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Wie lange werden Firmen und die Arbeitsplätze zu halten sein?

Gastbeitrag

Unternehmen in der Corona-Krise: Gemeinsam, nicht gegeneinander

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Die Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise. Eine Vermögensabgabe würde vielen Firmen das Leben schwer machen. Der Gastbeitrag.

Auch die Familienunternehmen ächzen weiter unter der Corona-Krise. Bei vielen gibt es Liquiditätsengpässe, Auftragseinbrüche, unterbrochene Lieferketten, Personalausfälle. Bei zwei Drittel der Familienunternehmer ist die Unternehmenstätigkeit gesunken – um durchschnittlich 50 Prozent. Firmen brechen die Einnahmen weg – während die Ausgaben weiterlaufen. Die Konsequenz: Ein Drittel der Familienunternehmen übersteht nur noch wenige Wochen. Mit ihrer drohenden Insolvenz werden weitere Dienstleister und Firmen in den Produktionsketten ins Straucheln kommen.

In dieser Phase, in der viele Firmen um ihren Fortbestand kämpfen und wir womöglich noch am Anfang der Krise stehen, sind alle mit großen Fragen konfrontiert. Wie lange werden Firmen und die Arbeitsplätze zu halten sein? Welche Maßnahmen müssen für die Liquidität der Firma, welche für die Beschäftigten weiter umgesetzt oder noch nachjustiert werden? Und schließlich, wie wird Deutschland für die Kosten, die durch die Krise entstanden sind, aufkommen?

Reflexe in Corona-Krise: Vermögende sollen für die Kosten aufkommen

Wie ein Reflex melden sich altbekannte Stimmen: Sie wollen die Frage auf einen Aspekt verengen: die Einteilung unserer Gesellschaft in Arm und Reich. Die Vermögenden sollen für die Kosten aufkommen. Bei allem Respekt vor der SPD, einer Regierungspartei auf Bundesebene: Das ist zu billig! Auf sie fällt es zurück, wenn ihre Co-Vorsitzende eben solche platten Forderungen kontextlos, ohne weitere Erklärung in den Raum stellt.

Wer ist für Saskia Esken vermögend? Der Sohn, der sich für den Eigenbedarf eine Eigentumswohnung für die Altersvorsorge anspart und der in den nächsten Jahren die Eigentumswohnung seiner Eltern erben wird? In Berlin, Frankfurt oder Stuttgart ist man damit bei einem ansehnlichen „Vermögen“. Die Inhaberin oder der Inhaber eines Familienunternehmens in vierter Generation, deren Kapital in Maschinen und Fabrikhallen steckt? Wo zieht Frau Esken die Grenze und wo entzieht sie den Menschen ihre Grundlage für Vorsorge oder unternehmerische Wertschöpfung?

Unternehmen in Corona-Krise: Firmen überschulden sich

Um die Krise zu überstehen, steuern viele Firmen auf eine Überschuldung zu. Für die Mitte gibt es keine Zuschüsse, sondern nur Kredite, die zurückgeführt werden müssen. Es wird daher eine der größten Überschuldungswellen über uns zusammenschlagen. In dieser riskanten Lage – im Wege neuer Steuern – Betriebsvermögen aus den Firmen zu ziehen, würde dafür sorgen, dass den nach Corona verbliebenen Unternehmen die Luft ausgeht und Arbeitsplätze verloren gehen.

Die Grünen haben einen digitalen Parteitag gewagt. In Fragen der Wirtschaftspolitik wünschte ich mir die gleiche Aufgeklärtheit. Sie bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Die Partei macht Zielvorgaben, subventioniert gefällige Technologien und wälzt die Subventionskosten über Umlagen auf die Verbraucher um – staatlich domestiziert als ökologisch-soziale Marktwirtschaft.

Vermögensabgabe in Corona-Krise nicht ausgeschlossen

Die Grünen bleiben zentralistisch, bevormundend und auf Umverteilung ausgerichtet. Immerhin ist der Kampfbegriff der Vermögensabgabe nicht im Leitantrag zu finden – ausgeschlossen ist sie aber auch nicht. Sicher ist jedenfalls, dass die Grünen mit der Vergemeinschaftung von Schulden durch Corona-Bonds und durch das dauerhafte Aufweichen der Schuldenbremse eine Steuererhöhung vorzeichnen.

Sarna Röser.

Auch die vorgeschlagene Kürzung der Erneuerbare-Energie-Umlage ist doch nur ein Wolf im Schafspelz. Statt das EEG abzuschaffen und die Kosten zu minimieren, sollen 20 Milliarden Euro aus dem Steuerhut gezaubert werden, damit die Investoren der erneuerbaren Energie weiter ihre Vergütung bekommen – selbst wenn der Strom bei sinkender Nachfrage nicht gebraucht wird.

Die Welt geht unter, und die Grünen nehmen auf Kosten von allen anderen, insbesondere dem Steuerzahler, ihre Lieblingsklientel von jeglichem Risiko aus und werben für den Einbau neuer Heizungen. Ein wirtschaftlicher Aufschwung nach der Krise wird auf diese Weise nicht erreicht werden können. Doch dieser Aufschwung ist zwingend notwendig.

Wirtschaft in Corona-Krise: Gesellschaft muss zusammenhalten

Um die Krise zu bewältigen wie auch um die Kosten der Krise zu stemmen, braucht es mehr als Klassenkampf und Klientelbewirtschaftung. Es braucht eine Gesamtanstrengung. Derzeit beweist die Gesellschaft, dass es möglich ist, die Gesundheit aller an erste Stelle zu setzen, beisammen zu stehen und gemeinsam durch die Krise zu kommen.

Von allen Parteien würde ich mir wünschen, dass sie die Gesellschaft als Ganzes sehen und durchdachte Vorschläge machen. Viele sollten sich von alten Feindbildern emanzipieren: Niemand ist schuld. Auch die Unternehmer nicht. Dieses Virus hat überall Opfer gefunden, auch unter vielen Unternehmen. Die Krise mit einer Schrumpfung der Wirtschaft bis zehn Prozent ist keine Zeit für Spalter, sondern für gemeinsame Versuche, schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Sarna Röser ist Vorsitzende von „Die Jungen Unternehmer“.

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