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Winterkorns Verfehlungen

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Am Boden: Martin Winterkorn war der bestverdienende Dax-Chef und wurde lange gefeiert.
Am Boden: Martin Winterkorn war der bestverdienende Dax-Chef und wurde lange gefeiert. © dpa

Der VW-Chef Martin Winterkorn hat die Betrügereien in seinem Konzern viel zu lange geduldet und gedeckt. Sein Nachfolger wird Jahre brauchen, um die Folgen des Abgas-Skandals zu bewältigen. Ein Kommentar.

Der mächtigste Automanager der Welt tritt zurück. Das Präsidium des Aufsichtsrats hat VW-Chef Martin Winterkorn dazu gezwungen. Bis zuletzt klebte der 68-Jährige an seinem Stuhl, obwohl schon am Montag klar war, dass er nicht mehr zu halten ist. Aber ein Konzernchef, der in zwei Tagen Aktienwerte von 30 Milliarden Euro vernichtet, muss gehen.

Winterkorn hat den Abgas-Skandal bei VW mit seinem verspäteten Rücktritt noch einmal zusätzlich verschärft. Das aber ist nur der Schlusspunkt einer Kette von Verfehlungen, die Winterkorn offenbar nicht wahrhaben wollte. Viel zu lange hat er Tricksereien geduldet. Da fehlte es massiv an Unrechtsbewusstsein. Und schließlich wurden auch noch die Öffentlichkeit und die Aktionäre erst dann informiert, als es gar nicht mehr anders ging.

Das alles macht die Bewältigung des Skandals für den Nachfolger umso schwieriger. Es wird Jahre dauern, all dies zu bewältigen. Da ist einerseits ein unkalkulierbarer finanzieller Schaden, der den Autobauer, der gerade zur Nummer eins aufgestiegen ist, an den Rand der Pleite bringen kann.

Zudem ist ein globaler Imageschaden entstanden, der auf absehbare Zeit gar nicht auszubügeln ist. Und das ausgerechnet bei einem halbstaatlichen Konzern, der von einer rot-grünen Landesregierung kontrolliert wird. Es braucht nun auch eine grundlegende Debatte darüber, wie die Politik künftig mit den mächtigen Autokonzernen umgeht.

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