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Papst Franziskus hat seine Versprechen nicht umgesetzt. 

Auf der Rückseite des Buches wird aus ihm zitiert: „In den fünf Jahren seines Pontifikats hat Franziskus keine einzige Reform durchgesetzt.“ Der 1963 in Turin geborene Marco Marzano ist seit 2006 Ordinarius für Organisationssoziologie an der Universität Bergamo. Natürlich interessiert ihn die wahrscheinlich älteste Bürokratie der Welt, die katholische Kurie, sehr. Die Versuche, sie zu reformieren, sind höchst willkommenes Anschauungsmaterial für den Soziologen.

Marco Marzano betreibt keine Seelenforschung. Er beobachtet nur, was Papst Franziskus tut. Er erinnert an dessen frühe Erklärungen über die Erfordernis einer grundlegenden Reform der katholischen Kirche und stellt fest, dass davon keine Rede mehr ist, dass im Gegenteil engste Vertraute des Papstes festhalten, dass die Kirche der Pflege der Tradition, nicht aber der Reform bedürfe.

Alte Strukturen sind nicht über Nacht zu verändern. Es sei denn, sie geraten in eine wirklich existenzielle Krise, aus der sie nur mittels drastischer Veränderungen herauskommen können. In einer solchen Krise sieht die Kurie sich nicht. Wo keine Krise, keine Reform stellt der Organisationssoziologe fest.

Marzano analysiert die wichtigen Erklärungen des Papstes und kommt zu dem Schluss. dass auch Franziskus alles dafür tut, die Einheit der Kirche zu wahren. Er schlägt sich nicht auf die Seite der Reformer. Er geht auf sie zu, wie er auf die Traditionalisten zugeht und bisher ist er den Traditionalisten stets weiter entgegen gekommen.

Franziskus mag die Theologen nicht. Am liebsten würde er sie, so erklärte er in einem Interview, alle auf eine Insel stecken, wo sie dann ihre Zeit mit Diskussionen verbringen können, ohne die Organisation oder gar die Öffentlichkeit aufzuschrecken. Zu dem einfachen Leben, das Franziskus predigt, gehört auch der einfache Geist. Das mag die besonders raffinierte Wende eines Jesuiten sein, aber Franziskus trägt sie vor, als Politik in der Nachfolge Christi: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“

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