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Will von Abgasmanipulationen bei VW nichts gewusst haben: Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn

VW-Abgasskandal

Winterkorns Versagen

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Der frühere VW-Chef will von der jahrelangen systematischen Manipulation nichts mitbekommen haben. Ein einmaliges Versagen. Doch auch die Politik trägt eine Mitschuld. Ein Kommentar.

Der Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kann nicht nachvollziehen, wie der Konzern bei den Emissionswerten von Dieselautos so dreist betrügen konnte. Das hat er vor dem Abgasuntersuchungsausschuss des Bundestages eingeräumt. Gehen wir einmal davon aus, dass der frühere Manager die Wahrheit gesagt hat. Dann hat Winterkorn in einem Maß versagt, das in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmalig ist. Denn es stimmt in einem Unternehmen etwas ganz gewaltig nicht, wenn jahrelang Abgastests systematisch manipuliert werden – und der Chef bekommt davon nichts mit.

Und die Angelegenheit wird erst richtig peinlich, bedenkt man, dass Umweltorganisationen schon vor gut fünf Jahren Nachmessungen vorgelegt haben, die auf die Manipulationen hinwiesen. Dieses Maß an Ignoranz ist schon sehr bemerkenswert. Doch es hat einen rationalen Hintergrund. Volkswagenmanager, aber auch Führungskräfte anderen Autobauer konnten sich sicher sein, dass ihnen keine Scherereien mit der Bundesregierung drohen. Diverse Minister haben in den vergangenen Jahren konsequent weggeschaut, wenn es um „Unregelmäßigkeiten“ bei Abgaswerten ging. Deshalb trägt letztlich die Politik eine Mitschuld am Abgasskandal – eine Art Freispruch für Winterkorn ist das aber nicht.

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