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Helfen wir nicht schnell, steuern viele Länder auf eine humanitäre Katastrophe zu. Allein im zweiten und dritten Quartal 2020 gingen im Kontext der Pandemie in Subsahara-Afrika 80 Millionen Jobs verloren.
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Helfen wir nicht schnell, steuern viele Länder auf eine humanitäre Katastrophe zu. Allein im zweiten und dritten Quartal 2020 gingen im Kontext der Pandemie in Subsahara-Afrika 80 Millionen Jobs verloren.

Gastbeitrag

Wir sollten helfen, weil wir helfen können

Die globale Impfstrategie darf nicht erst einsetzen, wenn es ausreichend Impfstoff gibt. Der Gastbeitrag von Lucia Puttrich und Tanja Gönner.

Corona hört an Grenzen nicht auf. Diese Mahnung hat uns seit dem Ausbruch der Pandemie begleitet. Jetzt sind verschiedene Impfstoffe entwickelt worden und ja, sie werden in absehbarer Zeit auch in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Daher muss es nun darum gehen, die globale Abschottung aufzulösen und Verantwortung in der Welt zu übernehmen.

Wir müssen helfen, weil wir helfen können. Deutschland verfügt über die Erfahrung und das Wissen, in Situationen wie diesen weltweit helfen zu können. Dabei geht es einerseits darum, dass ausreichend Impfstoff auch in den Entwicklungsländern zur Verfügung steht. Es muss auch um eine nachhaltige Unterstützung im Umgang mit der Pandemie und deren Folgen gehen.

Wie wichtig das ist, zeigt Afrika. Allein im zweiten und dritten Quartal 2020 gingen im Kontext der Pandemie in Subsahara-Afrika 80 Millionen Jobs verloren. Afrika hat einen unerwarteten wirtschaftlichen Absturz erlebt, ausgelöst durch einen Kollaps des Tourismus, eine geringere Auslandsnachfrage an Produkten sowie sinkende Rohstoffpreise.

Eine politische Destabilisierung afrikanischer Länder aufgrund von wirtschaftlichen und humanitären Folgen der Pandemie würde in erster Linie Europa treffen. Migrationsdruck, auch Rückschritte in unserer jahrzehntelangen Entwicklungsarbeit könnten die Folgen sein. Corona hat sich in Afrika, zumindest bisher, zwar weniger stark verbreitet als befürchtet. Doch weil die Voraussetzungen im Kampf gegen die Folgen der Pandemie in Afrika ungleich schlechter sind als in Europa, werden die Auswirkungen dort verheerender sein.

Es ist zu begrüßen, dass sich die G7-Staaten im Februar auf eine finanzielle Unterstützung der Länder des globalen Südens verständigt haben. Die Impfplattform Covax plant, den 92 ärmsten Ländern der Welt bis Ende des Jahres 1,8 Milliarden Impfstoffdosen bereitzustellen. Mit fast einer Milliarde Euro ist Deutschland der zweitgrößte Geber.

Die faire Verteilung des begrenzten Impfstoffs ist dabei nicht nur in Europa eine heikle Frage. Ausfuhrverbote und sonstige Restriktionen der USA, der Streit um die richtige Impfstrategie in der EU sowie das komplexe Verhältnis zu Großbritannien zeigen, wie schwierig die Ausgangslage auch für die Geberländer ist. Ungleich schwerer haben es die Länder, die nicht über die Ressourcen verfügen, die Impfstoffe auf dem Weltmarkt zu erwerben. Die Bereitstellung des Impfstoffes kann nur ein erster Schritt sein. Selbst wenn ausreichend Impfstoffe geliefert werden können, würden diese Lieferungen auf teils schwache Gesundheitssysteme und enorme logistische Herausforderungen stoßen.

Die globale Impfstrategie darf nicht erst einsetzen, wenn es ausreichend Impfstoff gibt. Helfen wir nicht schnell, steuern viele Länder auf eine humanitäre Katastrophe zu. Dabei braucht es einen ganzheitlichen Ansatz von der Finanzierung, über den Aufbau stabiler Gesundheitssysteme, der Ausbildung von medizinischen Personal bis zur Impfung.

Entwicklungs- und Schwellenländer brauchen eine stabile Gesundheitsinfrastruktur. Diese wäre nicht nur Unterstützung in der aktuellen Not, sondern eine Investition im Umgang mit künftigen Gesundheitskrisen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit kann hier eine wichtige Rolle übernehmen.

Die bundeseigene Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat Erfahrungen mit dem Auf- und Ausbau von Gesundheitssystemen in Afrika und einen direkten Zugang zu dortigen Ministerien, Kommunen und der Zivilgesellschaft. Im Zusammenspiel mit anderen Organisationen entsteht daraus eine wirkungsvolle Partnerschaft.

Für Deutschland ist es nicht nur eine humanitäre Verpflichtung zu helfen. Es ist auch eine Chance, unser gutes Ansehen in der Welt zu untermauern. Nicht allein, sondern als Teil der EU, die sich als kraftvolle Gemeinschaft zeigen kann. Wie stark Europa ist, hat es mit seinen EU-Institutionen, Mitgliedstaaten und Durchführungsorganisationen, darunter die GIZ sowie verschiedene Förderbanken, bereits bewiesen.

Fast 36 Milliarden Euro wurden unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft für Projekte um die Corona-Pandemie für weniger entwickelte Länder verfügbar gemacht. Die EU-Staaten müssen dafür sorgen, die Folgen der Pandemie in den Ländern des Südens zu mildern. Wir sollten nicht nur helfen, weil wir helfen können. Sondern, weil es ein Gebot der Stunde ist.

Lucia Puttrich ist hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten.
Tanja Gönner ist Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

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