Klimaschutz

Wie wir CO2 wirklich reduzieren

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Der Emissionshandel ist als Instrument für den Klimaschutz sinnvoller als die CO2-Steuer. Die Erderwärmung lässt sich damit stoppen. Der Gastbeitrag.

Weniger Emissionen und weniger Emotionen, das sollten wir uns in der Klimadebatte auf die Fahnen schreiben. Es scheint so, als heize die Erderwärmung auch die Diskussion um die passenden Lösungen immer weiter auf. Dabei ist in dieser prekären Situation ein kühler Kopf gefragt, um schnell und effizient zu handeln.

Einzelnen Branchen, Lebensstilen oder Unternehmen die Schuld zu geben, vergeudet wertvolle Zeit. Wir sollten uns stattdessen mit der Hilfe wissenschaftlicher Fakten auf die Suche nach passenden Rahmenbedingungen und Instrumenten begeben. „Fridays for Future“ sorgt für Aufmerksamkeit, Biologen, Meteorologen und Physiker liefern Erkenntnisse, die Politik setzt diese um und die Unternehmen realisieren die nötigen Innovationen.

Die Energiewende und die Bemühungen der Bundesregierung, Klimaschutz durch Subventionen und politische Planung zu erreichen, sind gescheitert. Die wirkungslose Verteuerung von Energie hat sowohl die Bevölkerung als auch Firmen lange genug belastet. Die Kosten belaufen sich auf bisher über 400 Milliarden Euro und steigen weiter. Deutschland erreicht seine eigenen Klimaziele trotzdem nicht, während andere europäische Mitgliedstaaten ihren CO2-Ausstoß viel besser in den Griff bekommen. Wir müssen die Konsequenzen daraus ziehen und politische Fernsteuerung und die Abgabenbelastung abschaffen und mit wirksameren Instrumenten ersetzen.

Nachdem die Wirksamkeit von Einzelverboten, wie etwa Plastik, Flug oder Diesel, zu Recht infrage gestellt wurde, bleiben zwei Instrumente übrig, die Experten als wirksam einstuften. Entweder soll eine CO2-Steuer oder der Handel mit Emissionszertifikaten in Energieerzeugung, Verkehr, Industrie, Gebäude und Landwirtschaft ausgestoßenem CO2 einen angemessenen Preis geben.

Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es schon CO2-Steuern gibt. die CO2 einpreisen. Sie sind jedoch unterschiedlich hoch. So kostet eine Tonne CO2, die durch Heizöl ausgestoßen wird, 28 Euro, durch Diesel 215 Euro und durch Benzin sogar 328 Euro. Dieser Preis ist willkürlich bestimmt und muss nicht so hoch sein. Zum Vergleich: Eine Tonne CO2 durch Waldaufforstung zu kompensieren, kostet lediglich 23 Euro.

Es macht aber keinen Sinn, peu á peu verschiedene CO2-Quellen unterschiedlich zu besteuern. Stattdessen müssen wir einen einheitlichen Ansatz für den Preis von CO2 einführen. Denn in welchem Bereich CO2 eingespart wird, ist dem Klima völlig egal. Selbst wenn eine CO2-Steuer also einheitlich wäre, würde der CO2-Ausstoß nicht genug abnehmen. Das zeigen sogar die Studien des Bundesumweltministeriums. Der Bevölkerung, vor allem den sozial Schwachen, tut eine Preiserhöhung zwar sehr weh, getankt und geheizt wird trotzdem. Das wird beim Fliegen nicht anders sein, solange attraktive Alternativen fehlen.

Der Emissionshandel ist bezahlbar und schützt das Klima effektiv. Leider ist er im Gegensatz zu einer CO2-Steuer schwieriger zu vermitteln, weshalb er in der Öffentlichkeit eher unpopulär ist. Dabei ist das Prinzip einfach: Wer CO2 ausstößt, muss der Höhe entsprechend Zertifikate kaufen. Die Anzahl der ausgegebenen Zertifikate ist begrenzt und wird – im Gegensatz zur CO2-Steuer – nach und nach reduziert. So werden die CO2-Ziele garantiert erreicht.

Wer mehr ausstößt als er Zertifikate besitzt, muss mit hohen Strafen rechnen. Die Käufer der Zertifikate können diese untereinander handeln. Derjenige, der durch innovative Techniken weniger CO2 ausstößt, kann also Zertifikate verkaufen und wird belohnt. Vor allem weil die Zertifikate mit der Zeit immer teurer, weil weniger, werden. Ideal wäre es, wenn der ETS mindestens europaweit etabliert und mit weiteren globalen Systemen verzahnt würde. Bis jetzt werden im europäischen Emissionsmarkt, genannt ETS, nur Zertifikate in den Sektoren Energieerzeugung und Industrie gehandelt. Die Emissionen konnten hier im Gegensatz zu den nicht gehandelten Sektoren deutlich reduziert werden.

Für das Klima wäre ein europaweiter Emissionshandel in allen Sektoren besser als eine CO2-Steuer. Sie könnte allerdings eine kurzfristige Übergangslösung werden und durch eine Vereinheitlichung der Energiesteuern sorgen. Andererseits sieht man am Soli, wie schwer sich die Bundesregierung dabei tut, einmal eingeführte Steuern wieder rückgängig zu machen. Der Emissionshandel dagegen ist sauber, sicher und bezahlbar. Die EU könnte damit eine Vorreiterrolle im Klimaschutz einnehmen. Es ist an der Zeit, dass Klimaschutz international gedacht wird. Nur so kann die Erderwärmung gestoppt werden.

Sarna Röser ist Bundesvorsitzende des Verbands Die jungen Unternehmer, designierte Nachfolgerin im Familienunternehmen Zementrohr- und Betonwerke Karl Röser & Sohn und Gründerin eines Start-ups.

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